Interview-Reihe

7 Fragen über Spiritual Leadership

In dieser Interviewserie stelle ich 7 Fragen an Führungskräfte, die sprichwörtlich eine Verbindung „nach oben“ pflegen. Es handelt sich hierbei um Personen aus der Kirche und Wirtschaft, die Leadership wohlmöglich noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Ich möchte herausfinden, was „Spiritual Leadership“ für sie bedeutet und inwiefern ihr Glaube an Gott ihre Führungstätigkeiten beeinflusst.

Paul Sidelnikow

Gründer und Geschäftsführer von eCommerce Werkstatt u.a.

Paul Sidelnikow ist seit über 20 Jahren Führungskraft in Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft. Menschenorientiert, situationsbezogen und pragmatisch führt er aktuell seine Unternehmen und seine Teams und liebt es, wenn Organisationen und Menschen ihr Potential voll ausschöpfen und so ein Segen für ihr Umfeld sind.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich als Führungskraft positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Das Hirtenprinzip hat mich schon vor Jahren als Führungskraft stark geprägt. Die einfachen Methoden, die im Buch beschrieben werden, halfen mir ein schnell wachsendes Team fair und transparent zu führen.

Als zweites Buch möchte ich Die Fünf Versuchungen des CEOs erwähnen. Ein Buch, das mir wichtige Stolpersteine von Spitzenführungskräften aufgezeigt hat und dabei geholfen hat, rechtzeitig schmerzhafte Entscheidungen zu treffen und mich selbst nicht zum Hindernis für die Entwicklung meiner Unternehmen zu machen.

Außerdem ist The Maxwell Leadership Bible für jede spirituelle Führungskraft ein Must-read.

2. Woran glaubst du bzw. wie würdest du deine Weltanschauung beschreiben?

Ich glaube an einen dreieinigen Gott. Dieser Gott offenbart sich den Menschen durch den Heiligen Geist und weist die Welt auf Jesus Christus hin. Dieser wiederum zeigt uns wer Gott, der Vater ist. Christus, die zweite Person der Dreieinigkeit Gottes ist Mensch geworden und ist das Sichtbarwerden des Wesens und Charakters Gottes gegenüber uns Menschen. Jesus Christus lebte vor ca. 2.000 Jahren leibhaftig auf dieser Welt und begegnet uns heute vor allem in anderen Menschen und in uns selbst. Jesus Christus kam und kommt, um uns zu zeigen, dass es einen liebenden Vater gibt, der einen Plan mit dieser Welt hat. Gott, der Vater möchte mit uns eine Beziehung haben und uns in unsere Bestimmung und Beziehungen hineinbringen.

Ich glaube an einen Gott der immer „mit uns ist“ und uns nicht verlässt, auch wenn wir im Negativem festsitzen. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass immer alles gut wird und unserer Umstände sich zum Besten entwickeln, aber jeder, der an Gott festhält, erlebt eine lebensverändernde Gottesbegegnung!

Ansonsten ist für mich das Apostolischen Glaubensbekenntnis die Basis meines Glaubens.

3. Ist Glaube für dich eine Privatsache? Inwiefern beeinflusst deine Spiritualität deine Rolle als Führungskraft?

Glaube ist für mich zunächst eine Privatsache und ich bin dankbar, dass ich in einem Land lebe, wo „jeder nach seiner Fasson“ selig werden kann (Zitat Friedrich II). Aber mein Leben mit Jesus und durch Jesus beeinflusst hoffentlich öfters mein Handeln und meine Beziehungen zu meinem Team und meinen Kunden. Die Lehren und Handlungen Jesu sind für mich Maßstab für mein Tun. Daran darf mein Umfeld mich messen.

4. Wie gehst du mit Menschen um, die andere Glaubensüberzeugungen haben? Wo fühlst du dich mit deinem Glauben manchmal missverstanden und was würdest du dir in diesem Zusammenhang von deinem Umfeld wünschen?

Also zuerst einmal muss man jeden stehen lassen können. Jesus hat die Menschen auch nicht überfallen, sondern konnte jeden stehen lassen und fast immer sind die Menschen zu ihm gekommen und wollten mehr von ihm erfahren. Das ist auch meine Devise, wenn Leute an meinem Leben sehen, dass es mehr gibt oder es ein Leben mit Gott gibt, dann sollen sie mich ansprechen oder wenn es passt, dann erzähle ich auch meine persönliche Geschichte mit Jesus.

Aber was mich schon ärgert ist, dass wir aktuell in einem Zeitalter der Dauer-Aufregung leben. Jeder der anders fühlt, denkt und redet als der Mainstream wird angegriffen und beinahe vernichtet. Menschen die Traditionen und Liturgie lieben werden als gestrig und als Gegner abgestempelt und mit irgendwelchen schrägen Fundamentalisten gleichgesetzt. Ich wünsche mir, dass mein Gegenüber, wenn es mich sprechen hört, mich nicht sofort in eine Schublade ablegt, sondern nachfragt und versucht mich zu verstehen. Denn sehr oft entstehen Missverständnisse, weil man zwar die gleichen Worte sagt, aber Unterschiedliches meint.

5. Sowohl in der Kirche als auch in der Wirtschaft ist Leadership notwendig. Im kirchlichen Kontext gilt es nur häufiger auch ehrenamtliche Mitarbeiter:innen zu leiten. Welchen Unterschied macht es aus deiner Perspektive, ob man als Führungskraft mit Angestellten oder Ehrenamtlichen zusammenarbeitet?

Ich liebe es, als erfolgreicher Unternehmer in der Kirche aus meiner „Unternehmer-Blase“ hinauszutreten und Menschen aus allen verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen zu begegnen. Sie als Schwestern und Brüder zu sehen, als spirituelle Familie, in der man sich nicht die Besten rauspicken muss, sondern möglichst mit allen in Frieden das Leben teilen und Zeit verbringen kann. Es hilft mir ungemein Mensch zu bleiben und die Nöte und Ängste aber auch Freude und den Frieden der „normalen“ Menschen mitzuerleben.

In der Kirche hat man außerdem mit Freiwilligen zu tun, daher laufen die Prozesse ganz anders ab als in Unternehmen und das muss man berücksichtigen. Die Herzen der Menschen müssen gewonnen werden und nicht das Portemonnaie, auch wenn es in Unternehmen ja auch mittlerweile um viel mehr als um Geld geht und sich vieles von dem, was ich in der Kirche erlebe, in meiner Art zu führen widerspiegelt. Als Stichwort sei hier zum Beispiel „Servant Leadership“ genannt.

6. Was bedeutet es für dich konkret „geistlich zu führen“? Kannst du mir hier vielleicht von einem persönlichen Beispiel erzählen, was im Zusammenhang mit deiner Führungsposition stand?

