In dieser Interviewserie stelle ich 7 Fragen an Inhouse-Führungskräfte aus dem Bereich SEO und Digitales Marketing. Hierdurch lernst du die Leads und ihre Perspektive über Leadership kennen und erhälst durch ihre Antworten Impulse für die Leitung deines eigenen Teams. Es lohnt sich also definitiv! Darf ich also vorstellen? Sascha Blank, Director Inbound Marketing bei Urlaubsguru. – Er wird mir im Folgenden Rede und Antwort stehen…

 

Sascha Blank

Sascha Blank
Director Inbound Marketing bei Urlaubsguru

Sascha Blank ist seit Februar 2020 Director Inbound Marketing bei der Urlaubsguru GmbH und verantwortlich für die Webseitenoptimierung zur Generierung von organischem Traffic. Davor war er beim Urlaubsguru International SEO-Manager und Team Lead SEO. Urlaubsguru ist eine Reiseplattform, die kuratierte Reisedeals mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis bereitstellt und bei der man sich auch seinen Urlaub selbst zusammenstellen kann. Urlaubsguru hat sich durch eine stark Customer-Journey-zentrierte Content-Strategie zu den sichtbarsten Seiten in der Reisebranche gemacht.

 

1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich als Führungskraft positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Die beiden prägendsten Bücher waren für mich Das Wunder der Wertschätzung und Question Thinking – Die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen.

Beim ersten gibt es viele Impulse, wie wir mit Wertschätzung andere und auch uns selbst stärker machen, mit vielen Beispielen aus allen Lebenslagen. Achtsamkeit auf einen selbst und Aufmerksamkeit zum Gegenüber sind hier zwei wichtige Schlüssel in der Kommunikation.

Und bei „Question Thinking“ geht es darum, unvoreingenommen dem Gegenüber zu begegnen, weil man sehr schnell in einen kritischen Modus verfällt. Um dann mit konstruktiven Fragen neue Perspektiven zu eröffnen. Seit ich Papa geworden bin und mich auch viel mit Erziehungsbüchern beschäftige, finde ich auch extrem viele Parallelen von moderner Erziehung zu moderner Führung.

 

2. Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben und welche Erwartungen impliziert dies auf deine Mitarbeiter?

Ich pflege einen kooperativen Führungsstil. Ich „fordere & fördere“ meine Mitarbeiter und möchte, dass sie sich weiterentwickeln, um für die Arbeit die beste Version ihrer selbst zu werden. Mir ist es wichtig, dass sich meine Mitarbeiter entfalten können und eine Umgebung vorfinden, in der sie gerne und gut arbeiten können. Freie Entscheidungen treffen, Fehler machen dürfen (müssen) und eine autarke Arbeitsweise erfordern hier ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Um die intrinsische Motivation zu steigern, erarbeiten wir zusammen Ziele, die kompetitiv, aber erreichbar sein müssen. Jeder muss auch hinter dem stehen, was er macht.

 

3. Inhouse zu führen steht für mich auch stark in Verbindung mit dem Thema Stakeholder-Management. Wie gelingt es dir, andere Mitarbeiter und Abteilungen für dein Thema zu begeistern und für die Umsetzung der für dich wichtigen Themen zu sorgen?

Wie sagt man so schön: „Du kannst nur ein Feuer entfachen, wenn Du selbst brennst!“ Mir hat meine Leidenschaft für das Thema von Anfang an viele Türen geöffnet. Man muss Stakeholdern aufzeigen, dass der Weg, den wir gehen müssen, der richtige für uns als Firma ist. Dass wir nur Erfolg haben, wenn alle mitziehen und wir alle ein gemeinsames Ziel verfolgen. Und das Ziel muss sein, eine Webseite zu bauen, die den User auf seiner Journey perfekt begleitet. Eine Seite, bei der man Urlaub nicht suchen muss, sondern findet.

Viele „unserer“ Themen machen auch einzelne Bereiche besser, was auch auf deren Ziele einzahlt. Erfolge müssen hier sichtbar gemacht und gefeiert werden. Ich veröffentliche oft Erfolge in unseren internen News, damit sich alle Beteiligten freuen und sichtbar für diesen Erfolg werden. Letztendlich sind fast alle Mitarbeiter am organischen Erfolg beteiligt.

Wichtig ist immer, die Userperspektive einzunehmen und nicht von Suchmaschinenoptimierung zu faseln. Deswegen habe ich auch nichts mit SEO in meinem Titel stehen. Die Userperspektive versteht einfach jeder. Deswegen ist es hilfreich, Tickets in User Stories zu formulieren. Beschreib genau den Use Case des Nutzers, für den diese Aufgabe wichtig ist.

 

4. Du bekleidest eine Position des mittleren Managements. Wie gelingt es dir, die Spannung auszuhalten, die Interessen der Geschäftsführung zu vertreten und gleichzeitig dein Team zu schützen bzw. ihre Wünsche zu berücksichtigen?

Ich muss sagen, dass ich das Glück habe, in einer Firma zu arbeiten, in der bis in die obersten Etagen ein großes Verständnis für das Thema herrscht. SEO hat hier historisch schon eine große Bedeutung und in der Corona-Pandemie ist die noch mal gewachsen und hat eine sehr hohe Priorität. Das Verständnis sorgt auch dafür, dass nicht direkt Druck ausgeübt wurde, als wir vom Coreupdate betroffen waren. Wir haben unsere Ziele, die wir gemeinsam erarbeiten, und an denen muss sich das Team orientieren. Allerdings sind die Unwägbarkeiten von Google halt jedem klar.

