Interview-Reihe

7 Fragen über Self-Leadership

In dieser Interviewserie stelle ich 7 Fragen an Freelancer:innen aus dem Bereich SEO und Digitales Marketing. Im Fokus stehen dabei Fragen aus den Bereichen Selbstführung, Selbstständigkeit und Unternehmertum. Hierdurch lernst du die freischaffenden Unternehmer:innen näher kennen und erhälst durch ihre Antworten einen Eindruck, worauf es beim Freelancing ankommt. Es lohnt sich also definitiv!

Stephan Czysch

Stephan Czysch hilft Unternehmen und Teams als strategischer Online-Marketingberater und Interim-Manager dabei, bessere Ergebnisse zu erzielen. Vor seiner Selbstständigkeit gründete Stephan die Agentur Trust Agents (heute Teil von DEPT), die innerhalb von fünf Jahren auf 65 Teammitglieder wuchs und mehrfach für das Unternehmenswachstum ausgezeichnet wurde. Der fachliche Schwerpunkt im Online-Marketing des mehrfachen Autors liegt auf der Suchmaschinenoptimierung. Zu diversen SEO-Themen ist er regelmäßig als Referent und Seminarleiter aktiv.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Puh, das ist gar nicht so einfach zu beantworten, da ich viele Bücher als Kurzzusammenfassung (via Blinkist), Hörbuch (via Audible) oder klassisch als Buch konsumiert habe. Da sind im Laufe der Jahre mehrere hundert Bücher zusammengekommen, wenngleich ich sie unterschiedlich intensiv aufgesaugt habe.

Wenn ich einen Titel herausgreifen soll: Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer von Stefan Merath. Das Buch hatte ich damals physisch gelesen und immer wieder herausgeholt. Dazu kamen mehrere Coachings und offener Austausch mit Branchenkollegen.

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Vorneweg: Mein Anspruch ist es, mit meinen Geschäftspartner:innen auf Augenhöhe zu arbeiten und klar zu kommunizieren, was (bis wann) möglich ist und was nicht. Das nimmt schon mal viel Druck aus dem Kessel, da ich nicht in Situationen komme wie „wenn X nicht bis Y geliefert wird, dann …“. In der Regel schlage ich den Fahrplan vor und kann deshalb sehr gut um alles herumplanen, was so ansteht.

Dazu kommt, dass mich aufgrund meines beruflichen Werdegangs viele Herausforderungen einer Selbstständigkeit nur bedingt betreffen. Das fängt bei der Diskussion rund um Stundensätze (und damit dem Einkommen) an und endet bei der Selbstvermarktung. Deshalb bin ich insgesamt in meiner Zeiteinteilung sehr frei und kann auch ohne anstehende Projekte in die nächsten Monate gehen, ohne mit Sorgen einzuschlafen. In der Summe gibt mir das sehr viel Freiraum, um an Themen zu arbeiten, die nicht direkt zu Einnahmen führen – oder Freizeit im klassischen Sinne zu verbringen.

Dennoch: Die kommunizierten Fahrpläne sind meine Leitplanken, um fokussiert zu bleiben. Denn ansonsten stürze ich mich gerne auf irgendein gerade opportunes Projekt und schiebe (unterminierte) Aufgaben auf.

Was mir zudem hilft ist, dass ich vom Naturell verbindlich und strukturiert bin. Was ich verspreche, das halte ich. Und wenn ich dafür kurz vor knapp richtig Vollgas geben muss. ;)

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

Während meiner Agenturzeit und speziell im Jahr 2016 war das ein großes Thema. Kurz und knapp: Da habe ich mich übernommen und Warnsignale von meinem Körper erhalten. In der Folge habe ich mich intensiv mit mir und meiner Arbeitseinstellung auseinandergesetzt, vor allem über Bücher und Coachings.
Es war insgesamt ein Lernprozess, dass ich nicht in Alles in der Agentur involviert sein muss, damit der Laden läuft. Oder präziser: ich das Gefühl habe, dass der Laden läuft. Das hat den Teammitgliedern mehr Freiraum (und Verantwortung) ermöglicht, und mir mehr Entspannung.

Zwischenzeitlich sehe ich viele Themen deutlich entspannter. Ich kann zwingend empfehlen, sich darüber klar zu werden, was man erreichen möchte, besonders mit Blick auf die eigene finanzielle Situation. Konkret: Was bringt es mir, etwas (nicht) zu tun?

Zu häufig sehe ich, dass Lebenszeit gegen Geld getauscht wird, ohne dass dieses Geld einen grundlegenden Unterschied macht, da alle (Grund-)Bedürfnisse bereits erfüllt sind. Wenn man seine eigenen Ziele erfüllen kann und dabei noch viel freie Zeit hat, dann ist man aus meiner Sicht wirklich reich. Aber lass uns jetzt nicht zu philosophisch werden. 😊

Als Ausgleich hilft mir Sport und ich bin zuletzt regelmäßig mit dem Rad unterwegs und komme pro Woche auf einige Kilometer.

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Ich bin in der bereits angesprochenen Luxussituation, dass ich unter finanziellen Gesichtspunkten wenig Muss und entsprechend auf vielen Ebenen sehr viel Freiheit besitze. Aber ja: Grundsätzlich betrifft mich das Thema ebenfalls, sowohl heute als auch zu Agenturzeiten.

Wichtig ist, dass man sich darüber klar wird, was man gerne macht und was nicht. Bei Themen der zweiten Kategorie, bei mir persönlich ist es z.B. Buchhaltung, investiere ich in externe Lösungen. Es gibt für viele Themen jemanden, der/die es mit Leidenschaft macht (zumindest wäre das super). Anstatt sich also selbst Themen auf den Schreibtisch zu legen, die einem keinen Spaß machen oder für die man selbst viel mehr Zeit benötigt als jemand anderes, einfach schauen, wer dieselbe Aufgabe gerne übernimmt. Das spart Nerven sowie Geld und schenkt viel Zeit!

Denkt stets an Opportunitätskosten: Wenn ihr eure Buchhaltung für 50€ machen lassen könnt, dann lohnt es sich nicht, diese Summe zu sparen und selbst zwei oder mehr Stunden zu investieren. Das ist ein Stundensatz von 25€! Über eure Kernexpertise erhaltet ihr bestimmt mehr als diese Summe.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Dass ich das eigene „Why“ für wichtig erachte, habe ich schon anklingen lassen, Irgendwie muss man seinen eigenen Kompass justieren, damit sich das Gefühl „ich bin [Perspektive einsetzen] angekommen“ einstellen kann.

Wohin soll es für mich selbst gehen? Eine sehr gute Frage! Für mich war der Wechsel vom Unternehmensgründer in die Selbstständigkeit der Schritt zurück zu (wieder) mehr Selbstbestimmtheit. Im Laufe der Zeit habe ich mich davon entfernt, das zu tun, was ich gerne gemacht habe: Wissen zu teilen und (fachliche) Herausforderungen zu lösen. Dazu war es nicht mehr mein Unternehmen. Durch den Verkauf hat sich die grundsätzliche Motivation verändert.

Das bitte nicht lesen als „es war alles schlimm“, ganz im Gegenteil! Ich habe meine veränderte Rolle geliebt und die neuen Erfahrungen und Impulse sehr genossen. Doch tief in mir drin wollte ich (noch) nicht der reine Unternehmenslenker in einem Angestelltenverhältnis sein, sondern selbst im Maschinenraum stehen oder eben sehr frei die Richtung in einer neuen Unternehmung vorgeben.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Ich glaube, dass „mehr Geld“ nie die wirkliche Motivation ist oder sein sollte. Aus meiner Sicht sind die meisten, die über den Schritt in die Selbstständigkeit nachdenken, sehr gut in der Lage sind, mit dem aktuellen Einkommen die (wichtigen) Bedürfnisse und Wünsche zu stillen. Andernfalls ist man wohl nicht am passenden Ort.

Die grundlegende Hoffnung ist meistens, in weniger Zeit dasselbe (oder mehr) zu verdienen. Doch viele scheitern daran, die mögliche Freiheit anzunehmen, wenn es gut läuft und man es „geschafft hat“. Oder landen nie an diesem Punkt. Wenn man es geschafft hat, dann treten die von dir angesprochenen Themen auf. Und statt dem „es ist genug, jetzt gönne ich mir die Freizeit“ stellt sich ein „oh, wenn ich das noch mache, dann habe ich noch mehr Geld“ ein.

Am Ende landet mehr Geld auf dem Konto, die gearbeiteten Stunden sind aber häufiger mehr als vorher. Oder genauso hoch wie vorher, aber das zusätzliche Geld löst kein Problem – es gibt einfach keine (wirkliche) Notwendigkeit (oder Einsatzzweck) für diese zusätzlichen Summen. Es ist einfach nur da und es wird gearbeitet um des Geldes Willen. Echte Zufriedenheit stellt sich dadurch nicht ein. Diesen Kreislauf zu durchbrechen ist als Einzelkämpfer:in sehr schwer – deshalb in den Austausch mit Personen in derselben Situation oder einem neutralen Dritten gehen! Ansonsten führt der Weg schnell in die körperliche und geistige Erschöpfung.

Bevor der Schritt zur Selbstständigkeit gegangen wird, sollte sich jeder über das (wirkliche!) persönliche Warum im Klaren sein und die Alternativen abwägen. Denn es sind eben nicht nur die x Stunden zu Betrag y, um die es geht: Es kommen viele weitere Themen von Buchhaltung, Steuern, Recht, Selbstvermarktung, Vertrieb, … auf einen zu. Sind diese Themen erfüllend? Wie viel muss verdient werden, um sich Experten auf diesen Gebieten zu leisten? Oder macht man alles selbst und sitzt x Stunden jeden Monat an Themen, für die man nicht brennt und die auch kein Einkommen liefern?
Dazu stehen viele Selbstständige auf wirtschaftlich wackeligen Beinen. Wie abhängig ist man von einzelnen Aufträgen? Was ist, wenn diese(r) Kunde das Budget reduziert oder gar kündigt? Das kann für schlaflose Nächte sorgen.

Aber um nicht nur auf die Risiken zu schauen: Was nicht aus den Augen gelassen werden darf, ist die Fallhöhe. Die meisten werden schnell wieder eine Festanstellung finden können, wenn es mit der Selbstständigkeit nicht hinhaut. Deshalb ist das Risiko überschaubar – warum nicht einfach mal das Risiko in Kauf nehmen?

Wer Rücklagen gebildet hat, für den ist ein Start in die Selbstständigkeit auf jeden Fall (mental) deutlich einfacher, da weich gefallen wird und auch ein temporär geringeres Gehalt durch angesparte Beträge subventioniert werden kann, ohne dass es nur noch Brot und Butter gibt.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Ich bin mir sicher, dass für mich das Einzelkämpferdasein seine Halbwertszeit hat. Als Fachexperte für Online-Marketing / SEO werde ich allerdings eher nicht in einem Unternehmen aktiv sein, sondern eher eigene Ideen unternehmerisch auf den Weg bringen oder als „Intrapreneur“ an „fremden“ Ideen mitarbeiten. Irgendwann wird sich die Gesamtkonstellation für mich richtig anfühlen, um den Maschinenraum zu verlassen und auf der Brücke zu stehen. Noch ist es nicht so weit.