Geistlich führen bedeutet für mich der Wahrheit ins Auge zu schauen, besonnen täglich vom Ende her zu denken und wertschätzend und mitfühlend Entscheidungen zu treffen. Das bewirkt, dass Menschen sich in der Regel bemühen, ihr Bestes zu geben, daraus resultiert dann finanzieller Erfolg.

Praktisch bedeutet es auch nicht den vordergründigen Erfolg oder Misserfolg als Maßstab zu haben, sondern die Haltung beim Tun im Fokus zu behalten. Wenn ein Mitarbeiter sein Bestes gegeben hat und versagt hat, also nicht erfolgreich war, den Arbeitsprozess trotzdem wertzuschätzen und zu schauen, wie der Mitarbeiter seinen Stärken entsprechend, das nächste Mal erfolgreicher werden kann.
Oder in Kundenbeziehungen Wiedergutmachung zu leisten, so habe ich einmal einem Kunden Geld erstattet, welches er durch eine Empfehlung von mir verloren hatte. Ich hatte schon vor dem Aussprechen der Empfehlung ein schlechtes Gefühl gehabt, habe aber aufgrund von Ängsten abgelehnt zu werden, falsch gehandelt und war somit verantwortlich.

7. Welche biblische Geschichte, Figur oder Aussage fasziniert dich im Hinblick auf das Thema Führung und könnte für Führungskräfte (ganz egal, ob sie sich selbst als gläubig betrachten oder nicht) ein wertvoller Impuls für ihren Führungsalltag sein?

Also ich bin ein Fan von Nehemia. Dieser jüdische Mundschenk eines fremden Königs, fern von seiner Heimat, war selbstlos und nicht auf sich selbst fixiert, sondern sah die Not seines Volkes und der Hauptstadt Jerusalem und entwickelte eine Vision für den Wiederaufbau der Mauern. Taktisch geschickt bereite er sich vor und handelte nach den Regeln der Kultur in der er lebte und gewann das Herz des Königs, der sein Investor und Förderer wurde. Anschließend machte er einen genauen Fahrplan, vermittelte die Vision an das Volk, gewann ihre Herzen, schaffte eine Zugehörigkeit und richtete Werte auf. Und gleichzeitig war er hellwach und bereitet sich und sein Team auf die äußeren Widerstände und Feinde vor, er passte die Arbeitsprozesse an die externen Bedrohungen an.

Bonusfrage: Religion wird gern als „Opium für’s Volk“ verstanden. Doch die Mitgliedszahlen der staatlichen Kirchen gehen von Jahr zu Jahr zurück. Gleichzeitig hört man auch immer wieder Geschichten von kirchlichen Leitern, die ihr Amt missbrauchen oder gar in Missbrauch verwickelt sind. Das Christentum scheint in Europa auf einem Abstellgleis zu stehen. Stimmt dies so aus deiner Sicht überhaupt? Hat die Kirche wohlmöglich ein Führungsproblem?

Oh nein, so eine Frage zu Schluss! Ich glaube, dass die staatlichen und viele anderen Kirchen größtenteils nicht mehr für sich in Anspruch nehmen dürfen, die Repräsentanten Gottes auf der Erde zu sein. Und das betrifft sowohl die Führung als auch die Mitglieder. Viele Kirchen sind zu Freizeit- und Vereinsorten geworden und sind größtenteils nicht mehr Orte, wo Menschen Gott begegnen, und Menschen in Wort und Tat geliebt werden. Es sind zu viele egoistische und böse Haltungen hineingekommen. Es geht mehr um politische und finanzielle Interessen und um Kontrolle als um die Einfachheit des Glaubens und den praktischen Dienst. Aber JESUS hat es uns ganz anders vorgelebt. Er sagte sinngemäß: „Wer unter Euch der Größte sein will, der soll für alle zum Diener werden.“ Und dann wusch er seinen Jüngern die Füße und machte sich somit selbst zum Diener!

Leider wird Gott selten so repräsentiert, daher sind immer wieder Reformationen und Erweckungen notwendig, damit die Kirche wieder auf Jesu Weg zurückkehrt.

Fionn Kientzler

Managing Partner bei Suxeedo

Fionn Kientzler ist Managing Partner bei der Content Marketing Agentur Suxeedo. Wir entwickeln hochwertige Inhalte, sowohl für Search als auch Kommunikation, Social Media und Conversion Optimierung. Unser Fokus liegt stark auf dem Thema Content UX, welcher bedeutet, dass wir Inhalte als Teil der gesamten User Journey und unter dem Gesichtspunkt der User-Interkation optimieren.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich als Führungskraft positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Tatsächlich höre ich viele Podcasts und lese viele Bücher. Deswegen konzentriere ich mich hier in meinen Empfehlungen einmal auf die Bücher, mit welchen ich mich im Zusammenhang mit Spiritual Leadership beschäftige.

  • Marcus Aurelius: The Meditations Es ist ein Buch voller Inspirationen, wie man sehr bodenständig mit all den Dingen umgeht, die einen Alltäglich begegnen.
  • Eckhart Tolle: A New Earth Jeder der irgendwie führen möchte, muss sich selber ersteinmal verstehen lernen, dass Buch vermittelt Wege, wie man sich selbst versteht und wie man so, dass beste aus seiner eigenen Essenz herausholen kann.
  • The Voice of the Buddha: Ein Buch über die Lehren Buddhas, welches sehr anschaulich vermittelt, was eigentlich die die Grundprinzipien sind, nach denen man innere Zufriedenheit erlangen kann.
  • Bhagavad Gita En sehr wichtiger Heldenepos aus dem Hinduismus, das Buch hilft einen in Schwierigen Situationen sich mit der richtigen Energie auf das sachlich notwendige zu fokussieren.
  • Das Neue Testament Besonders das Johannes Evangelium beinhaltet viele interessante Schätze, die man findet wenn man es wieder und wieder liest.

Zudem kann ich folgende Youtube-Kanäle empfehlen:

  • BK Shivani ist eine hinduistische Lehrerin, man muss sich durch die Liste der Videos scrollen, weil viele auch auf Hindi sind. Es gibt viele tolle Videos zu den Oberthemen: Spiritual Leadership und Self Leadership. Sehr zu empfehlen!
  • Tim Ferris Podcast Spannende Gäste und Deep Dives in viele interessante Themen.

Natürlich hat jeder seinen eigenen Geschmack, ich mag auch nicht alle von den Podcasts und Videos, jeder sollte das finden, was für sie oder ihn eine positive Resonanz erzeugt.

2. Woran glaubst du bzw. wie würdest du deine Weltanschauung beschreiben?

Wie man an meinen Buchvorschlägen erkennt, sehe ich die spirituelle Welt als in sich verknüpft an. Ich sehe eine direkte Linie vom Hinduismus, zum Buddhismus zum Christentum. Zum Beispiel; Buddha hat gesagt , dass er uns den Pfad lehrt und Christus hat gesagt, ich bin der Weg. Letztlich sollte eine Religion nur der Anfang sein und nicht der Endpunkt. Spiritualität ist für mich ein Weg mit Höhen und Tiefen, der viel mit Selbsterkenntnis, Achtsamkeit und der Ausbildung der Wahrnehmung zutun hat.

