Für viele Menschen ist es ein langfristiges Ziel, einmal eine Führungskraft zu werden. Die Rolle eines Leaders fasziniert, ja sie hat für viele etwas Heroisches: Mehr Einfluss. Mehr Verantwortung. Mehr Geld. Man könnte meinen: „Wer führt, habe es geschafft.“ Gleichzeitig sind Führungskräfte eines der am häufigsten genannten Gründe, warum Mitarbeiter:innen Unternehmen verlassen. Damit werden sie eher zu einer tragischen Leitfigur als zu einem Helden bzw. einer Heldin. Wenn man sich jedoch mit dem Thema Führung tiefer auseinandersetzt, wird einem klar, dass die eigentliche Aufgabe eines Leaders nicht darin liegt ein „Hero“, sondern ein „Heromaker“ zu sein. Die Frage ist nur, wie dies gelingen kann?

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass Führungskräfte erst dann ihre eigentliche Rolle als wahrer Leader wahrnehmen, wenn nicht sie, sondern ihr Team zum Star wird. Wie bei einem Trainer im Fußball gilt es die einzelnen Spieler zu fördern und zu fordern und das gesamte Kollektiv zu einer Mannschaft mit Siegermentalität zu formen. Gleiches gilt auch für das Führen eines Teams im Business. Tom Peters bringt es mit seinem Zitat deutlich auf den Punkt: “Great leaders create more leaders, not followers.”

Führungskräfte sind folglich dazu berufen, nicht selbst die Heroes, sondern viel mehr die Heromaker* zu sein bzw. zu werden. Ich schätze, dass vielen jungen Menschen dies gar nicht bewusst ist, wenn sie ihre erste Rolle als Führungskraft antreten. Viel mehr beobachte ich, dass die Rolle eines Teamleads als der nächste, logische Karriereschritt angesehen wird, bei dem man endlich mehr Verantwortung und meist auch mehr Gehalt bekommen kann. Letztlich geht es als Führungskraft aber nicht um einen selbst, sondern um die Befähigung anderer. Das muss einem bewusst sein, da man ansonsten kein guter Leader sein kann.

 

Wie man Leader entwickeln kann

Im Fokus der meisten Unternehmen geht es darum, wie man eine Organisation aufbauen kann, die stetig wächst und erfolgreich wird oder bleibt. Hierbei richtet sich der Blick vor allem auf die Strukturen und Prozesse, weniger auf die Mitarbeiter:innen selbst. Der Blickwinkel der Organisationsentwicklung hat definitiv seine Daseinsberechtigung und ist wichtig, damit Führungskräfte effektiv und effizient führen können.

Ich denke jedoch, dass das Thema Leadership hier nicht aufhören darf, sondern Führungskräfte für sich persönlich beantworten müssen, wie sie selbst neue Leader hervorbringen können. Dies kann im Rahmen von methodischen Ansätzen oder strukturellen Routinen erfolgen, ist aber sicherlich immer auf die individuelle Situation bzw. die Mitarbeiter:innen auszurichten, die man gezielt zu neuen Leadern ausbilden möchte. Eins muss dabei aber klar sein: Das ist definitiv zeitaufwendig und nicht an das HR-Team übertragbar. Doch trotz des notwendigen Investments ist Leadership-Entwicklung in meinen Augen eine unverzichtbare Priorität und Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum.

Im Rahmen meiner Führungstätigkeit als Head of SEO bei DEPT® habe ich mich lange gefragt, wie ich persönlich dafür sorgen kann, dass unter mir mehr Führungspersönlichkeiten hervorgebracht werden. Denn das obige Zitat von Tom Peters hat mich durchaus zum Nachdenken und schließlich auch zum Handeln gebracht. Im Folgenden möchte ich daher drei Gedanken teilen, wie man mehr zu einem Heromaker werden kann:

 

1. Marketing als Teamarbeit verstehen

Wenn ich mir die Fachmagazine und -konferenzen im Online Marketing anschaue, fällt mir auf, wie überproportional häufig immer wieder dieselben Expert:innen auftreten. Meist handelt es sich hier um die Gründer:innen, Geschäftsführer:innen oder Teamleiter:innen von Agenturen oder größeren Unternehmen. Dies hat sicherlich auch seine Gründe, wovon ich gern drei nennen möchte, die mir einfallen:

  • Führungskräfte sind meist schon länger im Business und daher erfahrener, wohlmöglich effizienter und vielleicht zeitlich auch mehr dafür freigesetzt, ihr Unternehmen auf diese Weise zu repräsentieren.
  • Nicht jede:r ist dafür geboren, auf der Bühne zu stehen. Daher ist es per se eine Herausforderung, neue Speaker:innen zu gewinnen. Wenn sich Vertreter:innen im Unternehmen gefunden haben, gibt es meist keine unmittelbare Notwendigkeit hieran etwas zu ändern.
  • Veranstalter:innen müssen ihre Konferenztickets verkaufen und Verleger:innen ihre Auflagen erreichen. Es ist davon auszugehen, dass diese höhere Erfolgschancen haben, wenn sie auf bekannte Namen und Gesichter setzen. So entsteht eine Art Henne-Ei-Problem.

Letztlich bin ich dennoch der Meinung, dass diese Argumente nicht das letzte Wort sein müssen. Wenn es die Aufgabe einer Führungskraft ist, neue Leader hervorzubringen, dann sollte doch eigentlich das Interesse hoch sein, die nächste Generation auf die Bühnen und in die Fachmagazine unserer Branche zu bringen. Was spricht dagegen, dass man zusammen mit seinen Teammitgliedern einen Vortrag oder Fachbeitrag vorbereitet? Liegt es am ggf. höheren Erstaufwand oder wird sich einfach zu wenig bemüht, um den Weg für die Mitarbeiter:innen zu ebnen? Muss hier vielleicht ein Umdenken auf allen Seiten stattfinden?

Ich selbst habe erst in den letzten Jahren intensiver damit angefangen, auf Veranstaltungen zu sprechen oder mehr Fachartikel zu schreiben. Mir war aber von Anfang an klar, dass mein Ziel sein muss, dass wir als gesamtes SEO-Beratungsteam für eine entsprechende Außenwirkung sorgen sollten. Und so langsam habe ich den Eindruck, dass wir uns diesem Zielbild nähern.

Eines der besten Entscheidungen diesbezüglich war, dass wir eine Fachbeitragsserie zum Thema „Online Shop SEO“ in der Website Boosting initiiert haben, bei der immer zwei Autoren aus unserem Team mitgewirkt haben. Den Start habe ich zu Beginn selbst mit zwei Kollegen gemacht, aber alle Folgebeiträge wurden und werden nun unabhängig von mir geschrieben. Das Verfassen von Fachbeiträgen (als letztlich auch Vorträgen) ist zu zweit meist anstrengender und zeitintensiver als allein, aber das Ergebnis lohnt sich. Denn:

  • Wir konnten durch die Serie zeigen, dass wir als Team Expert:innen für das Thema Online Shop SEO sind. Das Know-how wird hier nicht bei einer Einzelperson geparkt.
  • Wir konnten durch die Serie auf uns aufmerksam machen und haben dadurch gesichert mindestens einen Neukunden gewinnen können. In diesem Sinne hat sich der Aufwand sogar finanziell gerechnet.
  • Wir haben es ermöglicht, dass einzelne Mitarbeiter:innen das erste mal in einem Printmedium als Autor:in aufgetreten sind. Das erfüllte mich und diese mit Stolz und setzt Energie für weitere Marketingaktivitäten frei.

 

2. Prägen mit dem, was einen selbst geprägt hat

Anfang 2021 haben wir unsere Strukturen im SEO-Beratungsteam umgestellt. Wo ich zuvor als Expert Lead zusammen mit einem Team Manager ein Team von 16 Mitarbeiter:innen geführt habe, leite ich nunmehr als Head of SEO 2-3 Leads an, die sich wiederum um ca. 6-7 Mitarbeiter:innen kümmern.

Als wir die Substruktur eingeführt haben, war mir persönlich wichtig, dass ich mit meinen Leads hinsichtlich des Themas Leadership in den Austausch komme. Daher habe ich mir überlegt, welche Inputs mir in der Vergangenheit geholfen haben, in meiner Rolle als Führungskraft besser zu werden. Daraus ist das Leiterschaftstraining mit dem Buch „Das Hirtenprinzip“ entstanden, mit dem ich nun auch online gegangen bin.