Fabian Jaeckert

Fabian Jaeckert ist Suchmaschinenoptimierer mit Leib und Seele. Seit 2007 entwickelt er SEO-Strategien. Sein Fokus liegt auf technischem SEO, Keyword-Strategien und Toolsets. Mit seinem Kollegen Benjamin O’Daniel berät und schult er Marketing-Teams in SEO und Content. Bekannt ist Fabian auch durch seinen Content Performance Podcast. Jede Woche bespricht er dort in einer halben Stunde fachliche Themen und interviewt bekannte SEO-Profis aus der Branche.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Ich habe nie viele Bücher und Theorien rund um Selbstführung und Unternehmertum gelesen. Stattdessen habe ich mir immer Personen aus meinem beruflichen Umfeld gesucht, die ich um Rat gefragt habe.
Das würde ich auch grundsätzlich jedem empfehlen, der sich selbstständig machen möchte oder als Unternehmerin oder Unternehmer vor einem Problem steht. Der persönliche Austausch ist viel individueller und tiefgehender als ein Buch.

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Geht es wirklich um Selbstdisziplin oder um Selbstverantwortung? Ich begeistere mich persönlich seit langem dafür, Strukturen und Prozesse für mein eigenes Arbeitsleben zu entwickeln. Das macht für mich den Reiz der Selbstständigkeit aus. Ich entscheide, wie ich meine Zeit für welche Aufgaben nutze und was ich machen möchte.

Beispiel: Ich möchte weder am Abend noch am Wochenende arbeiten. Das schränkt die verfügbare Zeit ein, in der ich Ergebnisse produzieren muss. Gleichzeitig steht außer Frage, dass ich Qualität abliefern will. Dadurch wird es schnell unangenehm, wenn ich zu oft den Fokus verliere in meiner produktivsten Phase am frühen Vormittag. Also lege ich meine Calls ganz bewusst auf die Zeit nach 11 Uhr.

Letztlich ist es auch eine Pflicht, sich selbst zu organisieren. Schließlich trägt man Verantwortung. Für sich selbst, für die eigene Familie und für die Kundenprojekte.

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

Ich halte gar nichts von diesem Spruch. Das hat für mich nichts mit professioneller Selbstständigkeit zu tun. Und nebenbei: Auch sehr viele Angestellte arbeiten selbst und ständig.
Also steht jeder berufstätige Mensch vor der Frage, ab wann Arbeit zu einer Belastung wird bzw. wann eine Überlastung eintritt. Mir persönlich liegt viel daran, früh zu merken, wenn es zu viel wird und dann gegenzusteuern.

Letztlich ist das auch eine zentrale Aufgabe in der Selbstständigkeit. Man ist verpflichtet, seine eigene Arbeitskraft zu erhalten.

Klassische Dinge wie Mittagspausen und Urlaub fallen bei vielen Selbstständigen unter den Tisch. Bei uns in der Firma nicht. Die Urlaube von Benjamin und mir stehen oft schon ein Jahr vorher fest. Das wiederum macht es auch einfacher, Abwesenheit rechtzeitig den Kunden gegenüber zu kommunizieren und einzuplanen.

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Von Vertrieb bis Geschäftsmodell: Jeder Selbstständige muss – wie jedes Unternehmen auch – seine eigenen Wege finden.

Unser Podcast ist unser zentrales Kommunikationsinstrument, in das wir viel Arbeitszeit investieren. Dafür verzichten wir auf klassische Vertriebswege, die einfach nicht zu uns passen, wie beispielsweise Kaltakquise.

Geht es wirklich immer um Skalierbarkeit bezogen auf den Umsatz? Man kann auch dahingehend optimieren, sein Geld mit Dingen zu verdienen, die man gerne macht. Ich entwickle leidenschaftlich gerne SEO-Strategien und helfe Inhouse-Marketing-Fachkräften, besser in SEO zu werden.

An unseren Workshops zu arbeiten, sich neue Themen zu erschließen – das ist eine fachliche Skalierung.

Zum Thema Stundensatz: Wir haben uns entschieden, unsere Leistungen für einen Festpreis anzubieten. Dafür haben wir Strukturen und Prozesse geschaffen, um für unsere Kunden zum Beispiel innerhalb von 4 Wochen eine komplette, individuelle SEO-Strategie mit Fahrplan zu erarbeiten.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Jeden Tag steigen neue KollegInnen ins Online-Marketing ein. Oder haben auf einmal das Thema SEO auf dem Tisch liegen. SEO ist für mich ein zentrales Element im Marketing-Mix, das noch viel zu unterrepräsentiert ist – vor allem bei klassisch aufgestellten Unternehmen. Das will ich ändern. Indem ich SEO-Themen immer wieder aufs Neue erkläre. Im Podcast, auf LinkedIn oder in unserer Beratung.

Gray-Hat-Methoden werden nach wie vor als erfolgsversprechend kommuniziert und angeboten. Das ist fatal – für die ganze Industrie. Mir ist es wichtig, SEO als sauberen, professionellen Marketing-Kanal mit Fokus auf den User zu etablieren.

Auf einer persönlichen Ebene möchte ich mir die Freiheit erhalten, genau das jeden Tag machen zu können.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Eine epische Frage.

Ehrlicherweise sollte man als Selbstständiger schon das Ziel haben, etwas mehr zu verdienen als wenn man Angestellter ist. Das ist auch nötig. Schließlich gibt es mehr Risiken. Und viele Kosten trägt man alleine, wie Krankenversicherung und Rente. Dazu kommt, dass man auch Rücklagen bilden sollte.

Die größte unternehmerische Gefahr als Selbstständiger ist, von einem Großkunden abhängig zu sein. Eine Sache, die übrigens auch auf viele Agenturen zutrifft. Denn dann ist man nicht wirklich frei.
Und man steht oft vor der Frage, ob man Aufträge annimmt, die nicht der Kernkompetenz entsprechen.
Beispiel: Ich habe auch viele Jahre Google Ads-Kampagnen aufgesetzt, in der Typo3 Webentwicklung gearbeitet und programmiert. Trotzdem bieten wir das nicht an – auch wenn es angefragt wird. Dafür gibt es andere Spezialisten.

Die größte Aufgabe besteht darin, seine eigene Rolle und Positionierung im Markt zu finden und daran kontinuierlich weiterzuarbeiten.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Seien wir ehrlich: Niemand weiß, wie sich der Markt und das eigene Leben entwickeln. Aber die Selbstständigkeit ist immer mein absoluter Favorit gewesen – und ist es bis heute.

Udo Raaf

Udo Raaf startete im Jahr 1999 den ersten Musikblog Tonspion.de, der bis heute über 200.000 Leser jeden Monat erreicht. Seit einigen Jahren ist er als SEO-Berater selbstständig und berät Verlage, Gewerkschaften, Behörden und KMU zum Thema organisches Wachstum mit Content. Er studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK Berlin mit Schwerpunkt Online-Kommunikation und veröffentlichte 2021 das Buch Der SEO Planer: Suchmaschinenoptimierung in Unternehmen richtig organisieren und umsetzen, erschienen im Gabler Verlag.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Ganz besonders lesenswert zum Thema Selbstführung finde ich Die Kunst des klaren Denkens von Rolf Dobelli, der 52 klassische Denkfehler wie „Social Proof“ oder „Outcome Bias“ erläutert: Fallen, in die man immer wieder stolpert, obwohl man es eigentlich besser wissen sollte. Dieses Buch sollte man sich mindestens einmal pro Jahr durchlesen und die eigenen Denkmuster selbstkritisch überprüfen.
Als Podcast empfehle ich Alles gesagt von der Zeit. Die beiden Gastgeber interviewen Experten aus allen möglichen Fachgebieten so lange, bis diese finden, dass „alles gesagt“ sei und das Interview beenden. Im Schnitt dauern die Gespräche zwischen 5 und 8 Stunden. So bekommt man tiefe Einblicke, die einem kein noch so dickes Buch vermitteln kann, zum Beispiel, was einen Wissenschaftsdirektor der NASA so umtreibt. Das würde man ohne diesen Podcast nie erfahren.

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Ganz einfach: die Zeit! Ich bin seit über 20 Jahren selbstständig, musste mir zu Beginn strikte Routinen aneignen, zum Beispiel feste Arbeitszeiten, mir selbst Ziele zu setzen und auf potenzielle Kunden zuzugehen. Während ich am Anfang jeden Tag teils bis in die Nacht gearbeitet habe, um mein Business aufzubauen, sind heute meine Abende und Wochenenden absolut tabu. Diese Routinen sind über die Jahre so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich mir heute darüber keine großen Gedanken mehr machen muss. Außerdem habe ich Kunden, die von mir Ergebnisse erwarten und meinen Support brauchen, man ist also letztlich nie zu 100% nur sein eigener Chef, ein Selbstständiger hat sogar viele Chefs mit denen er sich arrangieren muss.

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

Meine Work-Life-Balance muss stimmen, sonst kann ich nicht gut arbeiten. Dazu gehört auch, dass man den Luxus hat, nach dem Lustprinzip zu arbeiten und sich eine Arbeitssituation schafft, die einem Freude macht und nicht nur Stress. Nach vielen Aufs und Abs im Laufe meiner Selbstständigkeit habe ich folgende Punkte verinnerlicht:

  1. Arbeite nie mit toxischen Persönlichkeiten.
  2. Mache nur, was dir wirklich Spaß macht.
  3. Lasse dir von niemandem vorschreiben, wie du zu arbeiten hast.

Wenn diese Punkte erfüllt sind, sind auch anstrengende, komplexe Phasen gut machbar, ohne ein Burnout zu riskieren.

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Ich empfinde es als großen Luxus ohne großen Ballast arbeiten zu können, keine Mieten, Angestellten oder sonstige Overheadkosten bezahlen zu müssen. Ich bewundere Leute, die diese Verantwortung tragen können und große Unternehmen oder Agenturen aufbauen. Persönlich reise ich lieber mit leichtem Gepäck und ich sorge immer dafür, dass ich ein paar Eisen mehr im Feuer habe, als unbedingt notwendig, um mein Business stabil zu halten und nicht unter zeitlichen oder finanziellen Druck zu geraten. Deshalb arbeite ich auch nur auf langfristiger Basis mit meinen Kunden zusammen. Außerdem betreibe ich nebenher mehrere Websites, die auch unabhängig von meiner Zeit ein bisschen was abwerfen. Dieser spezielle Mix macht meine Arbeit letztlich auch erst richtig interessant. Das größte Risiko der Selbstständigkeit ist, alles auf ein Pferd zu setzen und sich von einzelnen Personen oder Unternehmen abhängig zu machen. Das musste ich auf schmerzhafte Weise selbst erfahren und konnte mich zum Glück wieder daraus befreien.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Für einen Gründer habe ich wohl leider zu wenig Ehrgeiz. Ich möchte mich mit Inhalten und Websites beschäftigen und nicht mit Buchhaltung und Businessplänen. Meine Ziele sind ganz einfach: ich möchte ein gutes Leben führen können, ohne mir Sorgen über Geld machen zu müssen. Das ist auch langfristig mein Ziel. Viel wichtiger als Geld ist mir, meine Zeit sinnvoll zu investieren und spannende Projekte zu begleiten und langfristig zum Erfolg zu verhelfen mit meinem über die Jahre erworbenen Knowhow. Qualität vor Quantität.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Ich habe mich viel zu lange an anderen orientiert und fand die – aufgrund ihrer selbstbewussten, extrovertierten Außendarstellung – immer wahnsinnig erfolgreich. Bis ich erkannt habe, dass Erfolg für mich persönlich gar nicht von Geld oder Ruhm abhängt oder mich selbst in Medien oder auf allen Panels zu sehen. Das hat meine Perspektive komplett verändert. Wäre mir Geld oder der Name des Unternehmens, für das ich arbeite, wichtiger, wäre mein Weg vermutlich ganz anders verlaufen und ich hätte viele Umwege nicht gemacht, die ich heute als bereichernd und wichtig empfinde und durch die ich vieles gelernt habe. Ich versuche immer zu schauen, ob ich mit meiner beruflichen Situation zufrieden bin oder was ich ändern kann. Und dann ändere ich das. Dinge zu optimieren, scheint bei mir schon in der DNA zu liegen. Wer nicht bereit ist, sich immer wieder an die äußeren Bedingungen anzupassen, wird es in der Selbstständigkeit (und in der SEO) schwer haben.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Ich habe als Experiment versucht, in Teilzeit für einen Publisher zu arbeiten, um zu schauen, ob das für mich funktioniert. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich dann am besten bin, wenn ich ohne „Druck von oben“ und selbstbestimmt arbeiten und selbst etwas aufbauen kann. Davon profitieren letztlich auch meine Kunden. Wenn Unternehmen lernen würden, ihre Mitarbeiter vertrauensvoll, ohne Druck und ohne Vorschriften ihren Job machen zu lassen, genauso als wären sie selbstständig, würde ich auch eine Anstellung in Erwägung ziehen. Wenn es ein spannender Arbeitgeber ist, warum nicht?