3. Ist Glaube für dich eine Privatsache? Inwiefern beeinflusst deine Spiritualität deine Rolle als Führungskraft?

Tatsächlich sehe ich Glaube besonders in Deutschland und der deutschen Kultur als etwas Privates an. Wir leben ja in einer sekularen Gesellschaft. Ich tausche mich bei der Arbeit nicht über Glaubensinhalte aus, weil ich Niemand in seiner oder ihrer Freiheit beeinflussen möchte. Den einzigen Einfluss den die Spiritualität auf die Arbeit bei mir hat, ist der Weg wie ich mit mir selber umgehe, wie ich reflektiere und wie ich mit meinen Kollegen umgehe.

Spiritualität bedeutet für mich übrigens nicht auch einmal unangenehme Wahrheiten zu äußern, oder mich in einer wichtigen Sache durchzusetzen. Es ist ein falsches Verständnis von Spiritualität, wenn man denkt man müsse immer „lieb“ sein. Wahrhaftig sein, der Sache gut zu dienen und anderen Menschen verzeihen, auch wenn dich Attribute oder Fehler stören, dass ist eher der Weg, den ich aktuell für mich gefunden habe. Es geht darum mit den Mitmenschen liebevoll umzugehen, sie nicht zu verurteilen und gleichzeitig Grenzen zu setzen.

4. Wie gehst du mit Menschen um, die andere Glaubensüberzeugungen haben? Wo fühlst du dich mit deinem Glauben manchmal missverstanden und was würdest du dir in diesem Zusammenhang von deinem Umfeld wünschen?

Ich sehe Menschen, die andere Überzeugungen haben auf einem Weg. Ich bin auf einem Weg, sie sind auf einem Weg und jeder ist auf einer anderen Wegstrecke, manchen kann ich auf meiner Wegstrecke begegnen anderen nicht. Deswegen versuche nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich Menschen auf ihrem Weg freizulassen.

Eigentlich ist es schon gewagt überhaupt über Spiritualität zu reden. Da gibt es zahlreiche Vorurteile, die wir alle kennen. In Nord Amerika, wo ich lange gelebt habe, versucht man Menschen nicht so schnell in eine Schublade zu schieben, da wird mit solchen Themen viel freilassender und undogmatischer umgegangen. Das wünsche ich mir manchmal auch in Deutschland.

5. Sowohl in der Kirche als auch in der Wirtschaft ist Leadership notwendig. Im kirchlichen Kontext gilt es nur häufiger auch ehrenamtliche Mitarbeiter:innen zu leiten. Welchen Unterschied macht es aus deiner Perspektive, ob man als Führungskraft mit Angestellten oder Ehrenamtlichen zusammenarbeitet?

Ich habe früher sehr viel ehrenamtlich gearbeitet. Ich denke der Unterschied ehrenamtliche Mitarbeiter:innen zu leiten ist, dass es hier vorallem darum geht, anderen Menschen zu helfen. Daraus zieht man die Genugtuung, nicht primär aus dem Gehalt. Deswegen ist es hier wichtig den Fokus darauf zu legen, in der eherneamtlichen Arbeit Leute so zu begleiten und coachen, dass sie besser helfen können und dies immer wieder in den Fokus zu rücken. Die anderen, eher organisationalen und administrativen Teile ergeben sich dann schon fast von alleine.

6. Was bedeutet es für dich konkret „geistlich zu führen“? Kannst du mir hier vielleicht von einem persönlichen Beispiel erzählen, was im Zusammenhang mit deiner Führungsposition stand?

Geistig zu führen, bedeutet für mich vor allem erst einmal sich selbst geistig zu führen und damit als Führungskraft in der eigenen Organisation eine Stimmung zu erzeugen, welche persönliches Wachstum fördert. Durch die Spiritualität entstehen viele nützliche Intuitionen und reflektive Momente für den Arbeitsalltag.

7. Welche biblische Geschichte, Figur oder Aussage fasziniert dich im Hinblick auf das Thema Führung und könnte für Führungskräfte (ganz egal, ob sie sich selbst als gläubig betrachten oder nicht) ein wertvoller Impuls für ihren Führungsalltag sein?

In der Bagavad Gita wird Arjuna herausgefordert seine eigenen Muster zu durchbrechen um für eine gute Sache zu kämpfen. Diese Art von Mut ist ein wichtiger Impuls sich und andere voranzubringen.

Wenn man sich mit der Stimme von Jesus in der Bibel auseinandersetzt, dann ist er sehr klar, was gut und was schlecht ist. Er strebt nach der Wahrheit, er strebt danach die Menschheit voranzubringen. Er ist so gesehen sehr mutig und durchsetzungsstark und gleichzeitig liebevoll und vergebungsvoll. Es geht ihm nicht um das Gewinnen, sondern darum, die Menschheit zu unterstützen in Freiheit den richtigen Weg zu erkennen und zu folgen.

Bonusfrage: Religion wird gern als „Opium für’s Volk“ verstanden. Doch die Mitgliedszahlen der staatlichen Kirchen gehen von Jahr zu Jahr zurück. Gleichzeitig hört man auch immer wieder Geschichten von kirchlichen Leitern, die ihr Amt missbrauchen oder gar in Missbrauch verwickelt sind. Das Christentum scheint in Europa auf einem Abstellgleis zu stehen. Stimmt dies so aus deiner Sicht überhaupt? Hat die Kirche wohlmöglich ein Führungsproblem?

Viele haben der Institution der Kirche abgesagt und stellen eher die eigene Spiritualität in den Vordergrund. Ich glaube, wir dürfen uns nicht zu sehr an der teils politischen Institution der Kirche aufhängen, es geht ja um einzelne Kirchen, um einzelne spirituelle Gemeinschaften. Es hat eine tolle Kraft gemeinsam zu „worshippen“ und es bietet für viele Menschen eine Chance für Menschen gemeinsam stärker ihre Spiritualität zu entwickeln, als sie es alleine können.