Da wir es als SEO-Leads als wertvoll erachten, auch darüber hinaus über Führungsthemen zu sprechen, hat sich daraus eine Art Buchclub entwickelt. Einmal pro Monat treffen wir uns für eine Stunde und besprechen ein Kapitel aus dem Buch Leadership von John C. Maxwell.

Ich glaube, dass es letztlich jedem Führungsteam gut zu Gesicht stehen würde, wenn sie sich regelmäßig über Inhalte aus einem Buch über Führung und co. austauschen würden. In der Vergangenheit hat unsere Geschäftsführerin Beate Müller diesen Impuls immer gern ins Spiel gebracht, wenn wir uns als Führungskräfte zu einem Offsite getroffen haben. Hierdurch habe ich den Buchautor Patrick Lencioni kennen und schätzen gelernt.

In welchem Turnus und in welcher Art und Weise man dies auch immer umsetzt, ich kann nur empfehlen, dass man als Führungskraft seine Leads mit Inhalten prägt, die einen selbst geprägt haben.

 

3. Meetings mit Impulsen zu Leadership anreichern

Ein eigenes Leiterschaftstraining, ein Buchclub bzw. das Reflektieren über ein ganzes Buch kann natürlich schnell ein etwas zeitintensiveres Investment sein. Am Ende lohnt es sich meist aber noch mehr, wenn man seine vorhandenen Meetings nutzt, um über Führungsthemen ins Gespräch zu kommen. Hierzu drei Gedanken meinerseits:

  • Jede Führungskraft sollte sich als Coach und Mentor für seine Leads verstehen. Die gegebenen 1:1-Meetings sollten genutzt werden, um über Herausforderung als Führungskraft zu sprechen und Impulse weiterzugeben, wie man selbst bestimmte Situationen meistern würde. Erfahrungswerte sollten miteinander geteilt werden. Nur so lernt man voneinander.
  • Jede Führungskraft sollte sich meines Erachtens in regelmäßigen Abständen hinsichtlich Führungsthemen fortbilden. Dies ist nützlich, um sein Leadership immer wieder zu reflektieren, aber auch um eine gute Basis für Impulsgedanken für seine (potentiellen) Führungskräfte zu haben. Gleichzeitig ist es denkbar, die jeweiligen Kolleg:innen im Team in regelmäßigen Abständen zu bitten, von ihren konsumierten Inhalten zu berichten. Dies stellt am Ende auch sicher, dass sich jede:r Lead mit neuen Inputs versorgt.
  • Eine andere Idee könnte sein, dass man kleine Videoclips oder Zitate über Führung heraussucht und seine Meetings dahingehend bereichert, dass man diese gemeinsam schaut bzw. liest und dann in einen kurzen Austausch dazu geht. Wer dies einmal ausprobieren mag, dem seien beispielsweise die Impulsvideos von Simon Sinek ans Herz gelegt.
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    Abschließende Gedanken

    Wie auch immer man dafür sorgt, dass man als Führungskraft neue Leader hervorbringt, es lohnt sich, sich hiermit tiefergehend auseinanderzusetzen. Und wer weiß: Wenn bekannt wird, dass man als Unternehmen ein Vorbild in Sachen Leadership-Entwicklung ist, dann zieht dies wohlmöglich weitere (potentielle) Führungspersönlichkeiten als neue Arbeitskräfte an und man hat einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern, den man nicht so leicht imitieren kann. Denn wer würde nicht gern in einem Unternehmen oder Team arbeiten, in der es eine Kultur gibt, wo Leader keine Heroes, sondern Heromaker sind? Was also wirst du als nächstes tun, um neue Leader auszubilden?

     

    P.S. *Der Begriff „Heromaker“ ist entnommen aus einem gleichnamigen Buch von Dave Furguson und Warren Bird, in dem es um 5 essentielle Praktiken für Leader geht, um neue Leader hervorzubringen.

     

    Deine Meinung interessiert mich

    Wie ist dein Verständnis von Leadership? Inwiefern stimmst du dem Zitat von Tom Peters zu und wo siehst du Grenzen? Wo bist du bereits zu einem Heromaker geworden?

    Ich freue mich auf deine Rückmeldung in den Kommentaren…

     

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