Ich liebe es, in einer Agentur zu arbeiten. Das Agenturleben ist geprägt von einem jungen, dynamischen Umfeld mit abwechslungsreichen Projekten, bei dem man sich stetig weiterentwickelt und Neues dazulernen kann. Gleichzeitig gibt es aber auch immer wieder Herausforderungen, denen man sich insbesondere als Führungskraft stellen muss. Um stürmische Zeiten gut einordnen und überleben zu können, kann es hilfreich sein, sich das Ganze mal aus der Vogelperspektive anzuschauen. Ein Weg dies zu tun, ist das Agenturleben mit einem Bild zu beschreiben. Mein Bild handelt von einem Segelboot, dass im Meer auf Wellen reitet und auf dem Weg ist, neue Länder zu entdecken.

 

Ich liebe es mit Metaphern, Alliterationen und Vergleichen zu arbeiten, denn nicht umsonst sagt man ja „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Bereits in der Antike wusste man, dass man relevante Botschaften am besten in bildhafte Geschichten verpackt, damit sich die Zuhörer sich diese besser einprägen und nachempfinden können. So wundert es nicht, dass z.B. auch Jesus seine Botschaften über das Reich Gottes in Gleichnisse verpackt hat.

Wenn ich (potenziellen) Kunden in die Welt der Suchmaschinenoptimierung erkläre und dabei die wichtigsten Rahmenbedingungen für eine Wachstumsstrategie näher bringe, nutze ich beispielsweise gern das Bild eines Baums. In einigen Vorträgen habe ich diese Metapher bereits ausführlich erklärt (falls du diese dennoch noch nicht kennst, schau dir mal meinen Fachbeitrag Online-Shop-SEO: Erfolgshebel für eine Strategieentwicklung in der Website Boosting an).

In diesem Artikel möchte ich hingegen ein Bild vorstellen, dass meines Erachtens recht gut die Lebenswelt in einer Agentur beschreibt. Anhand dieser Metapher möchte ich ein paar Dinge aufzeigen, die denke ich jeder, der in einer Agentur arbeitet, nachvollziehen kann und gleichzeitig ein paar Gedanken mitgeben, wie man mit typischen Agenturherausforderungen umgehen sollte.

 

Eine Metapher, um die Lebenswelt von Agenturen zu beschreiben

Ich vergleiche das Agenturleben gern mit einer Fahrt auf einem Segelboot. Ich bin selbst kein erfahrener Segler, aber für mich steht die Fahrt mit einem Segelboot für Abenteuer. Ich denke hierbei an die Filme von „Fluch der Karibik“ oder die mutigen Geschichten von Christopher Kolumbus, Marco Polo o.a. Seefahrern, die sich auf den Weg machten, neue Länder und Kulturen zu entdecken, ja in die Weltgeschichte einzugehen.

So ähnlich empfinde ich auch das Leben in einer Agentur. Es ist geprägt von Abenteuern. Immer unterwegs und auf Entdeckungsreise nach den neuesten Trends. Immer mit dem Ziel, neue Kunden zu gewinnen und in deren Welt einzutauchen. Immer mit dem Wunsch, einen Kundencase zu produzieren, mit dem man sich sehen lassen oder gar Awards gewinnen kann. Einfach spannend!

Doch wer über die großen Weltmeere schippert, hat nicht nur immer eine klare Sicht auf ruhiger See. Stürme und damit verbunden ein entsprechender Wellengang hören in die Lebensrealität eines Seefahrers dazu. Als Kapitän heißt es hier, Ruhe zu bewahren und zusammen mit seiner Crew den Wellen zu strotzen.

Als Führungskraft erlebe ich, dass mein Schiff eigentlich immer in Bewegung ist. Es schwankt zwischen zwei Zuständen: Entweder man hat mehr Aufträge als Mitarbeiter oder zu viele Mitarbeiter als Aufträge. Für mich als mittlere Führungskraft ist eher der erstere Fall eine emotionale Belastung, denn sinnvoll zu beschäftigen, weiß ich meine Mitarbeiter:innen eigentlich immer. Das Management wiederum hat eher die finanziellen Zahlen im Blick und wird unruhig, wenn das Team nicht ausreichend ausgelastet ist.

Gleichzeitig beeinflussen interne wie externe Faktoren den Wellengang. Ein wichtiger Kunde kündigt oder ein Pitch, der die eigentlich vorhandenen Kapazitäten zur Zeit übersteigt, wurde gewonnen. Der Wunsch nach Gewinnmaximierung wirft die Frage nach der optimalen Abrechenbarkeit auf, während eine Pandemie oder erhöhte Anzahl an Kündigungen der Führungsregie die Augen öffnet, dass man mehr für die Mitarbeiter:innen und die internen Prozesse tun muss. Das Schiff ist in Bewegung, aber es kommt voran. Ein neuer Trend kommt auf oder eine Marktveränderung trifft ein: Den einen hatte man auf dem Schirm, ja vielleicht sogar vorausgesagt, so dass man hierbei nun ganz dick im Marketing nach außen hin auftreten kann. Den anderen wiederum hätte man so nicht erwartet und merkt nun, dass man im Hintertreffen ist. Jetzt heißt es, wieder nachzuziehen. Und bei allen Gegebenheiten gilt ganz klar: Ruhe bewahren und den Blick nach vorne richten!