Mario Pfeiffer

Freelancer im Online Marketing

Mario Pfeiffer ist seit Anfang 2021 als Selbstständiger im Bereich Online-Marketing tätig (primär für SEA und SEO) und hat im Juli 2022 eine GmbH gegründet, die sich auf Performance Marketing für Onlineshops spezialisiert. Als gläubiger Christ spielt der Glaube eine zentrale Rolle in seinem Tagesablauf, was auch in seiner Arbeit zum Ausdruck kommt. Zuvor war er knapp sieben Jahre lang für SEA und SEO bei der Swiss International Air Lines und der Lufthansa Gruppe verantwortlich. Während seiner Zeit als Angestellter ergab sich nicht die Möglichkeit ein eigenes Team zu führen, was mitunter der Grund war, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich als Führungskraft positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Für mich sind das in erster Linie zwei Bücher. Zum einen das Buch Wie man Freunde gewinnt von Dale Carnegie, welches sich damit beschäftigt, wie man in zwischenmenschlichen Beziehungen erfolgreich sein und Freundschaften aufbauen kann. Es gibt praktische Tipps und Ratschläge, wie man auf andere Menschen zugeht, Vertrauen aufbaut und respektvoll miteinander umgeht. Zum anderen ist es tatsächlich auch die Bibel. Sie enthält Weisheiten und Lehren für ein erfülltes Leben und beschäftigt sich ebenfalls mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie betont die Bedeutung von Nächstenliebe, Vergebung und Mitgefühl, um ein friedliches Miteinander zu schaffen und ein sinnstiftendes Leben zu führen. Beide Werke haben also gemeinsam, dass sie sich mit der Kunst des Umgangs mit anderen Menschen beschäftigen und Weisheiten für ein erfolgreiches und erfülltes Leben vermitteln.

Des Weiteren habe ich einige Leadership Bucher auf meiner Liste, die nur darauf warten gelesen zu werden. Darunter sind: Leadership Pain von Samuel R. Chand, Die 5 Dysfunktionen eines Teams von Patrick M. Lencioni, Der Weg zu den Besten von Jim Collins.

2. Woran glaubst du bzw. wie würdest du deine Weltanschauung beschreiben?

Ich glaube an Gott und habe eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Mein Glaube gibt mir Hoffnung, Sinn und Orientierung im Leben. Ich versuche, mein Leben (privat wie beruflich) nach christlichen Werten und Prinzipien auszurichten, wie zum Beispiel Liebe, Mitgefühl, Ehrlichkeit und Vergebung. Gleichzeitig respektiere ich die Weltanschauungen anderer Menschen und versuche, in persönlichem Austausch Gemeinsamkeiten zu finden und ein friedliches Miteinander zu fokussieren. Das Leid auf dieser Welt ist zu groß, um seine Zeit mit Hass, Missgunst oder Gier zu verschwenden. Ich versuche mich immer wieder, egal wie schwierig die Situationen auch sind, mich auf das Positive auszurichten, anderen Menschen zu helfen und nie aufhören, Gutes zu tun (oder es zumindest immer wieder neu zu versuchen).

3. Ist Glaube für dich eine Privatsache? Inwiefern beeinflusst deine Spiritualität deine Rolle als Führungskraft?

Glaube ist für mich in gewisser Weise eine Privatsache, da es meine persönliche Beziehung zu Gott betrifft. Gleichzeitig ist mein Glaube ein wichtiger Bestandteil meines Lebens und beeinflusst auch meine Rolle als Führungskraft. Meine christlichen Werte und Prinzipien haben mir geholfen, eine positive Arbeitskultur zu schaffen und ein gutes Verhältnis zu meinen Freelancern:innen und Kunden:innen aufzubauen. Zum Beispiel versuche ich, meine Entscheidungen und Handlungen im Einklang mit meinen Werten zu treffen und achte darauf, dass ich fair, respektvoll und verantwortungsbewusst agiere. Zudem biete ich meinen Freelancer:innen an, das Gebet in unsere regelmäßigen Calls zu integrieren. Das Gebet ist für mich eine der kraftvollsten Möglichkeiten füreinander einzustehen und Gott bewusst in unsere Anliegen einzubinden. Ich respektiere natürlich die Überzeugungen meiner Mitarbeiter:innen und gestalte eine offene und tolerante Arbeitsumgebung. Sprich, wenn jemand beispielsweise das Gebet nicht wünscht, akzeptiere ich das selbstverständlich. Insgesamt denke ich, dass mein Glaube mir dabei hilft, eine bessere Führungskraft zu sein und mein Unternehmen auf eine Weise zu führen, die mit meinen Werten und Überzeugungen übereinstimmen.

4. Wie gehst du mit Menschen um, die andere Glaubensüberzeugungen haben? Wo fühlst du dich mit deinem Glauben manchmal missverstanden und was würdest du dir in diesem Zusammenhang von deinem Umfeld wünschen?

Jeder Mensch hat das Recht, seine eigenen Glaubensüberzeugungen zu haben und ich respektiere dies. Ich versuche immer, offen und tolerant gegenüber Menschen mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen zu sein und ihre Überzeugungen zu akzeptieren. Ein offener und respektvoller Dialog ist der beste Weg, um Verständnis und Toleranz zu fördern sowie Gemeinsamkeiten zu finden, anstatt Unterschiede zu betonen. Zudem lerne ich immer gern dazu und möchte meinen Horizont erweitern und nicht einschränken. Beispielsweise weiß ich noch viel zu wenig über andere Religionen, was aber, um auch andere Ansichten zu verstehen, unerlässlich ist.

Manchmal fühle ich mich aufgrund meines Glaubens missverstanden, insbesondere in Bezug auf die Kirche. In der heutigen Gesellschaft hat die Kirche oft kein gutes Image und es werden alle Kirchen über den gleichen Kamm geschert. Als Christ habe ich auch oft das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, wohingegen andere Glaubensrichtungen und Weltanschauen eher akzeptiert und respektiert werden (ist aber natürlich meine subjektive Sicht). Gerade gegenüber dem gemeinsamen Gebet wünschte ich mir mehr Offenheit.

5. Sowohl in der Kirche als auch in der Wirtschaft ist Leadership notwendig. Im kirchlichen Kontext gilt es nur häufiger auch ehrenamtliche Mitarbeiter:innen zu leiten. Welchen Unterschied macht es aus deiner Perspektive, ob man als Führungskraft mit Angestellten oder Ehrenamtlichen zusammenarbeitet?

Der Hauptunterschied ist meiner Meinung nach, dass Ehrenamtliche oft ihre Arbeit neben anderen Verpflichtungen und Aufgaben erledigen müssen. Als Leiter:in ist es daher wichtig, ein gewisses Maß an Flexibilität und Verständnis zu zeigen und darauf zu achten, dass die ehrenamtliche Arbeit nicht zu einer zusätzlichen Belastung wird.

Im Allgemeinen ist die Motivation von Ehrenamtlichen hauptsächlich intrinsisch im Gegensatz zu einem bzw. einer Angestellten, da sie ihre Arbeit aus persönlicher Überzeugung und freiwillig leisten. Das bedeutet, dass es als Führungskraft besonders wichtig ist, das Engagement und die Motivation von Ehrenamtlichen zu fördern und sicherzustellen, dass ihre Arbeit wertgeschätzt und gesehen wird. Selbstverständlich achte ich auch bei meinen Freelancern:innen darauf ihre Arbeit wertzuschätzen und ihnen fortlaufend Feedback zu geben. Bei ehrenamtlicher Arbeit ist es aber umso wichtiger.