Mario Schwertfeger

Mario Schwertfeger ist seit 2017 als Freelancer im Bereich SEO tätig. Sein Schwerpunkt liegt vor allem auf technischen SEO Themen, so wie Analysen und Konzepte gerade für größere Seiten.

Vor seiner Tätigkeit als Freelancer war Mario inhouse im Online Marketing einer Bank und anschließend mehrere Jahre auf Agenturseite tätig. Hier sammelte er Erfahrungen von Start-Ups bis hin zu Konzernen und einigen der größten Online-Shops Deutschlands. Ebenso konnte er SEO Erfahrung in zahlreichen Branchen sammeln, von Tierfutter bis hin zu Sportwetten.

Neben seiner Freelancer-Tätigkeit ist er auch als Dozent zum Thema SEO tätig.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Eines der spannendsten und vermutlich auch bekanntesten Büchern im Bereich Unternehmertum, welches mir mein Kollege Christoph Baur empfohlen hatte, ist Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer von Stefan Merath. Hier wurde mir erstmals auch bewusst, dass es eigentlich schon einen gravierenden Unterschied zwischen einem Selbständigen und einem Unternehmer gibt. Wer das Buch gelesen hat, weiß daher natürlich auch, dass Freelancer:innen daher eher weniger „klassische“ Unternehmer:innen sind.

Ein Buch, das ich an dieser Stelle auf jeden Fall auch noch empfehlenswert finde ist Das TIMEHORIZON Prinzip von Dr. Julian Hosp. Sicherlich sowohl für Freelancer:innen als auch Unternehmer:innen geeignet. In diesem Buch beschreibt Julian Hosp Vorgehensweisen im Bereich Zeitmanagement und Produtktivitätsteigerung, welche er im Laufe seiner Karriere bisher erlernt hat.

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Besonders wichtig, wenn auch banal ist meines Erachtens vor allem die Planung auf Monats-, Wochen- und Tagesbasis. Ohne Planung kommt man hier sonst immer wieder in Versuchung, dass man sich zu viel Arbeit aufhalst. Insbesondere eine routinemäßige Tagesplanung am Morgen hilft auch dabei, geordnet zu einer festen Uhrzeit in den Tag zu starten. Ebenso musste ich lernen, dass man jeden Tag genug Puffer einbaut und nicht übermotiviert den Tag bis zum Anschlag „ausbucht“.

Dieses Jahr habe ich zudem damit begonnen, auch fix regelmäßige eigene Weiterbildungen einzuplanen. Im Vergleich zu den letzten Jahren sind das dann aber keine Webinare, die ich mir dann anschaue, wenn es die Zeit zulässt, sondern Kurse bei externen Anbietern, die zu einem festen Termin stattfinden.

Was aktuell leider nur sporadisch klappt, sind feste Slots für das Thema Sport. Ein Thema, das ich leider im Notfall immer noch als erstes verschiebe und auch die letzten Jahre daher irgendwie stark vernachlässigt habe.

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

Wie gerade noch angesprochen leider zu wenig. Gerade in den ersten Jahren der Selbständigkeit habe ich mir für Themen wie Freizeit und Sport leider nur sehr wenig Zeit genommen. Und wenn ich Freizeit-Aktivitäten nachgegangen bin, war das meist weil Freunde Druck gemacht haben. Wobei, zumindest habe ich mir bis zu Corona regelmäßig 1-2 Wochen Urlaub am Stück im Ausland gegönnt.

Gerade die letzten Monate achte ich aber gefühlt schon mehr darauf, auch Freizeitaktivitäten nachzugehen. Was ich allerdings zeitnah wieder schaffen will, ist auch das Thema Sport wieder zu einer Konstante werden zu lassen.

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Generell ist das natürlich ein Problem, vor allem wenn man mal bspw. krankheitsbedingt 1-2 Wochen ausfällt.

Als reine:r SEO Freelancer:in wird man das Problem der mangelnden Skalierbarkeit m.E. aber auch nie wirklich lösen können, es sei denn man schafft es seine Dienstleistung in ein Produkt umzuwandeln, welches man dann statt einer Dienstleistung verkauft. Das ist für mich allerdings keine Option, da es mir aktuell noch viel zu viel Spaß macht direkt an Kundenprojekten zu arbeiten.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Natürlich setzt man sich auch als Freelancer Ziele, wobei dies in erster Umsatzziele und Wunschkunden sind. Eine so starre Unternehmensvision wie bei einem tatsächlichen Unternehmen habe ich als Freelancer hingegen nicht. Langfristig ist meine Überlegung aber schon die Selbständigkeit vielleicht gegen Unternehmertum zu tauschen und meine Erfahrung in einem eigenen Projekt einzubringen.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Eine Herausforderung ist natürlich, dass man es neben der Kundenarbeit auch noch schafft, neue Aufträge zu generieren. Und vor allem auch die Balance zwischen zu viele Aufträge und zu wenigen Aufträgen zu finden. Hier hilft vor allem auch wie Eingangs erwähnt eine Planung über die nächsten Wochen und Monate hinweg.

Mein Weg war hier glücklicherweise so, dass ich eigentlich nie wirklich Akquise machen musste, sondern Kund:innen meist aus meinem Netzwerk mit tollen Ex-Kolleg:innen und über Weiterempfehlung kam. Zudem habe ich auch Kunden, die mich quasi seit Beginn meiner Selbständigkeit begleiten. Das bringt natürlich auch etwas Ruhe und Kontinuität rein.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Man soll niemals nie sagen. Aktuell kann ich mir das aber absolut nicht vorstellen.

Astrid Kramer

Astrid Kramer ist seit 13 Jahren im Bereich SEO und UX tätig, seit 11 Jahren selbstständig. Ihr Fokus liegt auf Corporate SEO, also in der Beratung großer und reichweitenstarker Unternehmen. Vor der Selbstständigkeit war sie bei einer Agentur in Hamburg in der Online Marketing Beratung tätig und bei GelbeSeiten im Saarland als Head of Performance Marketing. Ihr akademischer Grundstein ist ein Master in Informationswissenschaft, Rechtsinformatik und Sozialpsychologie und ein Aufbaustudiengang zur Unternehmensführung.

Die 7 Antworten von Astrid Kramer lesen

1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Ein Auslöser für meine Selbstständigkeit war sicherlich The 4-Hour Workweek von Tim Ferriss. Ich hatte immer das Problem, dass ich sehr schnell und effektiv arbeite. Das klingt im ersten Moment nicht nach einem Problem, führte aber z.B. im Agenturbusiness nur dazu, dass ich von meinen Vorgesetzten mehr und mehr Aufgaben und Kunden bekam und kurz vorm Burnout stand, sich diese Mehrarbeit aber finanziell nicht ausgezahlt hat. Ich dachte mir: Da muss ein Ausbrechen möglich sein. Weniger Arbeiten, mehr verdienen. Als ich das meinem Ex-Chef bei der Kündigung so gesagt habe, hat er gelacht. Es hat direkt vom ersten Monat an geklappt: weniger arbeiten, mehr verdienen.

Im Hinblick auf meine finanzielle Absicherung hat mir Rich Dad Poor Dad sehr geholfen. Sicher, das Buch ist nicht 1:1 auf die heutige Situation übertragbar. Aber es liefert extrem gute Hinweise im Hinblick auf ein Mindset, das man zum Vermögensaufbau braucht. Mein liebster Tipp aus dem Buch: bezahle Dich selbst zuerst, bevor Du Steuern, Rechnungen etc. bezahlst. Das bedeutet: lege zu Beginn des Monats einen festen Betrag für Investitionen (z.B. Aktien) zurück und gehe erst dann an Deine Verbindlichkeiten. Warum? Weil Schuldner:innen sich bemerkbar machen, wenn man sie vergisst. Aber man selbst schreit nicht laut genug, wenn es um den Aufbau einer Absicherung geht. Daher vergisst man sich selbst zu leicht, wenn es um Finanzen geht. Und das ist gefährlich auf lange Sicht.

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Ich hatte, ehrlich gesagt, nie Probleme mit Selbstdisziplin. Wenn ich arbeite, arbeite ich. Ich brauche niemanden, der mir sagt, wann ich was zu tun habe. Ich sehe Aufgaben, die erledigt werden müssen, also werden sie erledigt. Strukturen wie ein externes Büro oder feste Arbeitspläne sind nicht notwendig. Mein einziges Tool ist mein Google Kalender. Dort hinterlege ich mir Arbeitsblöcke für feste Kunden, also zum Beispiel einen täglichen 2 Stunden Block für Kundenprojekt XY, den ich dann grün einfärbe, wenn ich ihn abgearbeitet habe. Damit habe ich den Überblick, was ich erledigt habe und gebe mir selbst auch die Befriedigung, etwas „abzuhaken“.

Wenn ich in Gründung bin (z.B. als ich mein Online-Newsmagazin andalusien-aktuell.es gegründet habe), dann nutze ich Asana, um Task zu sammeln. Für meine neue Gründung im Oktober habe ich Listen unter Google Notizen auf meinem Smartphone angelegt, die ich ständig erweitere, wenn ich z.B. am Strand spazieren gehe oder im Urlaub am Pool liege. Was im Kopf ist, muss sofort notiert werden. :)

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

Wie bereits erwähnt: ich bin mir selbst ein guter Chef. Ich könnte ein klassisches nine to five gar nicht mehr leisten, auch rein körperlich, und das ist okay so. Ich habe Routinen etabliert, die mir selbst helfen, gesund und glücklich zu bleiben. So gehe ich jeden Morgen eine Stunde am Strand spazieren. Das freut den Hund – und mich :) Wenn der Kopf dann trotzdem rattert, macht das gar nichts. Ich finde Gründen und Aufbauen und Arbeiten spannend und würde mich langweilen, wenn ich nichts zu tun hätte. Daher denke ich auch gerne über alles nach – aber eben lieber mit dem Blick auf Wellen anstatt dem Blick auf Wände.

Im Homeoffice arbeite ich stehend, das kann ich nur jedem empfehlen, der wie ich mit Nackenproblemen und Migräne zu kämpfen hat.

