In jeglicher Fachliteratur über Leadership kann man es nachlesen: „Führungskräfte brauchen eine Vision“ – also eine klare Vorstellung davon, wohin sie ihr Team führen wollen. Dies ist auf der einen Seite wichtig, um Veränderungsprozesse zu erkennen und in den Gang zu setzen. Auf der anderen Seite gibt eine Vision Mitarbeiter:innen Halt und Ausrichtung, ja motiviert sie im Idealfall. Als Führungskraft des mittleren Managements habe ich mich lange gefragt, ob man für Abteilungen innerhalb eines Unternehmens eigentlich auch eine visionäres Leitbild inkl. Werten formulieren darf bzw. vielleicht sogar sollte. Eigentlich ist man als Abteilung ja eher ein Puzzleteil eines Gesamtbilds. Warum ich dennoch glaube, dass jedes Team eine Vision benötigt, erkläre ich in diesem Artikel.

Sowohl in meinen bisherigen beruflichen Stationen als auch im kirchlichen Kontext hatte ich bisher mit Visionen zu tun. Und ich muss gestehen: So wirklich motiviert und angezogen haben mich diese dort skizzierten Wunschvorstellungen von der Zukunft eigentlich selten. Zu idealistisch und damit fernab der aktuellen Realität wirkten mir viele die gezeichneten Bilder. Zu austauschbar und allgemeingültig waren sie mir oft formuliert. Und manchmal holte einen der Alltag wieder ein, so dass die Visionen wieder im Hintergrund verschwanden oder man gar wieder neue Fernziele definierte. Daher beschäftigte ich mich lieber mit den tatsächlichen Herausforderungen im Hier und Jetzt und dachte in kleinen, konkreten nächsten Schritten anstatt von einem Übermorgen zu träumen, das fernab der aktuellen Realität lag.

Ich vermute, dass es recht vielen Menschen so mit Visionen geht. Doch letztlich müssen wir beim Thema zunächst einmal in die Begriffsdefinition gehen, denn wir verwenden das Wort „Vision“ gern für unterschiedliche Gegebenheiten.

 

Alles Vision oder was: Von was ist hier eigentlich die Rede?

Wenn ich den Begriff Vision im religiösen Kontext höre, muss ich an Personen denken, von denen berichtet wird, dass sie Visionen im Sinne göttlicher Eingebungen über die Zukunft hatten. Auch heute noch erfahren gläubige Menschen (in leitender Funktion), dass Gott zu ihnen spricht und lassen sich durch diese visionären Eindrücke entsprechend leiten. Egal wie man selbst zu diesen prophetischen Eingebungen steht, sie sind als eine mögliche Begriffsdefinition für Visionen zu nennen – ja finden in den alten Schriften ihren eigentlichen Bedeutungsursprung.

Zum Zweiten kann eine Vision als ein Teil eines Leitbilds verstanden werden, das zusammen mit einer Mission sowie Werten die grundsätzliche Ausrichtung eines Unternehmens beschreibt. Die Vision, meist auch Vision Statement genannt, beschreibt dabei eine zukünftige Wirklichkeit, die auf Grundlage der Mission angestrebt werden soll. Im Idealfall wird diese in einem Satz formuliert und erfüllt dabei die folgenden drei Kriterien:

  • Leichte Kommunikation: Eine Vision ist einfach und verständlich formuliert sein.
  • Motivierende Wirkung: Eine Vision weckt Emotionen.
  • Nachhaltiger Antrieb: Eine Vision stiftet Sinn.

 

Beispiel: So lautete das Vision Statement von Google ursprünglich: „Google’s Vision is to develop the perfect search engine.“ Mittlerweile hat dieses sich weiterentwickelt zu „Google’s Vision is to provide access to the world’s information in one click.“ Hierüber wird deutlich, welchen Anspruch Google an sich selbst hat und in welche Richtung man das Unternehmen hinentwickeln möchte.

Aus einem Vision Statement lassen sich aber noch nicht zwangsläufig die konkreten nächsten Schritte ablesen. Daher werden in Rahmen der Strategieentwicklung auch gern zum Dritten Visionen im Sinne einer terminierten Zielsetzung formuliert. Hier wird auch ein Bild von der Zukunft skizziert, jedoch ist man hier idealerweise etwas konkreter unterwegs und beschreibt ein Zielbild für die kommenden Jahre. Diese Zielbeschreibung ist dabei eine Mischung aus gewünschter Traumvorstellung und realistisch-ambitionierter Zielplanung, bei der man meist schon erste Ansätze definieren kann, um dieser Vision näher zu kommen.

 

Jedes Team braucht eine Vision

Ob Mitarbeiter:innen von einem Vision Statement wirklich vom Hocker gerissen werden können oder nicht, das muss jeder für sich beurteilen. Ich bezweifle zumindest etwas die motivierende Wirkung eines solchen Zielsatzes über die gesamte Belegschaft hinweg. Wer schnell begeisterungsfähig ist, fühlt sich bei bei einer gelungenen Vorstellung einer Vision zwar vermutlich schnell angezogen, aber nach einer Weile verblassen die Emotionen und man ist davon kaum noch motiviert. Nichtsdestotrotz steht denke ich außer Frage, dass es dennoch sinnvoll ist, ein visionäres Leitbild zu formulieren und damit den Rahmen für eine unternehmerische Ausrichtung zu legen.