6. Was bedeutet es für dich konkret „geistlich zu führen“? Kannst du mir hier vielleicht von einem persönlichen Beispiel erzählen, was im Zusammenhang mit deiner Führungsposition stand?

Für mich bedeutet „geistlich zu führen“, dass ich als Führungskraft nicht nur die fachlichen und organisatorischen Aspekte im Blick habe, sondern auch die geistliche Dimension. Das heißt für mich, dass ich jeden Morgen und jeweils nach dem Mittagessen ein kurzes Gebet einplane, um Gott bewusst in den Tag zu involvieren. Mit allem, was ich bin und allem, was ich tue möchte ich Gott alle Ehre geben. Dabei kann ich meine sowie die Anliegen meiner Freelancer:innen an Gott abgeben oder sie mit ihm besprechen. Das hilft mir Druck abzubauen und den Fokus auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Wie bereits angesprochen, biete ich meinen Mitarbeiter:innen die Möglichkeit von einem gemeinsamen Gebet Gebrauch zu machen. Für mich soll der regelmäßige Austausch nicht nur genutzt werden, um Arbeitsprozesse zu besprechen oder Ziele zu definieren, sondern auch dafür, dass wir uns als Team gegenseitig unterstützen und ermutigen. Meiner Erfahrung nach, schafft das eine Atmosphäre des Vertrauens und der Gemeinschaft auf einem neuen Level.

7. Welche biblische Geschichte, Figur oder Aussage fasziniert dich im Hinblick auf das Thema Führung und könnte für Führungskräfte (ganz egal, ob sie sich selbst als gläubig betrachten oder nicht) ein wertvoller Impuls für ihren Führungsalltag sein?

Die Geschichte von Moses aus Exodus 18,13-22 ist für mich immer wieder ein wichtiger Impuls für meinen Führungsalltag. Moses führte das Volk Israel aus Ägypten und war lange Zeit alleiniger Ansprechpartner für die unterschiedlichsten Anliegen. Die Bibel beschreibt einen Leiter, der von morgens bis abends vom Volk eingenommen wurde und damit völlig überfordert war. Sein Schwiegervater Jitro schlägt ihm dann vor, seine Aufgaben aufzuteilen und andere fähige Männer in Leitungspositionen zu berufen, um so die Last auf mehrere Schultern zu verteilen.

Diese Geschichte zeigt mir, dass es als Führungskraft enorm wichtig ist, sich selbst nicht mit zu vielen Aufgaben zu überfordern und auch andere in Leitungspositionen zu berufen oder zumindest Verantwortungsbereiche zu übertragen. Damit dies gelingt, sind zwei Schritte notwendig. Der erste Schritt ist die Selbsterkenntnis und das Eingestehen, der eigener Grenzen. Der zweite Schritt ist die konkrete Übertragung der Verantwortung sowie das Vertrauen in diese Person.

Da ich mich mit meinen Firmen noch im Aufbau befinde, fällt es mir oft schwer den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden. Deshalb ist dieser Vers immer wieder ein wichtiger Anstoß, die bestehende Kompetenzverteilung zu hinterfragen.

Bonusfrage: Religion wird gern als „Opium für’s Volk“ verstanden. Doch die Mitgliedszahlen der staatlichen Kirchen gehen von Jahr zu Jahr zurück. Gleichzeitig hört man auch immer wieder Geschichten von kirchlichen Leitern, die ihr Amt missbrauchen oder gar in Missbrauch verwickelt sind. Das Christentum scheint in Europa auf einem Abstellgleis zu stehen. Stimmt dies so aus deiner Sicht überhaupt? Hat die Kirche wohlmöglich ein Führungsproblem?

Das ist natürlich eine sehr komplexe Frage und würde wahrscheinlich mehrere Seiten benötigen, um es ansatzweise beantworten zu können. Um es abzukürzen und deine Leser zu verschonen, würde ich aber sagen, dass gut ausgebildete (und sich stets weiterbildende) Führungskräfte essenziell für eine gesunde Kultur innerhalb einer organisierten Struktur sind, sei es in der Politik, Privatwirtschaft, Vereinen oder eben in Kirchen.

Gerade als Kirche, die wirklich nach dem Herz Gottes leben möchte, gehört das Eingestehen von Fehlern zu den Grundprinzipien. Genauso wie das Ergreifen von notwendigen Maßnahmen, um eine Wiederholung von Fehlern zu vermeiden. Damit dies sichergestellt werden kann, sind fähige Leiter unerlässlich sowie interne Strukturen, die fähige Leiter hervorbringen. Sich selbst und seine Funktion in einem System – sei es Verein, Kirche oder Beruf stetig zu hinterfragen ist unerlässlich. Immer wieder neue Menschen in einen festgefahren Ablauf zu integrieren hilft, selbst nicht betriebsblind zu werden. Veränderungen sind gut und setzen immer neue Prozesse in Gang, die fast ausschließlich positive Resultate nach sich ziehen.

Aus meiner persönlichen Wahrnehmung empfinde ich nicht, dass das Christentum auf dem Abstellgleis steht. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl seit Corona befindet sich Vieles in einem positiven Umbruch und die Menschen sind wieder offener gegenüber dem Glauben. Wenn mir das deine Leser:innen nicht glauben, dann sollten sie mal zu uns in die Kirche kommen, da wächst gerade eine echt starke geistliche Generation heran.

Clemens Lutter

Geschäftsführer des ICF München

Clemens Lutter ist geschäftsführender Vorstand im ICF München e.V. seit mehr als 10 Jahren. ICF München ist eine überkonfessionelle Freikirche mit mehreren Standorten rund um München. Wöchentlich kommen über 1.500 Menschen in einen der Gottesdienste und genauso so viele nutzen das Angebot der Online Church. Clemens Lutter ist seit 2006 Teil der Kirchengemeinde und hat verschiedene Bereiche verantwortet und mit aufgebaut. Heute ist die Organisation „ICF München“ mit 70 Angestellten in Voll- und Teilzeit und einem Spendenvolumen von 4,5 Mio. Euro eine kleine mittelständische Unternehmung.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich als Führungskraft positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Ich lese sehr gerne Biografien, so hat mich beispielsweise der Mut und die Tatkraft von Bruder Andrew – Der Schmuggler Gottes – in vielerlei Hinsicht inspiriert. Während des Kalten Kriegs machte er sich auf den Weg Christen hinter dem Eisernen Vorhang zu besuchen, zu ermutigen und mit Bibeln zu versorgen. In meiner Rolle als Leader und Führungskraft inspirieren mich immer wieder aufs Neue der Leadership Podcast unseres leitenden Pastors Tobias Teichen. Er versteht es Dinge einfach und konkret auf den Punkt zu bringen und dabei weder Unternehmung noch Person aus dem Blick zu verlieren.