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Ich verkaufe sehr gerne Pakete, also eine Analyse XY für den Preis XY. Das gibt dem Kunden Planungssicherheit und ich schieße mir selbst nicht ins Knie, weil ich zu schnell arbeite  Natürlich klappt das nicht immer und auch ich stecke in der Stundenabrechnungsfalle bei einigen meiner Kunden. Daher schaue ich nach jedem Arbeitspaket, ob die abgerechneten Stunden dem Output gerecht werden oder ob ich beim Stundenpreis nachjustieren muss. Ich versuche, nicht über den Preis im Geschäft zu bleiben, sondern einen Output zu liefern, bei dem die Kunden sehen, dass er es wert ist. Damit fahre ich bisher sehr gut.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Nein, für meine Beratung gilt das nicht. Ich habe einen Status Quo, den ich super finde und erhalten möchte. Ich habe einen hohen Anspruch an mich selbst, dem ich gerecht werden will. Das ist aber keine Unternehmensvision. Für meine Gründung im Oktober habe ich allerdings eine klare Vision, die auch weit über den Bootstrapping Horizont hinausgeht. :) Das treibt mich an, betoniert mich aber nicht fest. Wenn sich der Weg verändert, verändert er sich. Auch das ist fine, wenn man den Spaß und den Elan dabei nicht verliert.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Die größte Gefahr für Freelancer:innen sehe ich persönlich darin, dass man sich zu günstig verkauft und nicht nachhaltig wirtschaftet. Wichtig ist: Man muss zu Beginn der Selbstständigkeit einen realistischen Stundensatz festlegen, der sich am Branchen-Benchmark orientiert, aber eben auch einer harten Kalkulation standhält. Verdiene ich genug, um einen 3-monatigen Gehaltsausfall problemlos auffangen zu können? Habe ich ausreichend Rücklagen, um nicht von Steuernach- und -vorauszahlungen überrascht zu werden und bedenke ich, dass ich selbst Rücklagen für die Rente aufbauen muss?

Wenn man dies nicht hat, läuft man Gefahr, in der Selbstständigkeit dauernd getrieben zu sein und im Endeffekt mehr Stress zu haben als in einer Festanstellung. Auch ist Angst kein guter Ratgeber in der Selbstständigkeit. Wenn ich einen festen Kunden akzeptiere, der mir zusagt, ein großes Zeitkontingent pro Monat abzunehmen, aber nicht bereit ist, ausreichend für diese Zeit zu zahlen, dann ruiniere ich mich auf Dauer selbst, auch wenn diese vermeintliche Sicherheit im ersten Moment verführerisch scheint.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Sag niemals nie. :) Aber das Angebot müsste schon überwältigend sein und meine Vorgesetzten müssten verstehen, dass sie nicht meine Lebenszeit kaufen, sondern Ergebnisse. Das verlangt viel von Führungspersonen, da es leichter ist, Zeiten quantitativ zu überprüfen als Output qualitativ zu bewerten. Aber wenn ich gezwungen bin, Stunden meines Lebens in Meetings zu verbringen, die nicht effektiv sind, verliere ich ganz schnell die Lust, dieses Spiel weiter zu spielen. Ich arbeite gerne, hart und effektiv – aber Zeitverschwendung geht halt gar nicht. Dafür ist das Leben dann doch zu kurz. :)

Michael Tietz

Michael Tietz beschäftigt sich seit 2008 mit professionellem Suchmaschinenmarketing. In dieser Zeit hat er sich besonders intensiv mit dem Thema technische und inhaltliche Suchmaschinenoptimierung (SEO) beschäftigt. Er hat seither als Festangestellter SEO sowohl auf Agenturseite als auch für Startups und Großkonzerne gearbeitet.

Seit 2018 entwickelt Michael als SEO-Freelancer erfolgreich Wachstumsstrategien für mittelständische Unternehmen, Konzerne und unterstützt zudem zahlreiche bekannte Digitalagenturen.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Ein kurzer Blick hinüber zu meinem Bücherschrank zeigt mir, dass ich tatsächlich ganze 3 Bücher zum Thema Selbstführung und Unternehmertum mein Eigen nennen kann. Diese folgen nun absteigend sortiert nach eigener 5-Sternebwertung:

The 100$ Startup von Chris Guillebeau (4/5)
Dieses Buch gab mir in der Tat einen zusätzlichen Anstoß nicht länger zu warten, sondern einfach loszulegen und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Genau dies macht Chris auf unterhaltsamer Weise in diesem Buch auch klar. Daher eine klare Empfehlung an jede:n angehenden Solopreneur. Das Buch war übrigens ein Geschenk, welches ich kurz vor dem Start meiner Selbständigkeit bekam. Daher an dieser Stelle: Vielen Dank Laurens!

Die 4-Stunden-Woche von Timothy Ferriss (3/5)
Dieses Buch ist sicherlich vielen bekannt und hat seine Daseinsberechtigung. Es zählt nicht umsonst zu einem der meist zitiertesten Bücher zum Thema „Mobile Lifestyle“. Ich persönlich fand es auf Reisen sehr unterhaltsam zu lesen und es hat mich persönlich animiert, einige meiner täglichen Prozesse zu überdenken und zu optimieren. Zu häufig rät Timothy jedoch Aufgaben komplett zu delegieren oder outzusourcen, daher nicht unbedingt zu empfehlen für jemanden, der versucht alles aus einer Hand anzubieten.

Selfmade von Carsten Maschmeyer (k.a. / 5)
Dieses signierte Exemplar erhielt ich vor Jahren als Geschenk auf der OMCap. Habe es allerdings nie gelesen, sorry Carsten.

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Ich organisiere meine täglichen Tasks über eine einfache Textdatei. Das mag den ein oder anderen Digital-Native verwundern. Wohl zu Recht, aber ich finde diese Art des Task-Managements einfach, performant, und effizient. Generell bin ich in solcher Hinsicht eher ein Minimalist. Jeden Sonntag plane ich die wöchentlichen Aufgaben nach Aufwand, Priorität und Deadline. Dabei plane ich ebenfalls stets Zeit ein, um zeitlich für private als auch geschäftliche Aktivitäten flexibel zu bleiben.

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

Körper und Geist wurden besonders in der Anfangsphase stark strapaziert. Man hat Ängste und Sorgen darüber nun monatlich selbst für das Einkommen verantwortlich zu sein. Krisen privater oder gesellschaftlicher Natur, aber auch schöne Dinge, wie Urlaube und Freizeit haben häufig direkten Einfluss auf das eigene Einkommen und bestärken dadurch die eigenen Zweifel. Soziale Kontakte leiden, der eigene Körper wird durch permanentes Sitzen und den häufig langen Arbeitszeiten träge. Was mir persönlich geholfen hat ist die eigene vorteilhafte Situation zu erkennen, welche mit dem Freelancer-Leben einhergeht, und zwar das zeitlich und örtlich flexible Arbeiten. Egal ob Co-Working-Space in der eigenen Stadt, oder ein mehrtägiger Trip außerhalb der Komfortzone. Der schnelle Wechsel der eigenen Arbeitsumgebung und die neuen Bekanntschaften für das eigene Netzwerk beleben nicht nur den Geist, sondern auch das Geschäft.

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Es kommt hierbei darauf an, wie effizient die eigene Zeit verkauft wird und natürlich zu welchem Preis. Zu Beginn der Selbständigkeit mussten Aufträge her. Da wurden hin und wieder Kunden aus dem engeren Bekannten und Freundeskreis angenommen (natürlich zu günstigen Freundschaftspreisen), oder es kamen Auftraggeber, welche sich bereits nach dem ersten Gespräch als „schwierig“ erwiesen hatten, man jedoch auf diesen Auftrag angewiesen war. Hier stand die hohe aufgebrachte Zeit in keinem gesunden Verhältnis zum finanziellen Output. Letztendlich muss einem sowohl die Wichtigkeit der eigenen Leistung als auch der Wert den dieser für den Auftraggeber darstellt bewusst sein. Nach nun mehr als 4 Jahren als Freelancer kann ich den Wert meiner Leistung bestens einschätzen und entsprechend für beide Seiten gewinnbringend aushandeln. Geholfen haben mir hierbei am Anfang Gespräche und Benchmarks mit anderen Freelancer:innen und meine eigene monatliche und jährliche Umsatz- und Produktivitätsprognose, welche ich täglich je nach Auftragslage und geleisteten Stunden anpasse, um meine monatlichen Umsatzziele genauestens im Blick zu behalten.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Neben meinen jährlich steigenden Umsatzzielen und dem Ausbau meines Kundenstammes habe ich es mir weiterhin zum Ziel gesetzt, meiner neugeborenen Tochter trotz der steigenden Anforderungen an mich selbst, soviel Zeit wie möglich zu schenken. Dies erfordert natürlich ein effizientes Taskmanagement samt durchdachten Tagesrhythmus, welcher TXT sei Dank bisher wunderbar funktioniert.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Erfahrung ist das Wichtigste! Daher ist es essenziell, dass noch während einer Festanstellung zumindest nebenbei bereits Erfahrung gesammelt wird. Dies ist wichtig, um auszuloten wie die Auftragslage ist und wie zeitlich mit dem Auftragsvolumen persönlich umgegangen werden kann. Dadurch lässt sich zudem das generelle Risiko geringhalten. Risiken lassen sich natürlich nie vermeiden, daher sind die folgenden Gefahren und Herausforderungen immer gegenwärtig:

Schlechte Auftraggeber / Kunden
Jede:r Freelancer:in kennt sie – die Auftraggeber:innen, an die man sich ungern zurück erinnert. Nun ist man als Auftragnehmer:in in der guten Lage auch Kund:innen ablehnen zu können, jedoch zeigt sich manchmal der wahre Charakter erst nach den ersten Kennenlerngesprächen. Eine gewisse Menschenkenntnis und Erfahrung sind hierbei notwendig, um entsprechend sondieren zu können. Kostenlose Beratungsgespräche im Vorfeld sind daher Pflicht, um auf menschlicher und geschäftlicher Ebene die Erwartungshaltungen und Ziele auf Augenhöhe besprechen zu können.

Steuern / Buchführung
Eine ausführliche Steuerberatung zu Beginn und während der Selbständigkeit sind enorm wichtig, da häufig die große Steuerlast vernachlässigt wird, welche Einzelunternehmer:innen in Deutschland zu tragen haben. Besonders wenn Nachzahlungen drohen, kann die Steuerlast schnell zum finanziellen Fiasko werden. Daher sollten Steuererklärungen bestenfalls nicht zu lange hinausgezögert werden, auch wenn die Frist mit einem bzw. einer Steuerberater:in stark verlängert werden kann. Eine gute Rechnungssoftware sorgt außerdem für eine strukturierte und nachvollziehbare Buchhaltung, welche dem bzw. der eigenen Steuerberater:in zugutekommt. Das Steuerthema habe ich in der Anfangszeit eher stiefmütterlich behandelt mit eigenen Excel-Tabellen und ohne steuerliche Beratung – ein Anfängerfehler. Seitdem aus einem Kleingewerbe nach gut einem Jahr etwas Größeres wurde habe ich eingesehen, dass ein:e Steuerberater:in trotz der entstehenden jährlichen Kosten eine gute Investition ist.

Finanzielle Rücklagen
Ohne finanzielle Rücklagen sollte der Schritt in die Selbständigkeit nicht vollzogen werden. Wie bereits angesprochen ist es sinnvoll, hier in Form einer Nebentätigkeit den Fuß bereits in die Stromschnellen des Einzelunternehmertums zu stecken. Durch die Anmeldung eines Kleingewerbes ist man sogar bis zu einem gewissen Jahresumsatz von der Umsatzsteuer befreit. Als Rücklage sollten mindestens 3 volle Monatsgehälter herhalten. Ziel sollte es meiner Meinung nach sein im ersten halben Jahr ein langfristiges monatliches Nettoeinkommen von mindestens 4.000 € zu generieren, damit Einnahmen, Ausgaben und der generelle Aufwand in einem gesunden Verhältnis stehen.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Nein, da ich mir in den letzten Jahren meiner Selbständigkeit einen soliden und ständig wachsenden Kundenstamm erarbeitet habe, welcher es mir trotzdem ermöglicht, zeitlich flexibel zu bleiben, um für meine Familie und Freund:innen da zu sein. Ich bin außerdem mittlerweile in der glücklichen Situation mir meine Auftraggeber aussuchen zu dürfen, wofür ich sehr dankbar bin. Die mir durch Auftraggeber entgegengebrachte Dankbarkeit und Anerkennung meiner Arbeit und Leistung motiviert mich stets aufs Neue und ist etwas, das häufig leider in einem Angestelltenverhältnis zu kurz kommt oder meist als selbstverständlich angesehen wird.