 

5. Inhouse zu arbeiten, bedeutet in ein Unternehmen, eine Branche tiefer einzutauchen. Im Gegensatz zum Agenturleben kann dies u.U. für mehr Monotonie sorgen. Wie sorgst du daher bei deinen Mitarbeiter:innen für ausreichend Abwechslung und immer wieder neue Herausforderungen?

Von Monotonie kann hier wirklich nicht die Rede sein. Wir haben beim Urlaubsguru ein sehr dankbares Thema, das enorm vielfältig ist. Da wird einem thematisch nicht langweilig. Und es gibt ja nicht nur Google. Appstores sind auch Suchmaschinen, Portale wie Pinterest usw. auch. Wir können in so vielen Dingen in die Tiefe gehen, da ist wirklich extrem viel Raum, um sich auszutoben. Wir haben z. B. im Clubhouse-Hype direkt getestet, wie die Suche dort funktioniert und wie wir unser Profil nach vorne kriegen usw. Da gibt es schon vielfältige Möglichkeiten, sich auszutoben.

 

6. Meetings sind ein zentrales Tool im Unternehmensalltag. Diese haben sich stark durch New Work (Home Office, Remote Work etc.) verändert. Welche regelmäßig stattfindenden Meetings haben sich für dich bewährt und wie gestaltest du diese so, dass diese effizient ablaufen und Spaß machen?

Ich setze auf wöchentliche Meetings, um die kommende Woche zu besprechen und die letzte zu reflektieren. Dazu kommen Quartalsgespräche und ein Jahresgespräch. Es gibt aber auch noch Working-Group-Meetings zu bestimmten Themen, die dann eher flexibel sind. Z. B. haben wir eine Working Group „Inbound Links“, in dem Vertreter von Content, Social-Media & PR mit drin sind.
Man muss im Meeting Raum für Persönliches geben. Gerade remote sind Meetings schon sehr nüchtern auf Themen fokussiert. Das ist natürlich prinzipiell gut, aber die persönliche Ebene geht hier oft verloren. Deswegen starte ich eigentlich immer mit einer lockeren Unterhaltung und Austausch. Manchmal baue ich auch zum Start ein Video über Motivation ein, um eine gewisse Stimmung zu erzeugen.

 

7. Welche weiteren Herausforderungen siehst du in der Remote-Führung und wie gehst du damit persönlich um?

Remote ist für die persönliche Beziehung schon eine relativ schwierige Sache. Mir hat selbst ein harter Remote-Veteran gesagt, dass es niemals ganz ohne persönlichen Kontakt geht. Wie baue ich online eine Beziehung zu jemanden auf? Wie nehme ich seine Stimmungen wahr? Wie viel Kontakt braucht der Mitarbeiter? Wichtig ist hier einfach brutale Ehrlichkeit. Wenn mein Mitarbeiter einen Scheißtag hat, dann soll er das direkt sagen. Ich kann das online nicht so erfassen. Auch ich muss dann direkt sein und sagen, wenn mit mir irgendwas ist. Dann kann man sich besser einschätzen und agieren.

Wie viel Kontakt ein Mitarbeiter braucht, hängt sehr von der Person ab. Mit meinem neuen Kollegen Paul aus Wien habe ich z. B. ein Daily vereinbart. Jeden Tag sprechen wir uns mindestens einmal per Video. Das muss nicht fachlicher Natur sein. Es gibt aber auch Menschen, denen wäre das zu viel. Das muss man sehr individuell steuern.

Ein gutes Mittel ist auch, Raum für Spaß zu geben. Wie ersetzt man online die Smalltalks und Späße über den Tisch hinweg? Das muss man sich fragen und Räume schaffen, in denen das stattfinden kann. Das können auch Online-Events sein wie z. B. irgendein Online-Spiel, Online Escape Rooms oder eine Art Spam-Chat.

 

Bonusfrage: Unternehmen arbeiten z.T. auch mit Agenturen zusammen. Die Setups sind hierbei sehr vielfältig. Daher stellt sich hierbei die Frage, wer hier eigentlich wen wie am besten führen sollte. Wie ist deine Sicht der Dinge: Wie gelingt eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Agenturen?

Ich bin, bzw. meine Firma ist, sehr drauf bedacht, so viel Inhouse abzudecken wie möglich. Durch Corona und die Begleiterscheinungen haben wir uns dann eine Agentur an Bord geholt. Strategien legen wir intern fest und besprechen die mit der Agentur. Die interne Ausarbeitung finde ich dabei wichtig. Unser Vorteil ist ja, dass wir die Brancheneigenheiten viel besser kennen als eine externe Agentur. Und der Blick ohne Betriebsbrille der Agentur verfeinert das Ganze. Eine Agentur sollte unterstützend zur Seite stehen, die interne Führung ist unsere Baustelle.

Manchmal kann es auch hilfreich sein, der Agentur die Führung zu überlassen, wenn man merkt, dass man bei Stakeholdern nicht weiterkommt. Es wirkt Wunder, wenn ein Externer das gleiche sagt, was du vielleicht seit Wochen predigst. Auf einmal kriegen Tickets hohe Priorität. Klingt komisch, ist aber so. 🙂

 

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