 

3 Impulse, die man aus dem Bild ziehen kann

Eine metaphorische Beschreibung ist ja schön und gut, aber die Ableitung von Prinzipien, die sich daraus ergeben, ist umso wichtiger. Um einen Einblick zu geben, was ich aus dem Bild des Segelboots auf hoher See ziehe, möchte ich im Folgenden drei Impulsgedanken dazu teilen:

  1. Wellen laufen in Phasen ab: Mach dich also nicht verrückt! Wer lang genug in einer Agentur gearbeitet hat weiß: Alles wiederholt sich und bewegt sich in Spannungsfeldern. Egal ob Diskussionen über die Abrechenbarkeit, Kosten- oder Gehaltsstrukturen, Stundensatzerhöhungen, Recruiting-, Sales- und Marketinginitiativen, Abrechnungsmodelle, Maßnahmen zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit oder Verbesserung von internen Prozessen – das Spektrum an Themen zur Steuerung einer Agentur ist überall gleich und kann von unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. Wenn bei dir grad wieder so ein Thema auf der Agenda steht: Verzweifle nicht daran! Nach jedem Sturm folgt in der Regel auch eine Ruhephase.
  2. Ein Beispiel: Die Diskussion um die Abrechenbarkeit von Mitarbeiter:innen im Einzelnen oder eines Teams im Gesamten ist ein Klassiker. Das Management (mitunter auch getriggert durch Anleger/Investoren) sind „auf der Suche nach der perfekten Welle“ und wünschen sich verständlicherweise einen höchstmöglichen Prozentsatz an Kundenarbeit. Das ist richtig so, denn nur die Arbeit am Kunden hält die Agentur am Leben. Die Teamleads wiederum müssen sicherstellen, dass das Daily Business funktioniert und an internen Prozessen und der Weiterentwicklung der Mitarbeiter gearbeitet wird. Oft fühlen sich hier beide Seiten nicht verstanden, obwohl sie i.d.R. das Beste für die Agentur im Sinn haben. Mein Appell an beide: Redet miteinander und nehmt euch gegenseitig ernst!

    Wenn du im Management arbeitest: Agiere nicht zu plump und fordere unreflektiert einfach bessere Zahlen ein, ohne dich mit der Realität der einzelnen Teams zu beschäftigen und dich dann einfach rauszuziehen. Wer seine Leads und Mitarbeitenden nicht mitnimmt (und nicht auch mal proaktiv konkrete Impulse weitergibt, wie das Ziel erreicht werden könnte), verliert sie. Das ist am Ende teurer als die Auslastung zu erhöhen. Und vielleicht sind auch viele unnötige interne Stunden in gewissen Rahmenbedingungen begründet, dessen Anpassung eigentlich eher in deinem Verantwortungsbereich liegen und nicht bei den Teamleads.

    Wenn du als Teamlead arbeitest: Lass dich challengen und beschäftige dich intensiv mit den Zeitbuchungen deiner Mitarbeiter:innen. Wo wird falsch gebucht? Wo finden Meetings statt, die ineffizient oder unnötig sind? Wo gibt es innerhalb des Teams Unterschiede und warum ist das so? Ein „Das geht nicht!“ ist keine fundierte Antwort. Argumentiere eher auf Basis dessen, welche Mehrwerte die einzelnen Elemente der internen Investitionen bringen und lass dich auf Experimente ein.

    Am Ende ist es wichtig, hier auch immer die Mitarbeitenden selbst mit ins Boot zu holen. Mangelnde Transparenz und Kommunikation sowie Entscheidungen über die Köpfe hinweg gehen meistens nach hinten los.

     

  3. Das Boote schwanken ist normal: Hab daher einen Plan B! Eines meiner ersten Projekte als Teamlead bei Dept war es, dass ich für mein Team einen Freelancer-Pool aufgebaut habe. Mir war klar, dass es irgendwann mal dazu kommen wird, dass ich ohne externen Support meine Mitarbeiter:innen in die Überstunden dränge oder Aufträge absagen muss. Erstes entspricht nicht meiner Philosophie und zweiteres ist nicht schön, wenn man sich doch eigentlich Wachstumsziele gesetzt hat. Und der Aufbau dieser Backups hat sich bezahlt gemacht. Ich stelle zwar dennoch lieber selbst ein, aber gewisse Lastspitzen lassen sich so sehr gut abfangen und lassen mich und meine Mitarbeiter:innen besser schlafen.
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  5. Nur ein starker Wind bringt dich voran: Hiss deine Segel! Kein Mensch mag stürmische Zeiten. Aber wenn du Menschen fragst, welche Situationen sie am Ende wirklich haben wachsen und reifen lassen, dann sind es eben doch nicht die Momente, in denen alles perfekt läuft. Übertragen auf das Bild des Segelboots passt hierzu ein bekanntes Zitat von Aristoteles. Er lehrte uns: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Und genau darum geht es, insbesondere als Führungskraft. Die Aufgabe eines Leaders ist es, dass er die Chancen hinter den ungewollten Veränderungen identifizieren und diese seinen Mitarbeiter:innen aufzeigen kann. Denn, so sagt es ein weiteres Sprichwort: „Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung.“

 

Passend zu dem Bild des Segelboots passt für mich auch ein weiteres Zitat über Führung aus meiner Zitatekiste von Antoine de Saint-Exepury, das ich sehr mag und einen guten Schlusspunkt für disen Artikel liefert: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ – Dies beschreibt sehr schön, wie eine gute Führungskraft sein sollte: Er ist in der Lage, Menschen für eine bessere Zukunft zu begeistern und sie dahingehend zum Handeln zu mobilisieren. In diesem Sinne: Ahoi und gute Fahrt weiterhin!

 

Deine Meinung interessiert mich

Welche Gedanken kommen dir bei der Metapher? Beschreibt dieses auch dein Empfinden des Agenturlebens? Welche Impulse nimmst du aus diesem Artikel mit?

Ich freue mich auf deine Rückmeldung in den Kommentaren…

 

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