Andor Palau

Andor Palau ist ein international tätiger SEO-Consultant mit mehr als 12 Jahren Erfahrung im Bereich Organic Search. Er war mehrere Jahre Inhouse SEO bei TopTarif und sechs Jahre lang der Head of SEO bei der Peak Ace AG. Seit August 2020 ist er als selbstständiger Berater aktiv. Mit seiner langjährigen Erfahrung im Online-Marketing liegt seine Kernkompetenz im strategischen und technischen SEO sowie der Teamweiterentwicklung für E-Commerce-Plattformen, Publisher und Marktplätze gleichermaßen. Andor hilft Unternehmen, die den Wert der Organischen Suche kennen, aber vielleicht aus strategischen oder infrastrukturellen Gründen ein Problem damit haben, ihr Potential auszuschöpfen und bringt diese wieder zurück in die Wachstumsspur. Andor ist Majestic-Ambassador für Deutschland und seit 2020 Oncrawl Ambassador. Er hat auf Semrush seinen eigenen Podcast „Serios SEO“ und ist seit 2022 auch als Juror tätig, u.a. bei den European Search Awards, US Search Awards oder dem European eCommerce Search Awards.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Im Laufe der Jahre kommt da offen gesagt einiges zusammen, da ich im Schnitt 30-50 Bücher im Jahr lese und/oder höre. Wenn ich aus einem Buch nur einen Gedanken mitnehmen kann, dann hat sich das gelohnt. Natürlich stehen bestimmte Bücher auch für bestimmte Punkte, an denen man sich selbst befindet. Wenn ich jetzt mal klassisch drei auswählen müsste, wären das wohl…

Hinsichtlich Unternehmerpersönlichkeiten höre ich auch gerne hin, was die Köpfe von großen Familien-Unternehmen erzählen, ob nun Wolfgang Grupp, Reinhold Würth oder andere. Ebenso sind Bücher über Unternehmerpersönlichkeiten sicherlich auch immer spannend, ob nun über/von Howard Schultz, Philip Knight oder Sam Walton. Man sollte sich aber immer bewusst sein, in welchem Stadium man sich selbst befindet. Manche Tipps, die gerne gegeben sind, sind für einen selbst vielleicht erst in drei Jahren relevant. Man muss also lernen, Tipps und Ideen für seine jetzige Situation als relevant zu identifizieren, um den nächsten Schritt erfolgreich zu gehen.

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Mir fällt das offen gesagt nicht schwer mich selbst zu disziplinieren, weil ich klare Ziele habe und wer klare Ziele hat, kennt auch seine nächsten Schritte. Wer seine nächsten Schritte kennt, der weiß, was er machen muss und was er nicht machen sollte. Ich habe eine Entscheidung getroffen und für mich auch Standards definiert – der Rest ist die Umsetzung. Wenn ich beispielsweise das Ziel habe, 5 Kilo abzunehmen, weiß ich, dass ich nicht dreimal die Woche zu MacDonald essen gehen sollte. Wenn ich weiß, dass ich meine Ziel nur erreiche, in dem ich selbstdiszipliniert bin und zu bestimmten Dingen auch nein sagen muss, dann zahlt das ja alles auf meine Ziele ein. Und dann wird es auch schnell zur Gewohnheit und ist keine Frage der Disziplin mehr. Der Mensch braucht ca. 60 Tage, um eine neue Gewohnheit einzuschleifen, ob nun früh aufstehen oder andere tägliche Routinen. Danach ist es zumindest einfacher. Aber natürlich ist Disziplin eine enorm wichtige Eigenschaft. Ohne Selbstverpflichtung startest du nicht und ohne Disziplin kommst du nicht ans Ziel. Daher ist beides für einen erfolgreiche Selbstständigen unerlässlich. Und so organisiere ich mich auch: Mit klaren Zielen/Todos für den anstehenden Monat, die anstehende Woche, den anstehende Tag. Alles schriftlich festgehalten. Immer mit etwas Puffer für kurzfristige Änderungen, aber der Rahmen ist klar. Das schafft dann auch Freiräume.

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

Auch das ist durch das oben gesagte im Grunde schon ein Stück weit beantwortet. Ich glaube erstens sehr fest daran, dass die meisten kein Zeitproblem, sondern ein Priorisierungsproblem haben. Wir leben in einer Ablenkungsgesellschaft. Vielen fällt es schon schwer mal 10 Minuten nicht aufs Handy zu schauen. Wer keine Zeit für Sport findet, aber dreimal die Woche Netflix schauen kann, hat kein Zeitproblem. Hast du mal auf deine Bildschirmzeit auf deinem Handy geschaut? Manche verbringen 2-3 Stunden oder mehr am Tag nur mir „rumdaddeln“. Ich für meinen Teil plane meine Zeit bis zu einem gewissen Grad eben voraus. Ich weiß dann was ich wann mache, denke nicht ständig, „eigentlich müsstest du“, weil ich weiß, dass ich dafür Zeit eingeplant habe, sofern es mir wichtig genug ist. Wenn ich beispielsweise möchte, dass ich möglichst zu einer bestimmten Zeit gut arbeiten kann und/oder gesund bleibe, dann haben ich eine Wahl für etwas und gegen etwas anderes getroffen. Das wirkt sich dann eben auf Fragestellungen aus wie „Wann gehe ich ins Bett“, „Wann schalte ich den Rechner aus“ oder „Wann nehme ich mir Zeit zum Sport oder Spazierengehen“. Dazu habe ich als Familienvater auch den Wunsch, in Kreise der Familie genügend Zeit für Gemeinsamkeiten zu haben.

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Nun, die eine Möglichkeit wäre keine Zeit zu verkaufen – dann hast du dein Einkommen davon schon mal entkoppelt und orientierst dich daran, deine Leistung effizient und qualitativ gut zu erbringen. Ein Geschäft, das über Zeit wirkt, ist selten skalierbar bzw. kann eben nur mit der entsprechenden Ressource wachsen – sprich Mitarbeiter. Die andere Möglichkeit ist ein Preis zu verlangen, der am Ende dazu führ, dass du nicht in diese Spirale kommst und trotzdem davon leben kannst. Wenn du als Solopreneur ausverkauft bist, musst du dir vielleicht auch mal Gedanken über eine Preiserhöhung machen.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Ja, das gilt meines Erachtens auch für Selbstständige. Eine Vision oder zumindest mal Ziele sind für mich unerlässlich. Und oft ist es so: Entweder du entscheidest dich beispielsweise für eine Lifestyle-Selbständigkeit, in der du einfach dein Lebensstil finanzieren möchtest, oder du wechselst vermutlich irgendwann ins Unternehmertum mit Angestellten und allem, was dazu gehört. In unserer Zeit kann sowas aber auch völlig remote stattfinden – was man nicht erst seit Tim Ferriss Buch weiß. Es gibt für mich dabei kein Richtig und kein Falsch – das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber natürlich arbeitet der/die Selbstständige unter bestimmten Bedingungen, die ihn auch limitieren. Ob das einen stört, muss jeder für sich selbst entscheiden – genauso was für ihn/sie Erfolg bedeutet. Mein Ziel ist es Unternehmen, die im Bereich Organic Search großes Umsatzpotential haben, aber Probleme haben und nicht Wachsen, wieder auf den richtigen Weg zu bringen und auf ein neues Level zu führen.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Geld allein sollte nie das Motiv sein. Du kannst als Selbstständige:r mehr Geld verdienen, du kannst aber auch als Angestellte:r (sehr) viel Geld verdienen. Die Frage ist nur: Wie viel möchtest du oder brauchst du und bist du wirklich bereit für dieses „mehr“ auch den entsprechende Preis zu zahlen, was uns wieder zu den obigen Themen führt. Ob dieser „Preis“ eben in Form von mehr Arbeiten zu zahlen ist, in Form von Disziplin ist, in Form von notwendige Skills zu lernen etc. hängt von vielen Faktoren ab. Auch hier beginnt es aber mit einer Entscheidung.

Das Problem ist nur, dass viele schlichtweg nicht wissen, was da auf sie zukommt, wenn sie sich damit nicht schon etwas beschäftigt haben und daher vielleicht auch falsche Erwartungen haben. Und vor allem sollte man sich bewusst sein, dass man als Selbstständige:r oder Unternehmer:in eine Verantwortung hat, die über die eigene hinausgeht.

Wenn du lieber ab 16 Uhr mit deinen Freund:innen irgendwo rumhängst und Bier trinkst, kann das als Selbstständige:r schwer sein – zumindest, wenn du eine Dienstleistung erbringst. Als Selbstständige:r trägst du eben auch das Risiko und nicht jeder kommt damit klar.

Nicht jeder ist der Typ Selbstständige:r oder Unternehmer:in und das ist auch völlig ok. Es ist also auch eine Mindset-Frage. Mal ausgehend davon, dass es für das was du machen möchtest einen Markt gibt und dass du die Expertise hast, dieses auch anzubieten, sind es oftmals deine Gedanken, Entscheidungen und schlussendlich die Handlungen, die dafür sorgen, ob du erfolgreich wirst oder nicht. Wenn du als Selbstständige:r beispielsweise nicht verkaufen kannst, musst du das lernen. Wer glaubt, selbstständig sein zu können ohne verkaufen lernen zu müssen sollte lieber Angestellte:r bleiben.

Und die Faktoren als Selbständige:r erfolgreich zu sein, sind nicht zwingend andere als die bei einem/einer Angestellten: Übernahme der vollständigen Verantwortung für Fehler und Misserfolge, schnelle Entscheidungen treffen, konsequent und fokussiert Ziele verfolgen, aus Fehlern schnell lernen und diese durch Prozesse und Regeln abzustellen.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Du kannst auch in einer eigenen Firma angestellt sein ;-) Aber um die Frage so zu beantworten, wie du sie wohl gemeint hast: Aktuell nein, und das vor allem, weil ich meine aktuellen Ziele noch nicht erreicht habe. Und da sich meine Zielliste ja auch immer erweitert, kann ich dazu keine abschließende Meinung haben. Aber noch einmal: Es gibt kein richtig oder falsch hier. Es ist völlig ok, Angestellte:r zu sein, wenn man damit glücklich ist.

Max Schubert

Max Schubert ist ein ehemaliger Kommilitone von mir und hat sich ein bisschen reingeschlichen – weil sein Startup (SparenStattTilgen.de) noch so frisch ist, dass er die letzten 18 Monate eigentlich mehr Freelance-Gründer als CEO war. Er glaubt, dass SparenStattTilgen die Zukunft des Kredits ist, weil seine Kunden dadurch von der Inflation, Steuervorteilen, Aktien und gleichzeitig von Immobilien oder Solaranlagen profitieren.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Der Selbstführungsklassiker schlechthin: 7 Habits of highly effective people. Die Konzepte von Proaktivität und Fokus auf den eigenen „Circle of Influence“ haben mich sehr beeinflusst. Insgesamt bin ich eher der Buch-Typ. Und habe in dem Kontext viele Favoriten. In ein paar Kategorien sind es diese:

Die geistige Grundlage für unser Projekt SparenStattTilgen ist: Eine Kombination aus Snowball von Warren Buffet und Zahlenwerken wie Triumph of the Optimists: 101 years of global investment returns (Dimson, Marsh, Staunton). Beim Thema Investment muss ich aber sagen, dass ich viel aus Gesprächen mit Experten bei der DWS und bei Fidelity mitgenommen hab.

