In dieser Interviewserie stelle ich 7 Fragen an Inhouse-Führungskräfte aus dem Bereich SEO und Digitales Marketing. Hierdurch lernst du die Leads und ihre Perspektive über Leadership kennen und erhälst durch ihre Antworten Impulse für die Leitung deines eigenen Teams. Es lohnt sich also definitiv! Darf ich also vorstellen? Tim Oudeman, Teamlead SEO bei Breuninger. – Er wird mir im Folgenden Rede und Antwort stehen…

 

Tim Oudeman

Tim Oudeman
Teamlead SEO bei Breuninger

Tim Oudeman leitet seit Ende 2020 das SEO-Team vom Fashion- und Lifestyle-Unternehmen Breuninger. Als führendes Omnichannel-Unternehmen setzt Breuninger seit 140 Jahren hohe Maßstäbe in den Bereichen Fashion, Beauty und Lifestyle. Der im Jahr 2008 gestartete Online-Shop Breuninger.com zählt zu den erfolgreichsten im Fashion-Premiumsegment und ist auch in Österreich, der Schweiz und in Polen verfügbar. Vor Breuninger hat er unter anderem ein Redaktionsvolontariat absolviert und war drei Jahre für das Search Marketing bei der Triple A Internetshops GmbH in Bielefeld verantwortlich, die besser bekannt für seine Online-Shops Eis.de, Druckerzubehoer.de und Bilder.de ist.

 

1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich als Führungskraft positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Persönlich kann ich jedem das Buch Schnelles Denken, langsames Denken vom Nobelpreisträger Daniel Kahneman ans Herz legen, welches mich persönlich und unabhängig von SEO definitiv weitergebracht hat. Das Buch beschäftigt sich sehr detailliert damit, wie unser Gehirn arbeitet, falsche Entscheidungen trifft (ohne dass wir es bemerken), welche kognitiven Verzerrungen dabei auftreten können und vor allem, was wir dagegen tun können. Ich finde es beispielsweise immer wieder hilfreich mir den Halo-Effekt (man schließt fälschlicherweise von bekannten Eigenschaften auf unbekannte) ins Gedächtnis zu rufen, der dafür sorgt, dass wir voreilige Schlüsse aufgrund fehlender Informationen oder einer falschen Bewertung treffen.

 

2. Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben und welche Erwartungen impliziert dies auf deine Mitarbeiter:innen?

Ich würde meinen Führungsstil als eine Mischung aus Fordern & Fördern beschreiben. Meinen Mitarbeiter: innen Freiheit zur Entfaltung zu geben, ist somit fester Bestandteil meines Führungsstils. Im Austausch verlange ich einen sehr hohen Grad an eigenverantwortlichem und proaktivem Handeln und fordere dies auch konsequent ein. Ich fokussier mich dagegen auf die strategischen Ziele, dem Beseitigen von Hürden sowie natürlich dem Fördern meiner Mitarbeiter: innen.

 

3. Inhouse zu führen steht für mich auch stark in Verbindung mit dem Thema Stakeholder-Management. Wie gelingt es dir, andere Mitarbeiter:innen und Abteilungen für dein Thema zu begeistern und für die Umsetzung der für dich wichtigen Themen zu sorgen?

Ich bezeichne uns als Team intern immer wieder als Inhouse-Agentur, deren wichtigste Aufgabe mitunter das Stakeholder-Management ist. Vieles können wir SEOs gar nicht allein bewirken, sondern sind zwingend auf die Unterstützung anderer Bereiche angewiesen – so wie sie auf unsere Expertise. Ein wichtiger Aspekt der Zusammenarbeit mit Schnittstellen ist aus meiner Sicht, die Erfolge nicht für sich zu beanspruchen, sondern zu teilen und dies auch so zu kommunizieren. Man ist intrinsisch viel motivierter, wenn man den Effekt seiner Arbeit kennt und einen Anteil zum Erfolg beiträgt, statt stumpf die Anforderungen eines anderen Bereiches umzusetzen.

 

4. Du bekleidest eine Position des mittleren Managements. Wie gelingt es dir, die Spannung auszuhalten, die Interessen der Geschäftsführung zu vertreten und gleichzeitig dein Team zu schützen bzw. ihre Wünsche zu berücksichtigen?

Ich hatte bisher das Glück noch nie in so einer Situation zu stecken. Wir teilen intern interdisziplinär dieselben Interessen und Motive – daher muss ich mein Team nicht schützen. Ihre Wünsche zu berücksichtigen, zählt dagegen zu meinen wichtigsten Aufgaben. Mir ist es wichtig eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die meine Mitarbeiter: innen beflügelt und die intrinsische Motivation fördert.

