Um Mitarbeiter:innen ganzheitlich zu führen, gilt es in 1:1-Meetings über mehr zu reden als nur die tagtägliche Arbeit. Wer in Personalverantwortung steht, benötigt daher ein wirkliches Interesse an seinem Gegenüber. Idealerweise ist man als Führungskraft auch bereit, von sich selbst zu erzählen und die Tür für ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis zu öffnen. Doch nicht immer gelingt ein Austausch auf natürliche Art und Weise. Daher kann es sinnvoll sein, sich eine gewisse Struktur zu überlegen, um sich kennenzulernen und am Leben des anderen Anteil zu haben.

 

Von der Kunst eine Verbindung aufzubauen

Ich habe im Laufe meiner Zeit als Führungskraft gemerkt, dass es für mich eines der wichtigsten Dinge ist, zu jedem meiner Mitarbeiter:innen auf irgendeine Art und Weise eine „Verbindung“ aufzubauen. Ich würde nicht behaupten, dass mir das vom ersten Tag an mit jeder und jedem gelungen ist, aber zumindest war mir dies immer ein wichtiges Anliegen. Bei einigen Mitarbeiter:innen fiel es mir sehr leicht, einen Draht aufzubauen. Man kannte sich bereits gut, hatte gemeinsame Interessen und war sich sympathisch. Bei anderen hat es eine Weile gebraucht und ich kann maximal sagen, dass ich mein Bestes gegeben habe.

Dennoch war ich vor Kurzem total überrascht, als ich nach Jahren der Zusammenarbeit zufällig ein privates Detail von Jemandem mitbekommen habe, das mir vorher nicht bekannt war. Und das obwohl ich m.E. eine Verbindung zu der Person aufgebaut hatte. Sicherlich muss ich als Führungskraft auch nicht alles wissen, aber es hat mich dennoch zum Nachdenken gebracht.

Wenn es darum geht, innerhalb des Teams Vorschläge für passende Geburtstagsgeschenke pro Mitarbeitenden zu sammeln, muss ich darüber hinaus feststellen, dass ich häufig eigentlich keine Ahnung habe, was meine Kolleginnen und Kollegen eigentlich in ihrer Freizeit so treiben. Sicherlich habe ich jetzt auch nicht unbedingt die Gabe des Schenkens, aber könnte das nicht dennoch ein Fingerzeig sein? Natürlich hängt es auch immer damit zusammen, wie offen jede und jeder über sich erzählt, aber auch hier musste ich mir beim Reflektieren eingestehen, dass ich bestimmte Dinge auch noch nie erfragt habe. War das persönliche Interesse vielleicht doch nicht so groß? Oder war mir eben doch wichtiger, dass bei unseren Kunden alles läuft und die Umsätze gesichert sind?

 

Eine Struktur für deine 1:1-Meetings

Ich weiß nicht, ob du dich in diesen Fragen wiederfinden kannst. Ich bin jedenfalls motiviert, an meiner Leiterschaft zu arbeiten, indem ich lerne mich noch mehr für meine Mitarbeiter:innen zu interessieren. Um daran erinnert zu werden, über welche Lebensbereiche meines Gegenübers ich als Führungskraft gern mehr Fragen stellen möchte, habe ich mir mit den „5F des Lebens“ eine Struktur dafür überlegt. Diese ist in gewisser Weise auch eine Erweiterung der 5-Finger-Methode, insbesondere mit Blick auf die Frage: „Was kommt bei dir gerade zu kurz?“ – eine Frage, der man meist noch etwas mehr Kontext geben muss.

Doch kommen wir nun zu den 5F inkl. ein paar weiteren Gedanken meinerseits dazu:

  • F wie Familie oder Freunde: Erkundige dich, wie es um die Beziehungen deines Mitarbeitenden bestellt ist. Frage, was nötig ist, damit es dem anderen gut geht: Wie geht es deinen Eltern? Ist alles in Ordnung mit der Partnerschaft? Wie entwickeln sich die Kinder? Bleibt genug Zeit, um Freundschaften zu pflegen?
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  • F wie Freizeit: Tauscht euch aus über Hobbys und sonstige Interessen. Ermutige zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance: Was willst du unbedingt mal machen? Wie steht es um den Traum nach … zu reisen? Wie kommst du mit Projekt … voran?
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  • F wie Fitness: Erkundige dich (im Rahmen der rechtlichen Normen) um die Gesundheit deines Gegenübers. Ermutige zu mehr Bewegung und einer gesunden Ernährung: Wie hälst du dich für den Büroalltag fit? Wie steht es um deinen Vorsatz, … zu tun?
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  • F wie Fortbildung: Sprecht über Fortbildungsmöglichkeiten (im Rahmen des zur Verfügung gestellten Budgets als ggf. darüber hinaus). Ermutige dazu, Coachings zu nutzen oder Konferenzen zu buchen: Was war dein letzter AHA-Moment aus einem Fachbeitrag o.ä.? Hast du … gesehen, wäre dies nicht etwas für dich? Welche Fortbildungen willst du dieses Jahr noch besuchen?
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  • F wie Freiheiten: Unterhaltet euch über die Ziele – von den Zielen des Unternehmens bis hin zu den persönlichen Ambitionen. Und besprecht, welche Barrieren hier noch zu beseitigen sind: Was möchtest du bis wann erledigen? Was hindert dich daran, dies zu tun? Wo stehst du mit der Bearbeitung deines Ziels …?

 

Es ist bei alledem dennoch zu beachten, dass es die freie Entscheidung des Mitarbeitenden ist, wie offen sie oder er dir aus ihrem/seinem Privatleben erzählen möchte. Eine gewisse Zurückhaltung sollte man daher nicht persönlich nehmen und akzeptieren. Aber mal vorsichtig anklopfen und fragen, sollte doch erlaubt sein, oder?

Ich glaube, dass man Mitarbeiter:innen besser führen kann, wenn man sie ganzheitlich kennt und versteht. Wenn jemand in einem dieser 5F Lebensbereiche unglücklich ist oder Herausforderungen hat, hat dies in der Regel auch Auswirkungen auf die Arbeit. Wenn ich als Führungskraft darüber nicht Bescheid weiß, werde ich Verhaltensweisen möglicherweise falsch deuten und unsensibel reagieren.

Abschließender Gedanke: Kurz vor den Feedbackgesprächen lohnt es sich zudem, auch über ein sechstes F nachzudenken: F wie Finanzen. Auch hier ist es wichtig, mit dem Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen und über Erwartungshaltungen zu sprechen. Dies ist aber letztlich nochmal ein geschlossenes Thema für sich…

 

Deine Meinung interessiert mich

Wie denkst du über die „5F des Lebens“? Gelingt es dir bereits mit all deinen Mitarbeitenden 1:1-Gespräche zu führen, die über die Arbeit hinausgehen? Inwieweit zeigst du wirkliches Interesse an deinen Leuten?

Ich freue mich auf deine Rückmeldung in den Kommentaren…

 

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