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Ich habe die Selbstständigkeit parallel zu meinem Hauptjob gestartet. Deswegen habe ich eine besondere Herausforderung in der Selbstorganisation. Anfänglich habe ich es einfach irgendwie versucht unterzubekommen. Das war schnell herausfordernd und frustrierend, weil ich nicht so schnell vorankam, wie ich wollte.

Dann habe ich recht schnell entschieden, dass ich es nicht allein machen kann sondern Hilfe brauche. Woher kommt aber Hilfe wenn du kein Geld und kein funktionierendes Geschäftsmodell hast?

Erstmal mit vielen Menschen über die Idee sprechen… Und mit etwas Glück und Begeisterung wurde ich weiterempfohlen und konnte eine kleine Gruppe von „Gläubigen“ Sparen-statt-Tilger:innen versammeln.

Unser Ziel ist es ein Unternehmen zu werden, an dem dann alle beteiligt sind. Bis dahin haben wir aber freiberufliche Vereinbarungen.

So richtig Fortschritt hat aber begonnen als sich drei Dinge verändert haben.

  1. Als ich Christopher als Co-Founder gefunden habe. (Streng genommen war es da mit der Selbständigkeit vorbei) und es wurde „Unternehmerisch“. Er hat Vollgas gegeben und direkt Speed in viele Dinge gebracht.
  2. Als wir begonnen haben das Team regelmäßiger und mit mehr Struktur zu versorgen. Zum Beispiel mit:
    • In etwa monatlichen OKRs
    • regelmäßigen Terminen (so wenig wie möglich so viel wie nötig)
    • Jira zur Aufgaben Organisation (danke T.)
    • Persönlichen Check-ins in fester Frequenz
  3. Im Sommer hatten wir eine Menge Kundenfeedback und haben für ein paar Wochen eine Kern-Priorität „geiles Produkt“ ausgerufen und das ganze Team darauf aligned. Und das hat nochmal viel Kreativität und Energie entfesselt.

Meine Herausforderung bleibt weiterhin Zeit. Aber ich habe ein paar Mitstreiter:innen gefunden, mit denen ich dennoch unsere Mission vorantreiben kann – Den Kredit und die Altersvorsorge der Zukunft zu bauen.

So lässt es sich einfaches Bewerkstelligen auch mal Feierabend zu machen.

Ich glaube der Hebel liegt für jeden darin zu erkennen in was er hervorragend sein kann und will. Bei mir ist das: Ein Team hinter einer Idee, einem Ziel zu vereinen. Und dann ist es eigentlich auch egal – was die Organisationsform ist. Selbstständig sein muss nicht heißen „Einzelkämpfer“.

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

In kurz: Reflektion, Vorsätze & Pläne, Gewohnheiten & Rituale, Accountibility-Partner.

Reflektion: Ich reflektiere wöchentlich und monatlich wie es mir geht. Geistig und Körperlich.

Vorsätze & Pläne: Meistens kommen Vorsätze aus der Reflektion (z.B. mehr Sport, mehr Lesen etc.)

Gewohnheiten & Rituale: Eine Gewohnheit ein Ritual ist die kleinste Maschine, die du bauen kannst. Denn was zum Verhaltensstandard wird kostet keine Energie in der Umsetzung. Also versuche ich Vorsätze so zu übersetzen. Bei mir heißt das: Walking Meetings, Musik am Morgen, Reflektion am Sonntag… und ein paar andere Sachen.

Accountability-Partner: Die wichtigste Person ist hier wahrscheinlich meine Frau. Sie weiß sehr schnell, ob ich gerade zu wenig für mich selbst mache. Und sagt auch mal „jetzt ist aber Schluss für heute“. Und dafür bin ich mega dankbar. Mit meinem Mitgründer habe ich auch eine Vertrauensbasis, auf der wir uns informieren und aushelfen, wenn es zu viel wird.

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Ich habe viele Jahre in einer Agentur gearbeitet. Und seit dieser Zeit habe ich immer gesagt, dass ich niemals ein Service Business (Geld für Zeit) gründen würde. Vermutlich, weil mir wenig gute Ideen gekommen waren, wie ein solches Business fantastisch skalieren kann.

Langfristige Geschäftsmodelle wie zum Beispiel im Asset Management gefallen mir deutlich besser. Warum? Wenn man langfristig einen kleinen Prozentsatz des Kundenvermögens verdient. Dann hat man das gleiche Interesse der Kunde: Sein Vermögen möglichst schlau vermehren.

Beim Vertrieb bin ich stark von meinen Marketing-Wurzeln geprägt. Ich bin immer auf der Suche nach Möglichkeiten wie ich meinen Impact in der gleichen Zeit vergrößern kann. Content Marketing, Webinare oder Paid. Bei vielem anderen hilft eben einfach delegieren: Jemand finden der es besser oder günstiger kann als ich selbst. Manchmal ist das auch einfach ne Software oder eine gebaute Automation.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Mein langfristiges Ziel ist es, SparenStattTilgen zu einer festen Größe und zur Alternative neben dem Annuitäten-Darlehen zu machen. Einfach weil es geiler ist und für die meisten nur schwer zu erreichen. Aber mein Ziel ist auch, dass es dann eine Firma ist.

Ich glaube ein persönlicher Purpose ist für jeden Wichtig, und man sollte sich dazu Gedanken machen. Ich bin aber nicht sicher, dass jede:r Solo-Selbständige zwangsläufig eine Unternehmensvision haben muss. Denn vielleicht ist das Ziel einfach „möglichst entspannt ein gutes Leben zu haben“. Ist doch auch ok.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Ich bin nicht sicher, ob Geld die einzige und wesentliche Motivation sein sollte. An meiner Selbständigen und Unternehmerischen Tätigkeit schätze ich vor allem die Freiheitsgrade und die Eigenverantwortung. Sowie die Leute, mit denen ich wahnsinnig schnell ausprobieren und Lernen kann. Ob, wie schnell und wieviel Geld sie abwirft ist wichtig, aber ungewiss. Geld ist für mich hier eher ein Nachweis von „Nützlichkeit“.

Ich glaube mit SparenStattTilgen arbeite ich an einer Lösung für eine ganze Reihe von persönlichen Herausforderungen (Altersvorsorge, Finanzielle Freiheit, Inflations-Absicherung). Wenn ich hier bessere Lösungen als andere schaffe „verdiene“ ich auch eine gute Bezahlung. Und wenn ich das skalierbar tue, vielleicht sogar unternehmerischen Erfolg.

Andersherum: Ich denke jede:r Selbständige, Unternehmer:in, aber auch Mitarbeiter:in sollte sich einfach regelmäßig die Frage stellen: „Ist mein Beitrag hier nützlich?“. Und dabei liegt der Fokus auf „… nützlich für andere? … nützlich für das System?“

Denn wer nützlich ist, der ist meiner Erfahrung nach auch finanziell erfolgreich.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Wie gesagt – ich bin hybrid. Und zwar gleich doppelt. Denn ich bin selbstständig, Unternehmer und auch angestellt. Ich würde niemals NIE sagen. Denn jeder Arbeitsmodus hat viele Vorteile und damit eine Rolle in einem bestimmten Lebensabschnitt.

Sabine Langmann

Sabine Langmann ist seit 2019 freiberuflich unterwegs und hat sich auf Tech SEO, Audits und Strategie spezialisiert. Zuvor war sie einige Jahre inhouse für eines der führenden Gutschein-Portale unterwegs. Ihren Anfang im SEO fand Sabine vor 10 Jahren bei der Agentur mindshape, wo sie als erste Trainee ihren Weg in die Welt der Suchmaschinen bahnte.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Tatsächlich kam meine größte Inspiration durch meinen Vater, der uns von klein auf gepredigt hat, wie wichtig es ist, auf den eigenen Beinen zu stehen und möglichst selbstbestimmt durch unser (Arbeits-)Leben zu gehen. Somit war immer klar für mich, dass ich eines Tages meine eigene Chefin sein werde. Bücher und Podcasts zu den Themen gönne ich mir viel zu wenig, aber Rand Fishkins Lost and Founder kann ich auf jeden Fall empfehlen. Standardlektüre für eigentlich alle und jeden sind meiner Meinung nach The Tyranny of Words von Stuart Chase und unbedingt Crucial Conversations von Kerry Patterson. Hier geht es um Kommunikation: Die Auswahl der richtigen Begriffe und wie wir aus schwierigen, emotionsgeladenen Gesprächen produktive Momente machen.

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Von Anfang an wusste ich, dass ich unbedingt meine Zeiten tracken muss, damit ich am Ende eines Monats verstehe, welche Aufgabe tatsächlich wie viel Zeit in Anspruch genommen hat. Strenge Empfehlung für das Tool Clockify! Das ist zum Beispiel auch meine Grundlage für die Rechnungsstellung bei laufender SEO-Beratung. Hier sollte man übrigens nicht vergessen, auch „periphäre“ Themen mitzutracken – Zeit für Vortragsvorbereitung, Weiterbildung oder administrative Aufgaben. Die Zeit für dieses Interview tracke ich natürlich auch ;) So behalte ich einen guten Überblick darüber, wie ich meine Zeit verteile, wo es noch Optimierungspotenzial gibt und wo ich Gas geben muss, um Aufgaben zu erledigen.

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

Das war und ist ein schwieriger Prozess, über den ich mir wirklich erst aktiv bewusst werden musste. Gerade dieses Jahr hatte ich mir zuviel Arbeit aufgehalst und in Verbindung mit extrem wenig echter (!) Auszeit sowie den körperlichen Anstrengungen des Mutterseins (aka Schlafmangel), kam ich dann doch an meine Grenzen. Wenn du lustlos an Projekten sitzt und du einfach nur noch dauermüde bist, weißt du, dass du dringend den Laptop ein paar Wochen zur Seite legen musst.

Ein weiteres wichtiges Thema sind „toxische“ Kund:innen. Darunter verstehe ich solche Kund:innen, die ich eigentlich nur als Belastung wahrnehme. Faktoren sind dabei schlechte Kommunikation, unpassende Druckausübung und Differenzen in unternehmenspolitischen Belangen. Wenn ich mit meinen Kund:innen im Meeting kein einziges Mal lache und die Kommunikation nicht auf Augenhöhe stattfindet („Als würde ich mit meinem fiesen Chef reden“), ziehe ich einen Schlussstrich. Oftmals sind es genau diese Kund:innen, die Empfehlungen nicht umsetzen oder später ihre Rechnungen nicht zahlen. Auch, wenn das Geld lockt – hier lieber aufs Bauchgefühl hören und sich den psychischen/körperlichen Stress sparen. Dafür sind wir schließlich selbstständig :)

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Als Freelancerin ist Skalierbarkeit für mich ein untergeordnetes Thema. Natürlich sehe ich über die Jahre hinweg Wachstum – der begründet sich vor allem aus steigenden Tagessätzen. Kund:innen, die hier noch verhandeln wollen, kann ich leider nicht annehmen. Abgesehen davon können bestimmte Arbeitsschritte zumindest teilweise automatisiert werden, im Bereich der Keyword-Analyse geht da beispielsweise einiges. Allerdings habe ich mich auch auf strategische Aspekte festgelegt, für die ich wirklich selbst mein Hirn anschmeißen muss. Es wächst definitiv eine gewisse Routine, über die meine Aufgaben schneller erledigt werden können, aber irgendwo ist dann auch Schluss – für mich in dem Fall aber auch völlig in Ordnung.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Stimmt, diese Philosophie kenne ich noch aus meinem BWL-Studium. Für mich persönlich stehen derzeit die folgenden Dinge im Vordergrund: Freude an meiner Tätigkeit / Sinnhaftigkeit, Flexibilität und ein komfortables Leben. Wellness, Champagner und Kaviar mag ich sehr gern, reicht mir aber ein-, zweimal im Jahr ;)

Davon abgesehen überlege ich aber tatsächlich immer mal wieder – vor allem, wenn ich die Aufträge kaum mehr abarbeiten kann – ob ich mir jemanden zur Unterstützung ins Boot hole. Das ist gerade in unserer Branche natürlich nicht ganz einfach, aber einen Versuch werde ich mittelfristig wagen. Als Vision sehe ich hier die „erfolgreichste Frauen-geführte SEO-Agentur Deutschlands“.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Ich halte den Grundgedanken „Als Freelancer/in werde ich reich“ für irregeführt. Es sollte eher darum gehen, dass wir als Freiberufler ungefähr so viel verdienen wie festangestellt, allerdings mit weitaus mehr Flexibilität und keine:n Vorgesetzt:in, die Arbeitsschritte micromanagen.