Und für jeden, dem es schwer fällt gute Entscheidungen zu treffen, kann ich das Buch CHOOSE – Weil Vielleicht keine Entscheidung ist von Tobias Teichen empfehlen. Es gibt konkrete Hilfestellung und Anleitungen wie ich in meinem Leben zu guten Entscheidungen kommen kann.

2. Woran glaubst du bzw. wie würdest du deine Weltanschauung beschreiben?

Ich bin Christ, glaube an Jesus Christus als Sohn Gottes und an die Bibel. Diese Glaubensfundament prägt meine Werte und Einstellung in Bezug auf alles: Arbeit, Karriere, Familie, Beziehung, Erziehung. Dieser Glaube prägt meinen Alltag: ich starte regelmäßig mit einer Zeit des Gebets und Bibel lesen in den Tag und hole mir Gottes Perspektive auf das ab, was ansteht. Ich durfte schon viele Male erleben, wie ich Blitzgedanken und Impulse aus dieser Zeit der Schlüssel für Situationen im Laufe des Tages waren – egal ob beruflich oder privat.

3. Ist Glaube für dich eine Privatsache? Inwiefern beeinflusst deine Spiritualität deine Rolle als Führungskraft?

Mein Glaube beginnt im Privaten, aber er hat selbstverständlich Auswirkungen darüber hinaus. Es beeinflusst meinen Blick auf das Unternehmen, die Gesellschaft, meine Mitarbeiter und vieles mehr. Wie bereits erwähnt, ist der Start mit Gott in den Tag für mich sehr wichtig. Es ist ein Moment täglichen Neuausrichtung: worauf kommt es an, was ist Gott wichtig und wie sieht er Situationen und Menschen.

Konkret wird es zum Beispiel im Umgang mit den Mitarbeiter:innen. Jeder Mitarbeitende hat seine Stärken und Schwächen. Ich möchte sie nicht nur aus menschlicher Perspektive betrachten, sondern auch aus „göttlicher Perspektive“: Wer hat welche Stärken? Wie kann ich Stärken bestmöglich einsetzen? Wie kann ich Schwächen ausgleichen oder ein sich ergänzendes Team zusammenstellen?

Dabei ist ein von der Bibel und dem christlichen Glauben geprägtes Menschenbild das Fundament: jeder Mensch ist ein von Gott geliebtes Geschöpf und einzigartig, gleichzeitig brauchen wir „Gottes Hilfe“ und Ergänzung durch andere. Das schafft Raum für eine gesunde Zusammenarbeit und gleichzeitig eine konstruktive Fehlerkultur.

4. Wie gehst du mit Menschen um, die andere Glaubensüberzeugungen haben? Wo fühlst du dich mit deinem Glauben manchmal missverstanden und was würdest du dir in diesem Zusammenhang von deinem Umfeld wünschen?

Wir leben als Kirche eine Willkommen-Zuhause-Kultur. Das bedeutet, dass jeder willkommen ist, wie er ist und was er mitbringt. Ich liebe es ins Gespräch mit anderen Menschen zu kommen, eventuell das ein oder andere zu diskutieren und sich dann aber auch wieder gegenseitig stehen lassen zu können. Wir sind schließlich „unterwegs“ und haben nicht die volle Erkenntnis. Ich schätze ein gewisses Maß an Demut sehr.

Ein großes Missverständnis gegenüber uns als Kirchen ist sicher, dass Menschen in die Kirche passen müssen. Dem ist nicht so. Die Kirche soll für die Menschen da sein und nicht andersherum. Ein Beispiel: Man kann das Gefühl haben, dass die Form und Sprache der Kirche vor einiger Zeit stehen geblieben ist oder auch Christsein „nur“ etwas für den Sonntag ist. Wir (als Kirche aber auch als einzelne:r Christ:in) fragen uns ständig, wie sieht Christsein und Glauben heute aus, wie wird es im Alltag praktisch und wie passt die „Form und Farbe von Kirche“ in die heutige Gesellschaft. Ich bin überzeugt, dass der christliche Glaube nach wie vor Relevanz hat und es manchmal nur an der „richtigen Übersetzung“ in unsere heutige Zeit fehlt. Als ICF-Kirchen machen wir den Versuch und man kann sich bequem von zuhause am Sonntag via YouTube ein Bild davon machen.

5. Sowohl in der Kirche als auch in der Wirtschaft ist Leadership notwendig. Im kirchlichen Kontext gilt es nur häufiger auch ehrenamtliche Mitarbeiter:innen zu leiten. Welchen Unterschied macht es aus deiner Perspektive, ob man als Führungskraft mit Angestellten oder Ehrenamtlichen zusammenarbeitet?

Die offensichtlichsten Unterschiede zu einem bzw. einer Angestellten sind die Verfügbarkeit, „Arbeiten gegen Geld“ sowie Verbindlichkeit. Ein:e ehrenamtliche:r Mitarbeiter:in hat vielleicht ca. 10h in der Woche Zeit sich zu engagieren, muss „ohne Geld“ für ein Thema oder Anliegen gewonnen werden und kann spontan wieder abspringen.

Daher haben diese Aspekte ein besonderes Augenmerk in der Zusammenarbeit. Wir gewinnen Mitarbeiter:innen über ihre Stärken, Leidenschaften und Fähigkeiten und suchen einen Platz, wo sie diese am besten ausspielen können. An diesem Platz fördern und entwickeln wir sie weiter. Wo das gut gelingt, lieben es Mitarbeiter gemeinsam mit uns langfristig und verbindlich unterwegs zu sein. Und trotzdem ist das ehrenamtliche Zeitkontingent irgendwann erschöpft. Deswegen heißt es dann entweder weitere ehrenamtliche Mitarbeitende gewinnen oder prüfen, ob eine Anstellung in der Kirche der richtige Schritt ist.

In der übergeordneten Betrachtung spielen im ehrenamtlichen Bereich sicher die ideelle Überzeugung, die Wertschätzung und enge Begleitung der Mitarbeiter eine tragende Rolle, da Mitarbeiter:innen sich schneller wieder verabschieden, wenn etwas nicht stimmt. Aber ich bin überzeugt, dass jedes Unternehmen, das diesen Themen große Aufmerksamkeit gibt und sich über eine gesunde und starke Arbeitsatmosphäre freuen kann.

6. Was bedeutet es für dich konkret „geistlich zu führen“? Kannst du mir hier vielleicht von einem persönlichen Beispiel erzählen, was im Zusammenhang mit deiner Führungsposition stand?