 

5. Inhouse zu arbeiten, bedeutet in ein Unternehmen, eine Branche tiefer einzutauchen. Im Gegensatz zum Agenturleben kann dies u.U. für mehr Monotonie sorgen. Wie sorgst du daher bei deinen Mitarbeiter:innen für ausreichend Abwechslung und immer wieder neue Herausforderungen?

Fashion ist noch schnelllebiger als SEO, daher wird’s bei uns nie langweilig werden. Es gibt ständig neue Trends zu entdecken, Ideen für Optimierungen zu entwickeln oder Dinge auszuprobieren. Zudem gibt es einen toughen Wettbewerb. Durch abwechslungsreiche Aufgaben halten wir die Motivation hoch. Es gibt bei mir im Team zwar klare Verantwortlichkeiten, dennoch entscheiden und arbeiten wir gemeinsam an unserem Erfolg. Wir stellen uns jeder Herausforderung gemeinsam und versuchen so die beste Entscheidung zu finden. Dabei entstehen Reibungen, denn bekanntlich haben drei SEOs ja zehn Meinungen – aber auch mindestens genauso viele Erfahrungswerte. Das alignen dieser Meinungen führt in den meisten Fällen zu guten Ergebnissen oder Ansätzen.

 

6. Meetings sind ein zentrales Tool im Unternehmensalltag. Diese haben sich stark durch New Work (Home Office, Remote Work etc.) verändert. Welche regelmäßig stattfindenden Meetings haben sich für dich bewährt und wie gestaltest du diese so, dass diese effizient ablaufen und Spaß machen?

Meetings sind für mich in den meisten Fällen ein Produktivitätskiller und gehen sehr stark zu Lasten der Effizienz. Viele Meetings könnten eine einfache Mail sein und anderen fehlt wiederum der Fokus auf einen klaren Outcome. Das führt oft dazu, dass man im Laufe seines Tages mehr mit Meetings beschäftigt ist als mit der Umsetzung von konkreten Verbesserungen. Das schlägt sich auch schnell negativ auf die Work-Life-Balance aus. Overall versuchen wir im Team die Anzahl an Meetings zu reduzieren und notwendige Meetings straight und fokussiert durchzuziehen, ohne vom Thema abzuschweifen oder den Fokus zu verlieren. So hat jeder bei uns im Team einen persönlich definierten Slot von zwei Stunden, der dazu genutzt werden soll, ohne Ablenkung und fokussiert einer Sache nachgehen zu können. Außerdem testen wir gerade einen Meeting-freien Freitag. Essenziell sind für mich Termine fürs Bonding und Brainstormen, um sich einfach mal persönlich oder fachlich auszutauschen. Außerdem ist es sehr wichtig, sich die Zeit für Feedback und Retrospektiven zu nehmen.

 

7. Welche weiteren Herausforderungen siehst du in der Remote-Führung und wie gehst du damit persönlich um?

Das Bonding und das Teamgefühl am Leben zu halten, ist aus meiner Sicht eine echte Herausforderung. Die meisten von uns müssen einen Großteil ihres Lebens mit dem Arbeiten verbringen, daher sollte dies aus meiner Sicht keine reine Notwendigkeit sein, sondern auch Spaß machen. Dafür darf das Zwischenmenschliche nicht fehlen. Ohne das Teamgefühl kann schnell das Gefühl entstehen, dass man morgens den Laptop aufmacht und abends wieder zuklappt – und das wars. Das führt aus meiner Sicht nicht dazu, dass man „gerne zur Arbeit geht“ oder sich einem Unternehmen oder Team zugehörig fühlt (Ausnahmen bestätigen die Regel). Darum achte ich schon beim Recruiting verstärkt auf den richtigen Team-fit der Kandidat:innen und lasse die Arbeit auch einfach mal Arbeit sein. Sei es beim gemeinsamen Kochen auf der virtuellen Weihnachtsfeier, einem gemeinsamen Lunch oder Team-Abend. Demnächst trifft sich das gesamte Team dann auch das erste Mal persönlich. 🙂

 

Bonusfrage: Unternehmen arbeiten z.T. auch mit Agenturen zusammen. Die Setups sind hierbei sehr vielfältig. Daher stellt sich hierbei die Frage, wer hier eigentlich wen wie am besten führen sollte. Wie ist deine Sicht der Dinge: Wie gelingt eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Agenturen?

Agenturen sind für mich wie ein verlängerter Arm und helfen dabei, die eigenen Pläne zu challengen oder Tasks auszuführen, für die man selbst keine Ressourcen hat. Die Expertise und Führung sollten meines Erachtens immer inhouse liegen. Manchmal hilft es auch, wenn Externe dieselben Ideen einbringen, die zuvor bereits intern diskutiert wurden, um diese zu bestätigen.

 

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