Was mich sicherlich weit gebracht hat, ist meine sehr kommunikative Ader. Menschen interessieren mich einfach und ich liebe es, auf Events mit meinen Kollegen ins Gespräch zu kommen. Dazu gehört auch eine Menge „Über-den-Schatten-springen“, was ich aber höchstgradig empfehlen kann! In den allermeisten Fällen freuen sich die Leute über frischen Wind und neue Bekanntschaften.

Davon abgesehen beginnt der Weg in die Selbstständigkeit immer mit einem gut gefüllten Konto! Am besten so, dass es für ein halbes oder ein Jahr wirklich mies laufen darf. In meinem Fall hat mir das erlaubt, auch in holprigen Etappen Ruhe zu bewahren und mir die Kund:innen auszusuchen, die zu meinen Konditionen passen und mich weiterbringen. Ich glaube fest daran, dass sich Panik oder Stress sehr leicht ablesen lässt und potenzielle Kund:innen verjagt. Sobald es dann einmal läuft und die Arbeit gut gemacht wird, ist es tatsächlich ein Selbstläufer. 90% meiner Kund:innen kommen über Empfehlungen.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Allein bei LinkedIn erreichen mich pro Woche 2-3 Stellenangebote, mal mehr, mal weniger interessant. Wenn ich hier ins Gespräch gehe, dann meist mit Gehaltsvorstellungen von mindestens einem vollen Gehalt für eine halbe Stelle – anders lohnt es sich für mich derzeit einfach nicht. Natürlich gibt es bestimmte Unternehmen, für die ich eine Ausnahme machen würde. Das wäre aber eher ein Fall von persönlichen Beziehungen und nichts, was ich derzeit aktiv verfolgen würde. Insgesamt bin ich als Freiberuflerin sehr zufrieden und möchte diesen Pfad gern noch eine Weile weitergehen.

Jens Umland

Jens Umland ist seit 2016 als Freelancer im Bereich SEO mit dem Fokus auf strategischem und technischem SEO tätig. Vor seiner Selbstständigkeit war Jens sechs Jahre als Inhouse SEO tätig, zunächst im DACH-Bereich (shopping24) und danach international (Jimdo). Speziell für den technischen Teil und damit einhergehend unter anderem für die Kommunikation mit Entwicklern ist sein zuvor abgeschlossenes Studium in Wirtschaftsinformatik von Vorteil.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Über ein Buch verschaffe ich mir oft einen Ein- und Überblick mit Blinkist. Hier werden die Kernaussagen in kurzen Audio-Snippets aufbereitet. Sind diese gut, lese ich das Buch. Für mich waren schon vor der Selbstständigkeit die Themen Selbstorganisation und Produktivität wichtig. Dementsprechend war und ist Getting Things Done von David Allen ein wichtiges Buch für mich. An folgendes Zitat erinnere ich mich hier besonders: “Your mind is for having ideas, not holding them.” Ein weiteres Buch ist The 4-Hour Workweek von Timothy Ferriss. Auch hier ein Zitat: “To enjoy life, you don’t need fancy nonsense, but you do need to control your time and realize that most things just aren’t as serious as you make them out to be.”

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Ich würde mich – nicht erst seit meiner Selbstständigkeit – als strukturierten und gut organisierten Menschen beschreiben, was als Freelancer ganz sicher von Vorteil ist. Dazu habe ich ein Faible für digitale Organisation (nicht erst seit dem ich „Getting things done“ las). Das bedeutet, ich nutze eine ToDo-App für alle Aufgaben (beruflich und privat) und einen Kalender (auch beruflich und privat). Mein Anspruch hier ist bewusst, mich nicht an etwas gezielt erinnern zu müssen, sondern ein System zu schaffen, in dem ich zu jeder Zeit und von jedem Gerät einen Überblick habe.

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

Wie du schon in der Fragestellung richtig erwähnst, es hängt von einem selbst ab, das einzige Korrektiv hierbei ist man selbst. Der verantwortungsvolle Umgang gelingt mir ehrlicherweise mal besser und mal schlechter, hier gibt es für mich definitiv noch Potential.;) Es gelingt mir besser, wenn ich überwiegend in Projekte eingebunden bin, bei deinen ich asynchron arbeiten kann. So kann ich die Zeit unabhängiger vom Projekt für mich definieren. Andersherum bedeutet eine stärkere Einbindung in ein Team eines Kunden für ein Projekt eben auch, etwas von der Unabhängigkeit abzugeben. Das kann dann eben genau zu der von dir beschriebenen Situation führen, da mehrere Projekte parallel passieren. Aber – und das ist mir wichtig zu betonen – es liegt an einem selbst, die korrekte Balance zu finden, was für mich über einen längeren Zeitraum betrachtet auch gut funktioniert.

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Wenn Zeit gegen Geld verkauft wird, ist die Planung umso wichtiger. Dies gilt aus meiner Sicht sowohl für die Einnahmen- als auch für die Ausgaben-Seite. Denn nur wenn ich meine Ausgaben kenne, weiß ich, wieviel ich brauche, also einnehmen muss. Darüber hinaus geht es für mich nicht nur um Skalierung und Gewinnmaximierung, sondern für mich zu definieren, was ich brauche, um glücklich zu leben. Davon leitet sich dann der Zeitaufwand ab. So kann ich sicherstellen, nicht getrieben nach einem maximalen Gewinn zu agieren. Davon unabhängig ist selbstverständlich der kontinuierliche Lernprozess, durch den das Know-how ständig up-to-date gehalten wird.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Ich denke, dass „Vision“ eine Kategorie ist, in der vor allem Unternehmen oder vielleicht auch Teams innerhalb von Organisationen denken. Freelancer:innen brauchen meiner Meinung nach dagegen nicht unbedingt diese eine, große Vision, um mit ihrem Business dauerhaft erfolgreich zu sein. Wohl aber brauchen sie langfristige Ziele. Dazu gehören für mich mit Sicherheit ein kontinuierlicher Lernprozess, bei dem am Ende ein besseres Ergebnis steht. Und ich möchte mein System weiter vorantreiben, das mir erlaubt, bestmöglich zu leben und zu arbeiten.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Ich denke, ich stehe mit der Meinung nicht allein da, dass Geld allein kein Grund für eine freischaffende Beschäftigung sein sollte. Man kann sowohl festangestellt als auch freischaffend viel Geld verdienen. Entscheidend ist aus meiner Sicht, den eigenen Preis zu kennen. Eine Gefahr ist, selbstlos zu handeln und mehr Zeit in einer freischaffenden Beschäftigung zu verkaufen als jene, die in einer Festanstellung zu Verfügung stünde. Auch hier gilt, es gibt nur ein Korrektiv: man selbst. Wichtig für mich ist, dass jede:r einen guten finanziellen Überblick haben sollte, beispielsweise konkret über die eigenen Ausgaben. Denn es ist aus meiner Sicht zunächst entscheidend, wieviel ich „brauche“, um dann für mich zu entscheiden, wie ich dorthin komme.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Seriös kann ich diese Frage weder mit einem klaren „ja“ noch mit einem klaren „nein“ beantworten, daher versuche ich mich hier mit einem „jein“ durchzumogeln.;) Es ist eine – für mich – schwere Frage. Wie schon zuvor beschrieben gibt es Projekte, in denen ich sehr eingebunden bin und eben auch Freude daran habe, über einen längeren Zeitraum mit den gleichen Menschen auf ein Ziel hinzuarbeiten. Auf der anderen Seite ist es eben die Freiheit, dass ich nach meinem System ergebnisorientiert arbeiten kann. Neben diesen Aspekten kommt es aber auch auf das Projekt an sich an und ob es mich – neben den Menschen dort – begeistert. Ich schließe es aber ganz bewusst nicht aus, eines Tages wieder in einem Angestelltenverhältnis zu sein.

Jan-Peter Ruhso

Jan-Peter Ruhso ist seit 2016 freiberuflich aktiv und hat sich auf E-Commerce SEO spezialisiert. In seiner Rolle berät er hauptsächlich Großunternehmen im DACH-Raum. Jan-Peter ist auch Gründer von dem SEO Logfile-Analyse-Tool crawlOPTIMIZER. Seine Leidenschaft für E-Commerce & Startups liegt in seinen DNA.

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1. Welches Buch, Blog oder Podcast hat dich für die Themen Selbstführung und Unternehmertum positiv geprägt und würdest du weiterempfehlen?

Selbstführung und Unternehmertum sind zwei Themen, die mich seit langem faszinieren. In letzter Zeit habe ich viel über beide Themen gelesen und gehört und möchte hier einige der Bücher, Blogs und Podcasts empfehlen, die mich am meisten beeindruckt haben.

Das Buch, das mich am meisten beeindruckt hat, ist The Lean Startup von Eric Ries. In diesem Buch beschreibt Ries, wie Startups ihre Produkte entwickeln und bringen sollten, um schnell herauszufinden, ob sie auf dem Markt ankommen. Das Konzept der „Lean Startup“ ist für mich sehr interessant und nachvollziehbar und ich denke, dass es vielen Unternehmern helfen kann, ihre Ideen erfolgreich umzusetzen.

Ein weiteres Buch, das ich empfehlen kann, ist The Innovator’s Dilemma von Clayton M. Christensen. In diesem Buch untersucht Christensen, warum etablierte Unternehmen oft scheitern, wenn sie versuchen, neue Technologien oder Geschäftsmodelle einzuführen. Er kommt zu dem Schluss, dass es oft an der fehlenden Flexibilität und dem Verlust des Fokus auf das Kerngeschäft liegt. Dieses Buch ist sehr informativ und gibt etablierten Unternehmen wertvolle Einsichten in die Schwierigkeiten bei der Einführung neuer Ideen.

Ein absoluter Klassiker in Sachen Selbstführung ist The 7 Habits of Highly Effective People von Stephen R. Covey. In diesem Buch beschreibt Covey sieben Verhaltensweisen, die erfolgreiche Menschen haben. Dazu gehören Dinge wie Disziplin, Zielorientierung und Kommunikation. Covey zeigt auf, wie man diese Verhaltensweisen erlernen und umsetzen kann, um erfolgreicher zu werden.

Die Website Harvard Business Review bietet eine Vielzahl von interessanten Artikeln zu Selbstführung und Unternehmertum.