Ein noch größeres Potenzial sehe ich aber in den terminierten Zielbildern, da diese einen kürzeren Erfüllungsrahmen abbilden und konkreter formuliert sind als das generische Vision Statement. Die Frage, die sich hierbei nur stellt: Auf welchen Ebenen ist die Erarbeitung von Visionen zu empfehlen?

Ich würde behaupten, dass es hierbei keine Grenzen gibt und es auch für Führungskräfte von Abteilungen lohnenswert ist, ein Zielbild zu skizzieren. Mitarbeiter:innen fühlen sich vor allem ihren spezifischen Teams und damit ihren unmittelbaren Führungskräften zugeordnet. Daher sollte auch auf dieser Ebene eine Form gefunden werden, um Orientierung zu geben und ein Bild von der Zukunft zu malen.

Es ist letztlich wie (damals) in der Schule: Es gibt einen Jahrgang, der unterteilt ist in mehrere Klassen. Die einzelnen Schüler fühlen sich vor allem mit ihrer Klasse verbunden, wobei von einer entfernteren Distanz der Erfolg (z.B. der Abiturdurchschnitt einer Schule) immer übergreifend, d.h. wiederum auf Jahrgangsebene bewertet wird.

Letztlich reduziert sich das Ganze jedoch nicht nur auf die Formulierung einer Vision. Auch die Mission als auch die Werte sind Aspekte, die auf Teamebene erarbeitet und in ein Leitbild überführt werden können. Wichtig ist hierbei nur, dass die Visionen der einzelnen Teams dem Leitbild der gesamten Organisation nicht widersprechen. Viel eher sollte hier die Summe der einzelnen Teile wie bei einem Puzzle ein Gesamtbild ergeben. Das oberste Management geht voran und skizziert ein übergreifendes Leitbild inkl. terminierten Zielbildern als konkrete Orientierungspunkte. Die darunter liegenden Ebenen brechen das Ganze herunter auf darauf aufbauenden Zielbildern und motivieren die einzelnen Teams Ähnliches zu tun. Alles ist miteinander verbunden und doch steht jede Vision für sich.

 

Die Vision 2024 für das SEO-Beratungsteam von Dept

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Head of SEO bei Dept habe ich Anfang 2022 zusammen mit meinen SEO-Leads ein Leitbild für das SEO-Beratungsteam entwickelt. Wenn man sich obige Begriffsdefinitionen vor Augen führt, bin ich hier einen etwas eigenen Weg gegangen. Die Vision für mein Team bewegt sich etwas zwischen dem generischen Leitbild und dem terminierten Zielbild – das merke ich letztlich erst jetzt, wo ich diesen Blogbeitrag schreibe. Ich glaube, dass dies aber auch gar nicht so schlimm ist, da nicht die Form, sondern der Inhalt maßgeblich ist. Mein Ziel war es, meinem Team ein konkretes Bild von der Zukunft zu skizzieren und ihnen klarzumachen, mit welchem Anspruch wir die kommenden Jahre gestalten wollen. Es geht hierbei um die Fragen:

  • Was wünsche ich mir von jedem Einzelnen, um dieses Ziel zu erreichen?
  • Was werden wir als Führungskräfte tun, um dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen zu legen?
  • Was soll uns als Team kennzeichnen und wie wollen wir zusammenarbeiten?

Was wir hier erarbeitet haben, ist dem folgenden Video zu entnehmen:

(Falls du das Video direkt in Youtube sehen willst, anbei der Direktlink: https://www.youtube.com/watch?v=uR-6bH-ATeU)

 

Diese Vision ist immernoch vergleichsweise generisch formuliert, ja eher wie eine Art „große Überschrift“ zu verstehen. Dennoch zeigt sie unseren Herzschlag für ein größeres Ziel. Darüber hinaus haben wir als SEO-Leads SMART-Ziele definiert, die die Vision in konkrete nächste Schritte pro Jahr herunterbricht. Genauso hat jeder einzelne Mitarbeitende SMART-Ziele für sich innerhalb der Feedbackgespräche formuliert, die auf die Vision und Abteilungsziele einzahlen. Wenn wir hier alle an einem Strang ziehen, bin ich zuversichtlich, dass aus Vision auch Realität werden kann. Was denkst du?

 

Deine Meinung interessiert mich

Hast du für dein Team bereits eine Vision sowie Wertevorstellungen formuliert? Bist du eher den klassischen Weg des Leitbilds gegangen oder den Weg eines terminierten Zielbilds? Was denkst du zu der Vision von Dept bzw. der heruntergebrochenen Vision des SEO-Beratungsteams?

Ich freue mich auf deine Rückmeldung in den Kommentaren…

 

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