In dieser Interviewserie stelle ich 7 Fragen an Inhouse-Führungskräfte aus dem Bereich SEO und Digitales Marketing. Hierdurch lernst du die Leads und ihre Perspektive über Leadership kennen und erhälst durch ihre Antworten Impulse für die Leitung deines eigenen Teams. Es lohnt sich also definitiv! Darf ich also vorstellen? Sarah Stein, Head of Search Experience beim SWR. – Sie wird mir im Folgenden Rede und Antwort stehen…

 

Sarah Stein

Sarah Stein
Head of Search Experience beim SWR

Sarah Stein leitet als Head of Search Experience den Bereich Suchmaschinenoptimierung im SWR. Stellvertretend leitet sie auch die Abteilung Audience Development, zu welcher ihr Team gehört. Sarah Stein ist seit rund zwei Jahren in Führungsverantwortung. Sie treibt seit 2018 das Thema SEO im SWR zusammen mit ihrem Team voran. Bei ihrer Arbeitet geht es vor allem darum, den digitalen Content der SWR-Webinhalte auffindbar zu machen. Mittlerweile kommt rund 60 Prozent des gesamten Webtraffic über Suchmaschinen.

 

1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich als Führungskraft positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Positiv geprägt, mich empowert und auch berührt haben mich drei Bücher von starken Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Da ist zum einen „Lean In“ von Sheryl Sandberg, die lange als zweite Chefin neben Marc Zuckerberg Facebook geleitet und auch mitaufgebaut hat so wie wir es heute kennen. Dann „Becoming“ von Michelle Obama, die so weise und klug über ihren Weg schreibt und an das dritte Buch, das ich an dieser Stelle empfehlen kann ist “Blowing my Way to the Top” von Jen Atkin. Atkin ist eine Stylistin in L.A., die es geschafft hat, ihre eigene Marke zu entwicklen und zu etablieren. Zu ihren Kund:innen gehören u.a. Beyoncé.

 

2. Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben und welche Erwartungen impliziert dies auf deine Mitarbeiter:innen?

Keine leichte Frage! Ich lerne täglich dazu, versuche mich jeden Tag zu verbessern und fordere, um auch als Teamlead weiter zu wachsen und besser zu werden, auch Feedback von meinem Team ein. Feedback halte ich für essentiell. Deshalb führe ich auch jede Woche mit jedem meiner Mitarbeiter:innen 1:1-Gespräche für 20 Minuten. Wir können alle nur besser werden und uns weiterentwickeln, wenn wir Menschen an unserer Seite haben, die uns auch mal sagen, wenn was nicht so gut geklappt hat. Ich diskutiere vieles mit meinem Team aus, ich möchte als Führungskraft Menschen auf ihrem Weg begleiten und ihre Stärken stärken und freue mich, wenn mein Team über sich hinauswächst. Wir bekommen viel positives Feedback aus dem Haus, von Redaktionen, die wir unterstützen. Für Strategien, die wir entwickeln. Das freut mich zu sehen, dass die Arbeit meines Teams Früchte trägt. Darüber hinaus versuche ich transparent zu kommunizieren, alle mitzunehmen und somit auch eindeutige und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Ich bin ein Teamplayer – und erwarte diesen Teamgedanken auch von meinem Team.

 

3. Inhouse zu führen steht für mich auch stark in Verbindung mit dem Thema Stakeholder-Management. Wie gelingt es dir, andere Mitarbeiter:innen und Abteilungen für dein Thema zu begeistern und für die Umsetzung der für dich wichtigen Themen zu sorgen?

Als wir mit dem Thema SEO starteten, waren die Vorbehalte groß. „Machen wir jetzt Journalismus für Google?“, war eine häufig gestellte Frage und die Skepsis gegenüber Suchmaschinen ist auch heute noch da (wobei ich eine gewisse Skepsis auch für angebracht halte) , auch wenn es viel besser geworden ist. Es war harte Arbeit, vor allem Führungskräfte in Redaktionen zu überzeugen, dass das, was wir machen, die Menschen nicht mehr erreicht. Dass wir unsere Inhalte optimieren müssen, um weiter relevant zu bleiben. Was uns von Anfang an geholfen hat, waren Zahlen und Daten. Mit Zahlen konnten wir relativ leicht nachvollziehbar machen, dass unsere digitale Reichweite noch ausbaufähig ist. Schwieriger war dann der Prozess – und da befinden wir uns auch immer noch, die SEO-Kompetenz in den Redaktionen zu etablieren. Aber da muss ich auch eine Lanze für die vielen tollen Redakteur:innen brechen, die 30 Jahre lang Radio gemacht haben und nun Artikel fürs Web schreiben müssen. Das sind alles große Herausforderungen in dieser digitalen Transformation. Man muss auch nachsichtig sein und wertschätzen, was mal gewesen ist, auch wenn sich nun vieles ändern muss.

 

4. Du bekleidest eine Position des mittleren Managements. Wie gelingt es dir, die Spannung auszuhalten, die Interessen der Geschäftsführung zu vertreten und gleichzeitig dein Team zu schützen bzw. ihre Wünsche zu berücksichtigen?