The Tim Ferriss Show ist eine großartige Quelle für Inspiration und Informationen rund um Selbstführung und Unternehmertum. Ferriss interviewt in jeder Folge spannende Gäste aus unterschiedlichen Bereichen und lässt sie über ihr Leben und ihre Arbeit sprechen. So bekommt man einen spannenden Einblick in die Gedankenwelt erfolgreicher Menschen und kann vielleicht auch den einen oder anderen Tipp für das eigene Leben mitnehmen.

Weitere Podcast-Tipps: OMR Podcast, Kassenzone, Digital Kompakt

2. Selbstständig zu sein bedeutet nicht nur sein eigener Chef zu sein, sondern letztlich auch sein:e erste:r und einzige:r Angestellte:r zu sein. Damit einher geht, dass man sich selber Strukturen, Routinen und Prozesse schaffen muss. Das ist Selbstdisziplin. Welche Mittel und Wege helfen dir dabei, um dich selbst zu organisieren und weise mit deinen Freiheiten umzugehen?

Wenn du dir selbst eine Struktur schaffst, kannst du dich besser organisieren und effektiver arbeiten. Eine gute Struktur hilft dir, deine Zeit und deine Aufgaben besser zu planen, zu priorisieren und zu koordinieren.

Sie gibt dir auch Halt und Orientierung, wenn du mal nicht weißt, was du als Nächstes tun sollst. Eine gute Struktur setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Zunächst einmal musst du dir überlegen, welche Aufgaben du erledigen willst und in welcher Reihenfolge du sie abarbeiten möchtest (Prioritäten setzen!). Dann musst du dir überlegen, wie viel Zeit du für jede Aufgabe einplanen willst und wie du die verschiedenen Aufgaben miteinander verknüpfen kannst. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die ausführliche Dokumentation. Du solltest dir überlegen, welche Informationen du für jede Aufgabe benötigst und wo du sie findest. Dokumentation hilft dir nicht nur, dich an Details zu erinnern, sondern sie kann auch hilfreich sein, wenn du deine Arbeit später noch einmal referenzieren musst. Um eine gute Struktur zu erstellen, kann es hilfreich sein, sich von anderen Menschen inspirieren zu lassen oder verschiedene Systeme auszuprobieren. Informiere dich also über die verschiedenen Möglichkeiten und finde heraus, welche für dich am besten funktioniert.

Tool-Tipps: Clockodo (Zeiterfassung); Sevdesk & Fastbill (Buchhaltung und Rechnungslegung)

Praxistipp: Möglichst immer tageweise für Kunden arbeiten – Das hilft bei deiner Struktur enorm

3. Im Volksmund sagt man „Selbstständig zu sein bedeutet: Selbst und ständig.“ Ob das immer so stimmt, hängt sicher von einem selbst ab. Aber eins ist klar: Selbstständigkeit verlangt Selbstachtung. Wie gelingt es dir, dass du verantwortungsvoll mit deiner Zeit und deinem Körper umgehst?

Ich habe es bisher immer irgendwie geschafft, meine familiären Verpflichtungen mit meinem Berufsleben in Einklang zu bringen. Natürlich ist es nicht immer einfach und es gibt Zeiten, in denen ich mich viel mehr um die Familie kümmern muss, aber das ist okay. Wenn ich sehe, dass ich meine Familie vernachlässige, dann mache ich etwas dagegen und ändere meine Prioritäten.

Allerdings gibt es auch Projekte, die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und in denen ich einfach nicht „nein“ sagen kann (12-16 Stunden pro Arbeitstag und das tlw auch an Wochenenden). In solchen Situationen bin ich froh, wenn mich meine Familie unterstützen kann. Sie verstehen dann, dass ich einfach nicht alles tun kann und sind mir trotzdem eine große Hilfe.

Für mich ist es wichtig, dass ich mich selbst respektiere und achte. Nur so kann ich auch für andere da sein und ein gutes Vorbild sein. Wenn ich sehe, dass ich müde oder gestresst bin, versuche ich, mir Zeit für mich selbst zu nehmen und mich zu erholen. Auch wenn es manchmal schwerfällt, ist es wichtig, dass ich mich um meine eigene Gesundheit kümmere, was in letzter Zeit leider viel zu wenig vorkam.

Praxistipp: Regelmäßige Sporteinheiten einplanen.

4. Freelancer:innen sind per se selbst ihre wichtigste Schlüsselressource und gleichzeitig auch ihr wichtigster Vertriebskanal. Damit einher geht ein nicht skalierbares Geschäftsmodell, insbesondere wenn Zeit gegen Geld verkauft wird. In der Literatur spricht man hierbei vom Owner’s Business Dilemma. Inwiefern siehst du dies für dich persönlich als ein Problem? Und welche Lösungsideen hast du, um diesem zu entkommen?

Einige Lösungsideen für das Owner’s Business Dilemma sind meiner Meinung nach:

  1. Ein stärkerer Fokus auf Wertschöpfung statt auf Zeitverkauf: Viele Freelancer:innen verkaufen ihre Zeit und ihre Dienstleistungen stundenweise. Dies kann zu einem Problem werden, wenn die Freelancer:innen versuchen, mehr Geld zu verdienen, indem sie mehr Stunden arbeiten. Stattdessen sollten sie sich auf die Schaffung von Mehrwert für ihre Kund:innen konzentrieren und versuchen, ihren Stundensatz zu erhöhen.
  2. Den Aufbau eines Netzwerks von Freelancer:innen und Kund:innen: Ein gutes Netzwerk von Freelancer:innen und Kund:innen kann dabei helfen, neue Kund:innen zu gewinnen und die Arbeit effizienter zu gestalten. Die Freelancer:innen sollten versuchen, enge Beziehungen zu ihren Kund:innen aufzubauen und sich mit anderen Freelancer:innen vernetzen.
  3. Die Schaffung eines skalierbaren Geschäftsmodells: Um das Owner’s Business Dilemma zu überwinden, ist es wichtig, ein skalierbares Geschäftsmodell zu entwickeln. Dies bedeutet, dass das Unternehmen oder die Organisation in der Lage sein sollte, mit wachsendem Volumen oder größerer Nachfrage problemlos umzugehen. Einige Möglichkeiten hierfür sind der Aufbau einer digitalen Infrastruktur oder die Automatisierung bestimmter Prozesse.
  4. Die Nutzung von technologischen Lösungen: Technologische Lösungen können dabei helfen, das Owner’s Business Dilemma zu überwinden. Sie ermöglichen es Freelancer:innen, ihre Arbeit effizienter und flexibler zu gestalten. Beispiele hierfür sind Projektmanagement-Tools oder -Plattformen sowie Kommunikations- und Zusammenarbeitslösungen wie Slack, Teams oder Zoom.

5. Man sagt, dass eine Unternehmensvision die Voraussetzung für die Strategie und damit den langfristigen Erfolg ist. Es dreht sich dabei alles um die Frage, was man ernsthaft mit seinem Business erreichen will. Gilt dies auch für Freelancer:innen? Was ist dein langfristiges Ziel mit deiner Selbstständigkeit?

Freelancer:innen müssen sich im Klaren darüber sein, was ihr langfristiges Ziel ist, wenn sie erfolgreich sein wollen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, was man mit dem Business erreichen will, sondern auch um die Frage, wie man es erreichen will. Ohne eine klare Vision und Strategie wird es schwer sein, auf Dauer konkurrenzfähig zu bleiben.

Ein stabiles und konkurrenzfähiges Unternehmen zu haben, ist mein langfristiges Ziel. Dafür muss ich mir aber eine gute Strategie überlegen. Die erste Frage, die ich mir stelle ist: Welche Nische möchte ich bedienen? Dann muss ich mir überlegen, welche Leistungen ich anbiete und wie ich mich von der Konkurrenz abhebe. Auch die Frage nach den Preisen ist wichtig. Wenn ich weiß, was ich will und wie ich es erreiche, kann ich meine Vision in die Tat umsetzen.

6. Viele sehen in der freischaffenden Beschäftigung die Chance, um wesentlich mehr Geld zu verdienen als in einer Anstellung. Doch immer wieder gibt es auch Beispiele, wo dies eben nicht gelingt. Was sind deines Erachtens die Faktoren, um als Freelancer:in erfolgreich zu sein? Wo siehst du Gefahren und Herausforderungen in der Selbstständigkeit? Und wie ist dein Weg hier gewesen?

Es gibt viele Gründe, warum sich Menschen für eine Selbstständigkeit entscheiden. Für die einen ist es die Freiheit, die sie in ihrer Arbeit haben wollen, für die anderen ist es die Chance, mehr Geld zu verdienen. Doch unabhängig davon, welche Motivation hinter der Entscheidung steckt, eine Selbstständigkeit aufzubauen, gibt es einige Punkte, die für diese Art der Arbeit sprechen.

Zunächst einmal ist die Selbstständigkeit eine gute Möglichkeit, um sein eigener Chef zu werden. Man ist nicht mehr an die Regeln und Vorgaben eines Arbeitgebers gebunden und kann seine Zeit frei einteilen. Außerdem hat man die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, welche Art von Arbeit man verrichten möchte. Natürlich ist es auch möglich, sich als Angestellter weiterzuentwickeln und Karriere zu machen, doch oft sind die Möglichkeiten hier begrenzt. Als Selbstständige:r hat man hingegen die Chance, sein Unternehmen stetig weiterzuentwickeln und zu expandieren.

Ein weiterer großer Vorteil der Selbstständigkeit ist die finanzielle Unabhängigkeit. Natürlich ist es am Anfang oft schwer, genug Aufträge zu bekommen und sich so ein stabiles Einkommen aufzubauen. Doch wenn man erst einmal etabliert ist, kann man sein Einkommen deutlich steigern. Darüber hinaus hat man als Selbstständige:r auch die Möglichkeit, von Zuhause aus zu arbeiten und so Zeit und Kosten für den Weg zur Arbeit zu sparen.

Allerdings sollte man auch nicht verschweigen, dass die Selbstständigkeit mit einigen Risiken verbunden ist. So ist man beispielsweise auf sich alleine gestellt und hat keinen Arbeitgeber, der einem bei Schwierigkeiten helfen könnte. Auch das finanzielle Risiko ist deutlich höher als in einem Angestelltenverhältnis. Wenn man also nicht gut plant oder Pech hat, kann es schnell passieren, dass man sein Geschäft wieder dichtmachen muss.

Insgesamt bietet die Selbstständigkeit sowohl Chancen als auch Risiken. Wer sich für diese Art der Arbeit entscheidet, sollte sich daher im Klaren darüber sein, was auf ihn zukommt. Nur wer bereit ist, das Risiko einzugehen und richtig hart arbeitet, kann als Selbstständige:r langfristig erfolgreich sein.

Praxistipp: Von Anfang an großzügige Rücklagen für Steuern, Krankenversicherungen und Co. beiseite legen. Sonst kommt man womöglich irgendwann in Zahlungsschwierigkeiten.

7. Würdest du jemals wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückgehen (wollen)? Warum bzw. warum nicht?

Sag niemals nie. Es gibt viele Vorteile, in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Dazu gehören Freelancer-Fremdworte wie „fixe Urlaube“ und das „Recht, mal krank zu sein“. Es kann natürlich auch sehr beruhigend sein, einen festen Gehaltsscheck zu bekommen.

Natürlich gibt es auch Nachteile, aber insgesamt muss man immer alles gegeneinander abwiegen. Ich würde vielleicht wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückkehren, wenn die Faktoren Herausforderung/ Perspektive/ Gehalt stimmen. Oft hat man sich als Freelancer an einen höheren Standard gewöhnt und muss dann gegebenenfalls Abstriche machen. Auf der anderen Seite könnten die geregelten Arbeitszeiten wieder für mehr Quality-Time mit der eigenen Familie bedeuten. Das muss jeder für sich selbst entscheiden und seine eigenen Prioritäten setzen.

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