Ich leite Menschen immer ganzheitlich: ich kann nicht nur die Arbeitsleistung betrachten und von dem Menschen und seinen Lebensumständen trennen. Gibt es beispielsweise eine Krise in der Ehe oder schwerwiegende Schicksalsschläge, muss dies Vorrang haben und ist genauso wichtig bzw. wichtiger zu lösen. Hier braucht es Flexibilität in der Gestaltung von Arbeit, was am Ende beiden dient: Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen.

Und natürlich nutze ich das Gebet in meiner Führung: ich bete regelmäßig für meine Mitarbeiter:innen und das Unternehmen. Ich frage Gott, was aus seiner Sicht die besten nächsten Schritte sind. Hier bekomme ich häufig überraschende Gedanke, die Situationen (fast) von selbst lösen. Ein Beispiel ist die Suche nach einer Nachfolge für eine Assistenz. Mir fiel im Gebet eine Name ein, ich fragte die Person und sie sagte zu. Sie hatte nämlich selbst aus dem Gebet bereits einige Wochen mit dem Gedanken gespielt, zu fragen, ob das ICF nicht genau an dieser Stelle eine Person sucht. Es lief wie von selbst ohne aufwendige Bewerbungsprozedur.

7. Welche biblische Geschichte, Figur oder Aussage fasziniert dich im Hinblick auf das Thema Führung und könnte für Führungskräfte (ganz egal, ob sie sich selbst als gläubig betrachten oder nicht) ein wertvoller Impuls für ihren Führungsalltag sein?

Mich inspiriert Mose im Ersten Testament der Bibel. Gott hatte ihn beauftragt ein Millionenvolk zu leiten ohne das Mose große Vorkenntnisse hat. Dabei kam er regelmäßig an seine Leadership-Grenzen. Aber er war lernbereit, suchte Gottes Rat und stellte sich der Herausforderung. Wenn man die Geschichte aufmerksam liest, findet man eine Leadership Insigths, die bis heute Gültigkeit haben. Ein Beispiel kann man in der Bibel in 2. Mose 18, Vers 14ff lesen. Kurz gesagt: sein Schwiegervater schlug ihm vor, wie er seine Organisation aufbauen und gute Team- und Führungsstrukturen in dem Volk etablieren kann.

Bonusfrage: Religion wird gern als „Opium für’s Volk“ verstanden. Doch die Mitgliedszahlen der staatlichen Kirchen gehen von Jahr zu Jahr zurück. Gleichzeitig hört man auch immer wieder Geschichten von kirchlichen Leitern, die ihr Amt missbrauchen oder gar in Missbrauch verwickelt sind. Das Christentum scheint in Europa auf einem Abstellgleis zu stehen. Stimmt dies so aus deiner Sicht überhaupt? Hat die Kirche wohlmöglich ein Führungsproblem?

Der christliche Glaube hat heute immer noch große Relevanz. Die Botschaft der Bibel von Hoffnung, Liebe und Glaube kann mehr denn je gerade in heutigen Zeit Orientierung und Halt geben. Es gibt eine große Vielfalt an christlichen Kirchen und Gemeinden. Die Organisation „Kirche“ hat leider beschämende Seiten und einige Fehler gemacht. Das kommt in jeder Organisation vor; vor allem, wenn sie tausende Jahre alt ist (welches Unternehmen sonst hat solch eine lange Geschichte). Der heutige Umgang mit diversen Krisen lässt auch für mich die ein oder andere Frage offen und wirkt nicht immer sehr geschickt. Ich wäre aber sehr vorsichtig, „der Kirche“ die Wichtigkeit in der Gesellschaft abzusprechen. Es müssen Dinge geändert werden und die Kirche muss zu ihrem Kern zurückfinden: gläubige Menschen kommen zusammen, teilen ihren Glauben und nehmen mutig und selbstlos positiven Einfluss auf ihr Umfeld.

Deswegen ist das auch das Motto von ICF Kirchen „Kirche neu erleben“: der christliche Glaube zeitgemäß in die Sprache der Zeit übersetzt ohne Kompromisse zu machen.

Andreas Wander

Director Consulting der i22 Digitalagentur

Andreas Wander ist bei der i22 Digitalagentur als Director Consulting aktiv und begleitet dort die Schnittstelle zwischen Kundenakquise und dem Einphasen neuer Projekte. Als Führungskraft konnte er nun seit fast einem Jahrzehnt an unterschiedlichen Stationen Erfahrungen sammeln. Aus seiner Erfahrung, gehört dazu aber auch der Transfer von „geführt werden“ in die eigene Führungs- und Vorbildrolle. Seine gemachten Erlebnisse stuft er als weitestgehend positiv ein, wobei eben auch das geistliche Umfeld eine wichtige Rolle für ihn spielt.

Die 7 Antworten von Andreas Wander lesen

1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich als Führungskraft positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Aktuell fokussiere ich mich auf „snackable Contents“, um mich in dieser Frage inspirieren zu lassen. Ich empfehle hierbei folgende Personen:

  1. The Diary of a CEO von Steven Bartlett. Für mich geht es hier um die Ehrlichkeit, die die Personen zeigen und wie wichtig es ist, Authentizität zu zeigen. Das ist nämlich nicht immer einfach und oft auch leichter zu überspielen als die eigenen Karten auf den Tisch zu legen.
  2. Jay Shetty mit seinen Büchern und Impulsen rund um Akzeptanz, das Leben und die Liebe. Mir wird da auch öfter mal der Spiegel vorgehalten und das ist nicht immer angenehm aber (immer) gut.
  3. Simon Sinek ist meine dritte Empfehlung. Ich mag seine positive motivierende Art und auch das „amerikanische“ in seinen Überlegungen und Impulsen.

Was ich mehr oder weniger bewusst vermeide, ist es bestimmten Personen zu folgen oder Medien zu konsumieren, die sich zu faktisch oder sogar manipulativ mit dem Thema Führung befassen. Aus meiner Sicht ist Führung eben der Fokus auf die zwischenmenschlichen Aspekte. Was allerdings gut helfen kann, wenn man sich mit dem Thema der Gruppensysteme befasst.

2. Woran glaubst du bzw. wie würdest du deine Weltanschauung beschreiben?

Meine Weltanschauung ist christlich geprägt. Erst normal evangelisch sozialisiert, später aus der Kirche ausgetreten und nun freikirchlich geprägt.

3. Ist Glaube für dich eine Privatsache? Inwiefern beeinflusst deine Spiritualität deine Rolle als Führungskraft?

Zuerst möchte ich klarstellen, dass Glaube viele Facetten hat. Auch ein Atheist, Nihilist oder was auch immer, haben meist einen sehr starken und oft extrovertierten Glauben. Nicht allein der Glaube an einen Gott, sondern jede Weltanschauung geht mit bestimmten Werten einher.