Wir haben einen Purpose entwickelt, der uns jeden Tag hilft, uns auf den Kern unserer Arbeit zu konzentrieren. Er lautet: „Unsere hochwertigen journalistischen Inhalte so zu optimieren, dass sie von den Nutzer:innen auch gefunden werden.“
Mit diesem Purpose haben wir ein klares Ziel, das sich sehr gut mit den Zielen der Geschäftsleitung vereinbaren lässt – mehr Menschen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit unseren digitalen Produkten zu erreichen. Glücklicherweise gibt es keine Spannung, im Gegenteil.

 

5. Inhouse zu arbeiten, bedeutet in ein Unternehmen, eine Branche tiefer einzutauchen. Im Gegensatz zum Agenturleben kann dies u.U. für mehr Monotonie sorgen. Wie sorgst du daher bei deinen Mitarbeiter:innen für ausreichend Abwechslung und immer wieder neue Herausforderungen?

Da würde ich dir respektvoll widersprechen. 😉 Vielleicht liegt es an unserer Multithematik und daran, dass wir die zweitgrößte Landesrundfunkanstalt der ARD sind und damit eines der größten Medienunternehmen in Deutschland. Uns wird nicht langweilig. Wir unterstützen als Team das gesamte Webangebot des SWR, arbeiten mit der Webentwicklung und den Redaktionen zusammen und sind in Formatsprints eingebunden – die Suchmaschinen sind unsere größte Traffic-Quelle. Es mangelt uns nicht an Herausforderungen. Mein Team betreut den SEO-Desk, den wir eingerichtet haben, damit sich Redaktionen mit speziellen SEO-Fragen an eine zentrale Einheit wenden können. Darüber hinaus haben wir verschiedene Formate entwickelt, die wir ins Haus schicken, wie SEO-Briefings, das #seowissen. Meine technischen SEO-Leute sind im engen Austausch mit Entwicklern, während die redaktionellen SEOs eng die Redaktionen geknüpft sind und ein SEO-Netzwerk innerhalb des SWR aufgebaut haben. Wir denken auch das Thema UX bei SEO mit, so dass wir eine weitere Komponente haben, um die wir uns in der Abteilung kümmern. Also immer wieder neue und schöne Herausforderungen fürs Team!

 

6. Meetings sind ein zentrales Tool im Unternehmensalltag. Diese haben sich stark durch New Work (Home Office, Remote Work etc.) verändert. Welche regelmäßig stattfindenden Meetings haben sich für dich bewährt und wie gestaltest du diese so, dass diese effizient ablaufen und Spaß machen?

Wir arbeiten mehr als zwei Jahren überwiegend remote. Wir treffen uns morgens um 9.30 Uhr zum Daily. Unser ritualisierter Start in den Tag. Dort besprechen wir kurz, was ansteht und ob jemand Hilfe von einem anderen Mitglied aus der Abteilung benötigt. Einmal die Woche haben wir einen Jour fixe, da werden Themen besprochen und Aufträge verteilt. Und ich date mich wöchentlich 20 Minuten mit jedem Teammitglied separat ab. Aber eigentlich sind wir den gesamten Tag über Teams miteinander verbunden in Chats und weiteren Meetings. Das funktioniert sehr gut.

 

7. Welche weiteren Herausforderungen siehst du in der Remote-Führung und wie gehst du damit persönlich um?

Remote zu arbeiten, klappt bei uns sehr gut. Was eine Herausforderung war und in Teilen immer noch ist, ist das Onboarding. Ich habe Teammitglieder, die kennen den SWR gar nicht wirklich von innen, haben noch nicht die Standorte kennengelernt und wissen auch gar nicht, wie das so ist in einer News-Redaktion. Sie kennen den SWR nur virtuell. Ich finde einerseits, dass es mittlerweile unerlässlich ist, Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, so zu arbeiten, wie es zu ihrer individuellen Lebenssituation passt. Dafür hatten wir jetzt 2,5 Corona-Jahre, die gezeigt haben, dass digital so vieles möglich ist. Aber andererseits müssen wir noch besser darin werden, den Austausch vor Ort, in den Redaktionsräumen, neu zu beleben. Da arbeite ich nun dran, dass mein Team auch Anreize hat – vielleicht hilft schon, wenn man sich einmal im Monat zum Jour fixe trifft, die Sektflasche im Kühlschrank. 🙂

 

Bonusfrage: Unternehmen arbeiten z.T. auch mit Agenturen zusammen. Die Setups sind hierbei sehr vielfältig. Daher stellt sich hierbei die Frage, wer hier eigentlich wen wie am besten führen sollte. Wie ist deine Sicht der Dinge: Wie gelingt eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Agenturen?

Auch hier wieder der Punkt Kommunikation. Wir hatten schon mit Agenturen zusammengearbeitet, wo es gar nicht gepasst hat. Das wurde leider in einem fortgeschrittenen Stadium erst klar. Was ich gelernt habe: Von Anfang an ganz klar machen, was wirklich benötigt wird, den Auftrag ganz klar artikulieren und schriftlich festhalten. Es ist beispielsweise ein Unterschied, ob ich einen Newsletter inhaltlich weiterentwickeln oder das Layout verändern möchte. Vor Start der Zusammenarbeit dann auch mögliche Unklarheiten klären, so dass keine Irritationen entstehen und die Zusammenarbeit gelingen kann.

 

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