Daher denke ich, dass jede Form der Spiritualität (m.E. ist auch Nicht-Spiritualität eine Form davon) auch eine Auswirkung auf das hat, was man tut. Daher klares sage ich klar „Ja“ dazu, dass meine Rollen, die ich im Leben einnehme werden, auch davon geprägt sind.

4. Wie gehst du mit Menschen um, die andere Glaubensüberzeugungen haben? Wo fühlst du dich mit deinem Glauben manchmal missverstanden und was würdest du dir in diesem Zusammenhang von deinem Umfeld wünschen?

Ich hoffe, dass ich mit jedem Menschen, unabhängig seines Glaubens ganz normal, respektvoll und höflich umgehe. Am Ende sind wir doch alles nur Menschen, die gehört, verstanden und wahrgenommen werden wollen.

Missverstanden fühle ich mich eigentlich nur in sehr wenigen Fällen – vor allem dann, wenn man mit seinem Gegenüber nicht in einen guten Austausch über eventuelle unterschiedliche Sichtweisen kommt und das passiert, was wir alle schon erlebt haben: Dass es am Ende nur noch darum geht mit möglichst aggressiven Mitteln die andere Person zu überzeugen.

Was ich gar nicht ab kann – und das bezieht sich wirklich auf alle Glaubensrichtungen: Wenn man seinen Glauben als Grund vorschiebt, um ein nicht zu rechtfertigendes Verhalten auszuleben.

5. Sowohl in der Kirche als auch in der Wirtschaft ist Leadership notwendig. Im kirchlichen Kontext gilt es nur häufiger auch ehrenamtliche Mitarbeiter:innen zu leiten. Welchen Unterschied macht es aus deiner Perspektive, ob man als Führungskraft mit Angestellten oder Ehrenamtlichen zusammenarbeitet?

Erstmal sehe ich hier keinen Unterschied. Es sind für mich einfach nur andere Rahmenbedingungen, die man als Führungskraft berücksichtigen muss (z.B. zeitliche Ressourcen, die investiert werden). Ansonsten steht eben das Team und was man zusammen erreichen kann bzw. im Beruflichen auch muss, im Mittelpunkt. Der Austausch als Team und der Umgang miteinander sollte aber in jedem Fall wertschätzend und respektvoll sein.

Natürlich gibt es im beruflichen Kontext auch immer die Option eine Anweisung zu geben. Dies ist aber etwas, was man m.E. nur selten braucht, wenn man als Führungs- und Vorbildfunktion positiv vorangeht und man dadurch sich auch eine Art natürlichen Respekt verdient hat.

6. Was bedeutet es für dich konkret „geistlich zu führen“? Kannst du mir hier vielleicht von einem persönlichen Beispiel erzählen, was im Zusammenhang mit deiner Führungsposition stand?

Hier kommen verschiedene Aspekte zusammen. Zum einen denke ich, dass jeder Mensch in Verantwortung ein Stück „geistlich führt“, da die eigenen Gedanken, das Weltbild usw. ja einen konkreten Einfluss haben, wie man eine Person wahrnimmt und welche Werte in eine Situation eingebracht werden.

Auf der Grundlage meines christlichen Menschenbildes, versuche ich natürlich den Menschen ganzheitlich zu führen, d.h. neben den konkreten Arbeitsleistungen und Aufgaben eben auch das geistliche und emotionale Erleben im Blick zu haben und darauf einzugehen. Wichtig dabei ist es aus meiner Erfahrung eben auch die Selbstverantwortung der Mitarbeiter:innen dabei im Blick zu haben und auch zu fördern.

Im Arbeitsumfeld habe ich das geistliche Führen im Kontext der Frage so noch nicht erlebt, eher im Ehrenamt innerhalb des kirchlichen Raumes. Allerdings hatte ich schwierige Situationen in meinem Leben zu überstehen, bei denen mich meine Vorgesetzten sehr häufig sehr wertschätzend unterstützt haben. Und das ist dann eben unabhängig vom eigentlichen Glauben eben auch eine geistliche Führung, die in jedem Menschen innewohnen kann.

7. Welche biblische Geschichte, Figur oder Aussage fasziniert dich im Hinblick auf das Thema Führung und könnte für Führungskräfte (ganz egal, ob sie sich selbst als gläubig betrachten oder nicht) ein wertvoller Impuls für ihren Führungsalltag sein?

Hier komme ich gerne auf die Geschichte Davids zurück. Sicherlich viel zu lange um auf alle Aspekte, gute und schlechte Seiten einzugehen. Zwei wichtige Punkte aus meiner Sicht:

  1. David hat eine einige extreme Fehler begangen, war sich aber am Ende nicht zu schade sich den Konsequenzen zu stellen. D.h. Verantwortung übernehmen und sich der Situation stellen.
  2. Als geistiger Führer seiner Zeit ist er auch in den Interpretationen über jeden Zweifel erhaben.
  3. Als politischer Führer jedoch, gibt es ja durchaus aber auch andere Meinungen. Was ich daraus lerne, dass es sehr wichtig ist, dass das Denken und Handeln in Einklang stehen und sich daraus eine authentische Person entwickelt.

Auch hier gilt wieder, dass man komplexe Geschichten auch komplex betrachten muss, um dann eine differenzierte Meinung haben zu können.

Bonusfrage: Religion wird gern als „Opium für’s Volk“ verstanden. Doch die Mitgliedszahlen der staatlichen Kirchen gehen von Jahr zu Jahr zurück. Gleichzeitig hört man auch immer wieder Geschichten von kirchlichen Leitern, die ihr Amt missbrauchen oder gar in Missbrauch verwickelt sind. Das Christentum scheint in Europa auf einem Abstellgleis zu stehen. Stimmt dies so aus deiner Sicht überhaupt? Hat die Kirche wohlmöglich ein Führungsproblem?

Ich muss zugeben, dass ich mit dem Konstrukt der klassischen christlichen Kirchen (ob evangelisch oder katholisch) schon sehr lange nicht mehr befasse, da ich kein Anhänger bin, wie dort der lebendige Glaube ausgeübt wird. Von außen betrachtet muss ich diese Frage aber auf jeden Fall bejahen, es gibt hier ein klares Führungsproblem.

In jedem System, das auf klare Strukturen setzt, von der klassischen Kirche über Sportvereine usw. kann es an Transparenz und Offenheit fehlen, da sich hier leichter eine gewissen Deckungsmentalität einschleichen kann. Je offener und klarer man mit Fehlern umgeht, desto leichter kann es für alle Beteiligten werden. Am Ende steht auch immer der Schutz der Opfer im Mittelpunkt.

Ob das Christentum in Europa auf dem Abstellgleis ist, fällt mir schwer einzuschätzen. Ich erlebe besonders in den Freikirchlichen Gemeinden einen hohen Andrang, da die Menschen besonders aktuell nach Sicherheit, Stabilität und Geborgenheit suchen, aus der man sich auch den Optimismus für die Zukunft zieht.

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